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Luzerner Künstlerpaar gestaltet Hochhaus in Berlin neu

Das Künstlerduo Queenkong hat in der deutschen Hauptstadt in luftiger Höhe ein Kunstwerk erschaffen.
Michael Graber
Die rechte Seite dieses Berliner Gebäudes haben die Luzerner Queenkong farblich aufgehübscht. (Bild: Nika Kramer)

Die rechte Seite dieses Berliner Gebäudes haben die Luzerner Queenkong farblich aufgehübscht. (Bild: Nika Kramer)

Höhenangst ist ganz grundsätzlich etwas Dummes. Richtig dumm ist sie aber, wenn man einen Beruf wählt, bei dem man in 45 Meter Höhe ein Hochhaus in Berlin anmalt und ansprayt. Und genau einen solchen hat Marco Schmid gewählt. Schmid ist die eine Hälfte des Luzerner Künstlerduos Queenkong und hat soeben – richtig vermutet – in Berlin ein Hochhaus farblich aufgewertet. «Es war eine kurzfristige Anfrage. Der ursprünglich vorgesehene Künstler ist leider verunfallt und so wurden wir angefragt», sagt Vero Schmid, der andere Teil von «Queenkong» und die bessere Hälfte von Marco. 13 Tage lang von morgens um neun bis abends um neun Uhr standen die beiden Luzerner auf einer fahrbaren Plattform und malten und sprayten. Auf Wind und Wetter konnte das Duo keine Rücksicht nehmen: «Wir hatten schlicht keine Zeit.» Das Wetter sei aber freundlicherweise grösstenteils freundlich gewesen. So entstand aus 200 Litern Farbe und vielen Sprühdosen bis zum 15. Juli eine Hälfte eines Gesichts. Die andere Hälfte des Hochhauses gestaltete der Künstler Tankpetrol.

Mittels grosser Krane gestalteten die Künstler ihr Bild an insgesamt 13 Tagen. (Bild: Nika Kramer)

Mittels grosser Krane gestalteten die Künstler ihr Bild an insgesamt 13 Tagen. (Bild: Nika Kramer)

Neben der Höhenangst, die Marco überwinden musste, galt es auch andere logistische Probleme zu lösen. Vielleicht das Wichtigste: Die Kinderbetreuung. Die Schmids haben zusammen eine junge Tochter, die man nicht unbedingt in 40 Metern Höhe auf einer Plattform dabeihaben will. «Zum Glück kannten wir bereits Leute in Deutschland und konnten so eine durchgehende Betreuung organisieren», sagt Vero. Oft stand die Tochter unten, während Papa und Mama mit Mundschutz die Wand bearbeiteten. «Wenn wir sie weinen hörten, konnten wir rasch runterfahren», sagt Vero. In Luzern haben Queenkong unter anderem das alte Himmelrichgebäude (mittlerweile abgerissen) und die ehemalige Kehrichtverbrennungsanlage im Ibach bemalt und sich so schweizweit einen Namen gemacht, der auch bis ins Ausland ausgestrahlt hat.

Gesamtfläche von 672 Quadratmeter

Das Berliner Bild sei ihr bislang grösstes Werk gewesen, sagt sie. Entstanden ist es in Zusammenarbeit mit «Urban Nation», einem Museum für «Urban Contemporary Art» in Berlin. Neben dem eigentlichen Museum ist das Ziel «Berliner Fassaden in eine riesige Outdoor-Galerie» zu verwandeln. Mit einer Gesamtfläche von 672 Quadratmetern gehört das Projekt von Tankpetrol und Queenkong zum Artpark Tegel. «Wenn man an den Flughäfen Tegel fährt, sieht man unser Gesicht», freut sich Vero Schmid. Für das Gesichtsmotiv hätten sie sich entschieden, weil das andere Künstlerkollektiv ebenfalls auf ein Gesicht setzte und man sich so gegenseitig ergänzen konnte. Zusammengesetzt ergeben die Bilder eine Kämpferin, die sich für die Natur einsetze, wie Schmid sagt.

Vero Schmid bei der Arbeit hoch über dem Boden. (Bild: Nika Kramer)

Vero Schmid bei der Arbeit hoch über dem Boden. (Bild: Nika Kramer)

Spannend sei der Kontakt mit den Bewohnern des Hochhauses gewesen, sagt Vero Schmid. «Die allermeisten hatten grosse Freude an unserer Kunst», sagt sie. Es habe aber auch welche gegeben, die fragten, «ob man wirklich alles anmalen müsse», erzählt sie mit einem Lächeln. Nach dem Studium der Fotos ist man geneigt zu sagen, dass die Plattenbausiedlung durch die Luzerner Malerei eher aufgewertet wurde, aber Kunst ist ebenso subjektiv wie Höhenangst.

Nächstes Objekt: Stadion Schlottermilch

Recht objektiv messbar ist dagegen, dass Queenkong mit dem Berliner Projekt wieder einen Schritt vorwärts gemacht haben. «Für uns ist das eine enorm coole Sache», so Vero Schmid. «Gerade Berlin ist für unsere Art der Kunst sehr attraktiv.» Vorher haben sie bereits unter anderem in New York und Hamburg Wände verschönert. Derzeit würden einige Projekte anstehen, viele seien noch nicht wirklich spruchreif. Das nächste grössere öffentliche Objekt, dass die Schmids «verqueenkongen» werden, ist die Rückwand des Stadions Schlottermilch in Sursee. Auch ein ziemlich grosses Projekt, aber auch ziemlich weniger hoch. Das dürfte Marco Schmid sicherlich freuen.

Das Bild zeigt eine Kämpferin, die sich für die Natur einsetzt. (Bild: Nika Kramer)

Das Bild zeigt eine Kämpferin, die sich für die Natur einsetzt. (Bild: Nika Kramer)

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