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Luzerner Kripo-Chef geht in Frühpension: Der Jäger verlässt sein Revier

23 Jahre lang ging Daniel Bussmann als Kripo-Chef auf Verbrecherjagd. Ab Neujahr nimmt er vermehrt Wildtiere ins Visier. Der 59-Jährige Frühpensionär wirkte wie ein Vollblutpolizist alter Schule, war aber auch Pionier.
Alexander von Däniken
Daniel Bussmann an der Präsentation der Polizeistatistik. (Bild: Urs Flüeler/Keystone (Luzern, 29. März 2017))

Daniel Bussmann an der Präsentation der Polizeistatistik. (Bild: Urs Flüeler/Keystone (Luzern, 29. März 2017))

Tiervergleiche wirken oft bemüht, bei Daniel Bussmann sei hier eine Ausnahme erlaubt. Er hat die Erscheinung eines Bären, die Erfahrung eines alten Hasen und den Jagdinstinkt eines Hais. Mit 59 Jahren lässt sich der Kripo-Chef der Luzerner Polizei frühpensionieren. Hauptsächlich, weil ab nächstem Jahr eine Reglementsänderung bei der Luzerner Pensionskasse in Kraft tritt.

Bussmann blockte alle Medienanfragen zu seinem Rücktritt ab, auch aus seinem Umfeld liess sich mit Ausnahme seiner Chefs niemand finden, der sich öffentlich über ihn zitieren lässt. Bislang bekannt war, dass Bussmanns Führungsstil zuweilen als raubeinig galt, in seiner Fachkompetenz aber als unbestritten beschrieben wurde.

Jurist und Instruktionsoffizier

Einen Teil dieser Fachkompetenz holte sich der in Buttisholz aufgewachsene Daniel Bussmann beim Studium der Rechtswissenschaften an der Uni Fribourg und darauf folgenden Anwaltspraktika im Kanton Luzern. Die Führungserfahrung holte er sich beim Militär. So war er rund vier Jahre Instruktionsoffizier der Armee und absolvierte die militärische Führungsschule der ETH in Zürich und Wädenswil.

«Er war ein sehr guter Kriminalist und hinterlässt zweifellos grosse Fussstapfen.»

Adi Achermann, Kommandant Luzerner Polizei

Die Polizeikarriere startete er im August 1990 bei der Kantonspolizei Glarus, wo er zuerst als Chef der Verkehrspolizei tätig war. Schon nach wenigen Monaten übernahm Bussmann die Leitung der Kripo. Vier Jahre später ergab sich im Heimatkanton eine passende Gelegenheit für einen Wechsel. Weil der damalige Kripo-Chef der Kantonspolizei Luzern, Jörg Stocker, zum Kommandanten gewählt wurde, wurde Stockers Posten frei. Am 1. September 1995 trat Bussmann die Stelle des Luzerner Kripo-Chefs an – und blieb dort bis Ende dieses Jahres.

In den 23 Jahren wurde Bussmann mit einigen grossen Fällen konfrontiert. So etwa mit dem als «Todespfleger» bekannt gewordenen Krankenpfleger, der zwischen 1995 und 2001 24 Heimbewohner getötet hatte. Auch der Amoklauf von Menznau 2013 oder der Vergewaltigungsfall von Emmen 2015 hielten den Kripo-Chef auf Trab. Ein weiterer Fall beschäftigt Bussmann nun über die Pensionierung hinaus: Die juristische Aufarbeitung des «Fall Malters» dauert noch an.

Daniel Bussmann an der Medienkonferenz zum Tötungsdelikt im Altersheim Eichhof im Sommer 2001. (Bild: Archiv LZ)

Daniel Bussmann an der Medienkonferenz zum Tötungsdelikt im Altersheim Eichhof im Sommer 2001. (Bild: Archiv LZ)

Abgeschlossen sind derweil interne Reformen, die Bussmann miterlebte, wobei nicht jede nach seinem Gusto verlief. Beruhigte er im Zuge der Fusion von Stadt- und Kantonspolizei auf Januar 2010 noch die Bevölkerung, es brauche keine privaten Sicherheitsdienste, fand er sich rund drei Jahre später mitten in der Polizeikrise wieder: Die übertriebene Gewalt einzelner Polizisten und fragwürdige Personalentscheide gipfelten im Rücktritt des damaligen Kommandanten und im Entzug von Bussmanns Funktion als Vizekommandant.

