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LUZERNER KRIMINALGERICHT: Ungewöhnlich hohe Strafe für Räuberpaar beantragt

Ein Paar hat in 15 Monaten drei brutale Raubüberfälle begangen. Es fesselte die Opfer und bedrohte sie mit dem Tod. Der Beschuldigte hat sich den Namen der Staatsanwältin auf die Haut gebrannt.
Wegen überfüllten Gefängnissen müssen hin und wieder Häftlinge in ausserkantonale Haftanstalten transportiert werden. (Symbolbild Neue LZ)

Wegen überfüllten Gefängnissen müssen hin und wieder Häftlinge in ausserkantonale Haftanstalten transportiert werden. (Symbolbild Neue LZ)

Innerhalb von eineinhalb Jahren hat ein Paar aus Deutschland bei drei Raubüberfällen in den Kantonen Luzern und Zug 620'000 Franken erbeutet. Bei den Taten ging es «unnötig brutal vor», wie die Staatsanwältin bei der gestrigen Verhandlung vor dem Luzerner Kriminalgericht ausführte. Sie beantragte für den türkischstämmigen Mann eine Freiheitsstrafe von 18 Jahren, für seine Partnerin deren 15.

Die beiden wurden im Juli 2015 in Nottwil aufgegriffen und befinden sich seither im vorzeitigen Strafvollzug. Unter dem Vorwand, eine Wohnung zu besichtigen, verschafften sie sich im Januar 2014 Zutritt bei einer älteren Frau in Luzern. Absicht war laut Staatsanwaltschaft, einen Raubüberfall zu begehen. Das Paar überwältigte die Frau und ihren Partner, fesselte beiden mit Kabelbinder die Hände auf den Rücken und verlangte Tresorschlüssel und Bargeld. Die Beschuldigten bedrohten die Opfer mit dem Tod, knebelten sie mit Klebeband und flüchteten mit 70'000 Franken.

Ähnlich gingen sie 14 Monate später in Cham vor. Sie kontaktierten ein Ehepaar telefonisch auf ein Inserat, um Aktien zu kaufen. Bei der vermeintlichen Übergabe fesselten und knebelten die Beschuldigten das Ehepaar, fügten ihnen Schläge zu und bedrohten auch dieses mit dem Tod. Die Beute: 40'000 Franken. Der dritte Überfall galt einem Goldschmiedeatelier in einer Luzerner Gemeinde. Dort bedrohten sie die Inhaberin und ihren Partner mit einer Schreckschusspistole. Auch hier fesselten und knebelten sie ihre Opfer. Der Deliktsbetrag diesmal: 512'000 Franken.

Grausam behandelt mit sadistischem Vergnügen

Bei der gestrigen Verhandlung wurde schnell klar, dass der Mann die treibende Kraft war. Bei der Befragung betonte er dies immer wieder, und auch seine Frau, beziehungsweise ihre Verteidigerin, liess keine Gelegenheit aus, dies festzustellen. Während die Staatsanwältin dem Paar vorwarf, es hätte seine Opfer grausam behandelt, indem es diese mit Klebeband knebelte und mit sadistischem Vergnügen auf sie einschlug, schilderte der Verteidiger des Beschuldigten, dass dieser jeweils besorgt gewesen sei und darauf achtete, dass die Opfer bequem liegen konnten.

«Die Fesselung der Opfer diente nur der Verwirklichung der Tat und war nicht sadistisch. Mein Mandant zeigte Mitgefühl mit den Leuten.» Weniger Mitgefühl hat er offenbar mit der Staatsanwältin. Während des Strafvollzugs brannte er deren Namen mit einer heissen Büroklammer in seinen Unterarm. Auf die Frage des Gerichtspräsidenten, warum er dies tat, sagte er. «Ich weiss nicht. Aber es steckt keine böse Absicht dahinter.»

Die Verteidigung nannte den Strafantrag der Staatsanwaltschaft «absurd hoch» und beantragte für den Beschuldigten 60 Monate Freiheitsentzug, für seine Frau 50 Monate. Das Urteil wird den Parteien zugestellt.

Roger Rüegger

roger.rueegger@luzernerzeitung.ch

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