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Luzerner Kurden demonstrieren für ihren Anführer

Sie fordern Anerkennung, Mitspracherecht und bessere Haftbedingungen für ihren Anführer Abdullah Öcalan. Deshalb befinden sich Kurden weltweit im Hungerstreik. Auch in Luzern demonstrieren sie – und hoffen auf die Mithilfe der Medien.
Kilian Küttel
Elf der 15 Demonstranten am Dienstag im LZ-Gebäude. Die restlichen stehen Abseits der Kamera und sprechen mit dem Reporter. (Bild: Christian Peter Meier (Luzern, 8. Januar 2018))

Elf der 15 Demonstranten am Dienstag im LZ-Gebäude. Die restlichen stehen Abseits der Kamera und sprechen mit dem Reporter. (Bild: Christian Peter Meier (Luzern, 8. Januar 2018))

Dienstagnachmittag, LZ-Mediengebäude, kurz vor 15 Uhr: Auf der Redaktion im Stadtluzerner Maihof geht ein Anruf vom Empfang ein. Beim Haupteingang warte eine Gruppe Demonstranten und wolle mit einem Vertreter unserer Zeitung sprechen. Tatsächlich: Gut 15 Personen stehen im Foyer, alles Männer, alles Kurden. Der Jüngste um die 20, der Älteste deutlich über 70 Jahre alt.

Was wollen die Männer in Winterjacken und Schals? Ihre Botschaft platzieren. Sie tragen ein Transparent in den Händen: blauer Himmel, grauer Turm, weisse Tauben. Im Vordergrund ein Satz: «Wir sind im Hungerstreik – Freiheit für Öcalan». Daneben das Bild einer Frau.

Seit über zwei Jahren kein Besuch

Die Frau heisst nicht Öcalan sondern Leyla Güven, ist kurdische Politikerin, wurde im Januar 2018 festgenommen – und: Sie isst nicht mehr. Seit dem 7. November. Aus Protest. Vor Gericht soll sie gesagt haben: «Ich beginne einen unbefristeten Hungerstreik, um gegen die Isolation von Herrn Öcalan zu protestieren.»

Abdullah Öcalan gilt als Führer der Kurden, war 1978 Gründungsmitglied der Kurdischen Arbeiterpartei PKK. Seit 1999 ist er inhaftiert, den letzten dokumentierten Besuch erhielt er gemäss der Nachrichtenagentur AFP im September 2016. Bereits 2005 hatte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte das Verfahren als unfair bezeichnet.

Nicht nur die kurdische Politikerin protestiert. Auch die 15 Männer im Luzerner Maihof tun es. Selber hätten sie zwar nicht gehungert, sagt ein Vertreter von ihnen. Doch: «Uns ist es wichtig, ein Zeichen zu setzen. Deshalb sind wir geschlossen hierher gekommen.»

Kurden hoffen auf hiesige Medien

Mit diesem Satz gibt der Mann um die 60 mit dichtem Schnauz ein Dossier ab, in dem die Sicht der Kurden geschildert ist. Darin heisst es, dass es mehrere Hungerstreiks in der ganzen Welt gibt. In syrischen und türkischen Gefängnissen. Zudem soll auch in Strassburg gestreikt werden.

Der Mann bittet inständig um eine Publikation: «Die türkischen Medien interessieren sich nicht für unsere Situation.» Kein einziger dortiger Fernsehsender habe über den Streik von Leyla Güven berichtet. Sie befinde sich seit über 60 Tagen im Hungerstreik, langsam werde die Situation kritisch. «Deshalb ist jetzt die Zeit gekommen, um auf ihren Fall aufmerksam zu machen. Um das zu schaffen, brauchen wir die westlichen Medien», so der Sprecher der 15 im Maihof.

Der Reporter nimmt das Dossier entgegen, verspricht, es sich anzusehen, schüttelt Hände und verabschiedet sich. Die 15 klatschen, einer juchzt. Dann packen sie ihr Transparent zusammen und treten raus auf die Strasse. Es ist kurz nach 15 Uhr.

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