Luzerner Landwirte bereiten sich auf zukünftige Wasserknappheit vor

Die Grundwasserpegel im Kanton Luzern erholen sich langsam und liegen wieder in einem durchschnittlichen Rahmen. Jedoch nicht in allen Regionen. Bauern planen derweil langfristig und investieren in neue Wasserversorgungen.

Sandra Peter
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Das landwirtschaftliche Kulturland - hier in Malters - litt 2018 unter der Hitze und dem mangelnden Regen. Um diese Gefahr zu minimieren, sorgen Bauern vor.

Das landwirtschaftliche Kulturland - hier in Malters - litt 2018 unter der Hitze und dem mangelnden Regen. Um diese Gefahr zu minimieren, sorgen Bauern vor.

Pius Amrein, 5. August 2018

«Die Wasserstände sind nicht mehr besorgniserregend tief», sagt Philipp Arnold, Teamleiter Gewässer bei der Dienststelle Umwelt und Energie des Kantons Luzern (Uwe), auf Anfrage unserer Zeitung.

Philipp Arnold, Dienststelle Umwelt und Energie Kanton Luzern

Philipp Arnold, Dienststelle Umwelt und Energie Kanton Luzern

Remo Nägeli

Nach dem heissen Sommer 2018 und dem darauffolgenden niederschlagsarmen Winter lagen die Grundwasserpegel diesen Frühling vielerorts unter dem langjährigen Durchschnittswert (wir berichteten). Dem ist im Grossen und Ganzen nicht mehr so. Das Bundesamt für Umwelt (Bafu) schreibt in seinem Grundwasserbulletin von Anfang Dezember, dass wegen der überdurchschnittlichen Niederschlagsmengen im Oktober und November die Grundwasserstände und Quellbulletins insgesamt angestiegen seien. «Derzeit sind vorwiegend normale bis teilweise hohe Grundwasserstände und Quellabflüsse mit uneinheitlicher Tendenz zu verzeichnen», heisst es. Sprich: Es gibt je nach Region Unterschiede.

Bei der Messstation Täschlerhüsli in Emmen lag der Grundwasserpegel beispielsweise im Oktober 2019 rund 12 Zentimeter über jenem des Oktobers 2017, sowie knapp über dem Mittel der Jahre 2008 bis 2019.

Grundwasserspeicher im Raum Sursee noch nicht aufgefüllt

Anders sieht es in Sursee bei der Messtation Hofstetterfeld aus. Hier lag der im September 2019 gemessene Wert noch rund einen Meter unter dem Mittel der Jahre 2008-2019. Aktuellere Werte für die Messstation Hofstetterfeld sind beim Uwe noch nicht verfügbar.

Philipp Arnold bestätigt die Unterschiede je nach Region und erklärt:

«In hauptsächlich niederschlags-geprägten Gebieten wie beispielsweise dem Surental hat sich die Lage zwar auch entspannt, die Pegelstände des Grundwassers liegen aber immer noch unter dem langjährigen Durchschnitt.»

Um wieder auf einen durchschnittlichen Pegel zu kommen, müsste im laufenden Winterhalbjahr rund 20 bis 30 Prozent mehr Niederschlag fallen gegenüber dem langjährigen Mittel, so der Teamleiter Gewässer bei der Dienststelle. Denn in Gebieten, die nicht zusätzlich über Fliessgewässer wie etwa die Reuss versorgt werden, erholen sich die Pegel langsamer. Weil im Winter die Vegetation kaum Wasser benötigt, fliesst das Niederschlagswasser zu einem hohen Anteil durch den Boden bis ins Grundwasser. Der Winter wäre also naturgegeben die ideale Jahreszeit, um den Grundwasserspeicher auffüllen zu können.

Bauern nehmen Trockenheit anders wahr

Stefan Heller, Geschäftsführer Luzerner Bauernverband

Stefan Heller, Geschäftsführer Luzerner Bauernverband

Philipp Schmidli

Besonders betroffen von der Trockenheit waren im Sommer 2018 nebst Gewässerlebewesen (wir berichteten) auch Landwirte (wir berichteten). «Wir betrachten nicht nur die Ist-Situation», erklärt Stefan Heller, Geschäftsführer des Luzerner Bäuerinnen und Bauernverbandes (LBV) mehr als ein Jahr nach besagtem Sommer. Wasser sei und bleibe in der Landwirtschaft ein grosses Thema, sowohl für Tiere als auch Kulturen. Dabei beobachtet er im Vergleich zum Hitzesommer 2003 eine Veränderung. «Das Problembewusstsein ist anders. Damals war der Tenor: Ja, das gibt es mal, aber es ist wohl eine Ausnahme. Heute geht man davon aus, dass eine solches Extremereignis in kürzerer Zeit wieder eintreffen könnte», so Heller. Bestehende Wasserversorgungen würden ausgebaut oder neue angelegt. «Wir erfahren von verschiedenen Seiten, dass nach wie vor nach Wasser gesucht wird», sagt er.

«Es gibt Quellen, die versiegt und bisher nicht wieder angelaufen sind.»

Der LBV-Geschäftsführer ist auch in Stiftungen tätig, die Bauern finanziell unter die Arme greifen. «Gesuche um Unterstützung für die Wasserversorgung haben in den letzten Jahren zugenommen», so Heller. Denn je nach Lage erreichen die Kosten für die Bohrungen zur Wassersuche, die Verlegung von Leitungen, den Bau von Reservoirs und die Pumpen schnell über 100'000 Franken. Landwirte investieren, um sich langfristig gesehen abzusichern und bei Wasserknappheit nicht in eine prekäre Lage zu kommen. So vergrössern Landwirte gemäss Heller etwa auch ihre Reservoirs, um mehr Wasser für trockene Zeiten auffangen zu können. Ein anderer investiert in eine Ringleitung und überlegt sich, diese dereinst an die öffentliche Wasserversorgung anzuschliessen.

Anfragen für Bohrbewilligungen haben auch gemäss Arnold Philipp, Teamleiter Gewässer beim Kanton Luzern in den letzten zwei Jahren zugenommen. «Gewässerschutzrechtlich bewilligungspflichtig sind nur Bohrungen im Gewässerschutzbereich, der die öffentlichen Grundwasservorkommen mit deren Randgebieten umfasst. In den letzten zwei Jahren erreichten uns etwa sechs Anfragen pro Jahr», sagt Arnold.

«Wer über Grundwasser sitzt, will es nutzen».

Mehr Daten zum Grundwasserpegel im Kanton Luzern