Luzerner Landwirt wegen Biberdamm-Zerstörung teilweise schuldig gesprochen

Das Bezirksgericht Willisau hat einen Bauern schuldig gesprochen, einen Biberdamm in der Rot bei St. Urban zerstört zu haben. Freigesprochen wurde er vom Vorwurf des Zerstörens von Dämmen im Mühlebach und von vorsätzlicher Tierquälerei.

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(sda/rgr) Das Bezirksgericht Willisau bestrafte den 56-jährigen Landwirt mit einer bedingten Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu je 160 Franken und mit einer Busse von 900 Franken. Dies geht aus dem Urteilsdispositiv hervor, das das Gericht am Mittwoch veröffentlichte.

Die Willisauer Einzelrichterin sprach den Landwirt schuldig, zwischen dem 30. Oktober und dem 6. Dezember 2018 in der Rot einen Damm der geschützten Tierart Biber vorsätzlich zerstört zu haben. Ausserdem wird er schuldig gesprochen des vorsätzlichen Missachtens des Artenschutzes durch Beschädigen des Biber-Lebensraums sowie des vorsätzlichen unerlaubten Eingriffs in den Lebensraum des Schutzgebietes Wässermatten. Er habe damit gegen Bestimmungen des Jagdgesetzes und des Natur- und Heimatschutzgesetzes verstossen.

Das Bezirksgericht sprach den Beschuldigten aber auch von mehreren Anklagepunkten frei. Diese bezogen sich hauptsächlich auf die mutmassliche vorsätzliche Zerstörung von Biberdämmen im Mühlebach. Auch vom Vorwurf der vorsätzlichen Tierquälerei wurde er freigesprochen.

Die Staatsanwaltschaft hatte sich für eine bedingte Geldstrafe von 30 Tagessätzen à 190 Franken und für eine Busse von 1600 Franken ausgesprochen.

Unschuld beteuert

Am Prozess vom 12. August hatte der Landwirt vor dem Bezirksgericht seine Unschuld beteuert. Er sei kein Biber-Feind und habe selbst an einem Biber-Projekt mitgearbeitet, erklärte er. Er habe am Biberdamm in der Rot nichts gemacht. Das gestaute Wasser habe für sein Land keine unmittelbare Gefahr bedeutet.

Gemäss Anklageschrift war der Damm mit Hilfe eines Traktors zerstört worden. Darauf hinweisende Traktorspuren begründete der Landwirt damit, dass er ein Wasserfass für seine weidenden Rinder manövriert habe. Der Biberdamm sei gebrochen, als die Rot Hochwasser geführt habe.

Dieser Theorie widersprach ein Biberfachmann von Pro Natura, der von der Bezirksrichterin befragt wurde. Der Damm in der Rot sei mit einer Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent von Menschenhand beschädigt worden, sagte er. Bei einem Hochwasser wäre er an einer anderen Stelle gebrochen, aber nicht dort, wo er beschädigt gewesen sei.

Bauer reichte Berufung gegen das Urteil ein

Der Beschuldigte hatte den Biberdamm den Behörden gemeldet. Hier hakte der Verteidiger ein. Es mache doch keinen Sinn, einen Biberdamm zu melden und dann zur Selbsthilfe zu greifen, sagte er. Die Indizien reichten nicht aus für eine Verurteilung.

Im Bezug zum Mühlebach gab der Bauer an, er habe dort Äste entfernt. Es seien aber nur einzelne Äste gewesen und kein Biberdamm, erklärte er.

Gegen das Urteil hat der Beschuldigte Berufung eingereicht.

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