Fachgebiete ausgebaut und vorangetrieben

Der jetzige Kommandant, Adi Achermann, lobt Bussmann: «Er war ein sehr guter Kriminalist und hinterlässt zweifellos grosse Fussstapfen.» Die Luzerner Polizei habe heute eine erfolgreiche Kripo. Viele Fachgebiete seien in Bussmanns Amtszeit spezialisiert und ausgebaut worden. Und: Der kriminaltechnische Dienst war der erste in der Schweiz, der eine Akkreditierung erlangte. «Diese Qualitätsstandards konnten unter der Leitung von Daniel Bussmann erreicht werden», so Achermann. «In der heutigen Zeit, wo der Sachbeweis einen sehr hohen Stellenwert hat, kommt dieser Pionierleistung sicher ein besonderer Stellenwert zu.»

Ein langjähriger Berufskollege erwähnt, dass Bussmann ausgezeichnete Talentförderung betrieben hat. So etwa im Bereich Wirtschaftskriminalität oder IT-Forensik. Er sei ein «Chef zum Anfassen» gewesen, der sich sowohl im strategischen wie auch operativen Bereich sehr wohl gefühlt habe. Adi Achermann ergänzt: «Trotz manchmal harter Schale ist er ein feinfühliger, geselliger Mensch mit einem grossen Gerechtigkeitssinn.»

Sicherheitsdirektor Paul Winiker hob kürzlich in einer Abschiedsrede Bussmanns Engagement hervor. Er habe die Gesellschaft in vielen Fällen vor weiterem Schaden bewahrt. «Still im Hintergrund, ohne Medienaufsehen, aber wirkungsvoll.»

Diesen Dezember hat Daniel Bussmann seinen Nachfolger Jürg Wobmann eingearbeitet. Nun kann er sich freuen, mehr Zeit für seine Frau zu haben, fürs Reisen, die Natur, fürs Lesen. Als passionierter Jäger wird er ausserdem öfters am Waldrand anzutreffen sein. «Trotzdem wird er die Kriminalpolizeiarbeit sicher sehr vermissen», sagt ein Weggefährte. «Schliesslich hat er sein halbes Leben lang damit verbracht, mit grosser Leidenschaft bei der Klärung von Verbrechen mitzuarbeiten.»

Zitate von Daniel Bussmann

«Das geht auf keine Kuhhaut. Ich habe manchmal Mitleid mit unseren
Polizisten.»
An der Präsentation der Polizeistatistik vom 27. März 2012 schilderte Daniel Bussmann, dass sich einige Nordafrikaner gegenüber Polizisten äusserst aggressiv verhalten.

«Die Situation hat sich markant entspannt. Es war für alle Leute, von
zuunterst bis zuoberst, eine belastende Zeit.»
Die 2013 gehäuft bekannt gewordenen Fälle von Polizeigewalt und fragwürdigen Personalentscheiden gipfelten in der Polizeikrise. Wenige Monate später, am 27. März 2014, gab der Kripo-Chef Entwarnung.

«Wer am Wochenende in der Stadt Luzern in den Ausgang geht, weiss, wovon ich rede.» Immer wieder machte Daniel Bussmann auf die mangelnden Ressourcen im Korps aufmerksam. So auch bei der Präsentation der Polizeistatistik am 26. März 2015, als es um den Drogenhandel und -konsum in der Stadt Luzern ging.

«Warten? Worauf?» An der Verhandlung vor dem Luzerner Kantonsgericht am 23. August 2018 im «Fall Malters» stellte der Kripo-Chef klar, dass es für die Hausstürmung keine Alternativen gab.

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