Luzerner Kriminalgericht: Türsteher handelte in Notwehr und erhält Freispruch

Die Luzerner Staatsanwaltschaft stellt sich auf den Standpunkt, ein Türsteher habe einen Besucher der Stadtluzerner Bar 59 schwer verletzt. Das Gericht anerkennt, dass der Sicherheitsmann den Gast nicht verletzen wollte.

Sandra Monika Ziegler
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Eine Mainacht vor sechs Jahren endete für einen alkoholisierten und unter Drogen stehenden Gast vor der Luzerner Bar 59 in einem Albtraum: Nach einer Rangelei mit dem Türsteher, bei der der Gast «fixiert» und später «unsanft» durch die Luzerner Polizei abtransportiert wurde, ist er schwer verletzt worden. Er hatte mehrere Halswirbel gebrochen. Die Arbeitsfähigkeit des heute 34-Jährigen ist seither «dauerhaft erheblich eingeschränkt», wie dem begründeten Urteil des Luzerner Kriminalgerichts zu entnehmen ist. Er trat als Privatkläger im Prozess auf.

Für die Staatsanwältin hat der heute 46-jährige Türsteher den Straftatbestand der schweren Körperverletzung erfüllt. Für den Verteidiger des Beschuldigten ist dies jedoch nicht erwiesen. Genauso gut hätte der «unsanfte» Abtransport durch die Polizei für die Verletzung gesorgt haben können. Der Verteidiger fordert einen Freispruch für seinen Mandanten und die Übernahme der Prozesskosten durch den Staat.

Verfahrenskosten von gut 12'000 Franken

Dass der «unsanfte» Einsatz der Polizei zu den Verletzungen hätte führen können, wird nun im begründeten Urteil verneint. Das Kriminalgericht spricht den beschuldigten Sicherheitsmann von Schuld und Strafe frei, er habe in Notwehr gehandelt. Die Verfahrenskosten von gut 12'000 Franken sollen dem Staat überbunden werden.

Das Gericht hat den genauen Hergang der Auseinandersetzung zwischen dem Beschuldigten und dem Privatkläger untersucht. Und klärte, ob die gravierenden Verletzungen davon rühren. Auch prüfte das Gericht, ob die Polizei bei ihrem Eintreffen vom Beschuldigten angemessen orientiert wurde.

Türsteher wehrte sich gegen den Angriff

Bei der Polizei ging in dieser Mainacht die Meldung ein, wonach ein Gast «sehr dumm tue» und auf die Türsteher losgegangen sei. Das Kriminalgericht hält dazu fest, die Aussagen diverser Anwesender würden erhebliche Ungereimtheiten aufweisen. Es sei jedoch offensichtlich, dass die Verletzungen durch das Handeln des 120 Kilo schweren Türstehers entstanden seien. Doch dieser habe den Gast nicht verletzen wollen, sondern sich gegen den Angriff gewehrt. Es gebe keine Anzeichen, dass er den Gast vorsätzlich habe verletzen wollen.

Das Gericht zweifelte an den Aussagen des Gastes, der als Privatkläger auftrat, und glaubt, dass er eine Geschichte erfand, um den Beschuldigten möglichst «empfindlich» zu belasten.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, es wurde Berufung angemeldet.