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Das sind die Folgen der Sparmassnahmen: Luzerner Lehrer legt seinen Lohn offen

Der Nidwaldner Daniel Blättler unterrichtet im Kanton Luzern Sekschüler und ist unzufrieden mit den Auswirkungen der Sparmassnahmen für die Lehrer. Statt die Faust im Sack zu machen, ist er selber aktiv geworden.
Roseline Troxler
Daniel Blättler zeigt vor der Pädagogischen Hochschule Luzern die Rückmeldungen der Kantonsräte und Kantonsratskandidaten, welche er auf sein Video erhalten hat. (Pius Amrein, Luzern, 13. März 2019)

Daniel Blättler zeigt vor der Pädagogischen Hochschule Luzern die Rückmeldungen der Kantonsräte und Kantonsratskandidaten, welche er auf sein Video erhalten hat. (Pius Amrein, Luzern, 13. März 2019)

In der Pädagogischen Hochschule (PH) Luzern sind die Gänge gefüllt mit Studenten, die sitzend Arbeiten diskutieren. Daniel Blättler schaut ihnen beim Vorbeigehen zu. Vor gut zehn Jahren hat er die PH abgeschlossen. Seither unterrichtet er als Seklehrer. Für die Masterarbeit analysierte er die Laufbahn von Lehrern und stellte fest, dass mehr als die Hälfte wegen fehlender Aufstiegsmöglichkeiten unzufrieden ist. Das Thema hat ihn ein Jahrzehnt später nicht losgelassen, wie sich beim Gespräch an der PH zeigt.

Der Hergiswiler (36) ist einer, der hinterfragt, der den Sachen auf den Grund gehen will. So auch bei der Entwicklung der Lehrerlöhne. Mit den kantonalen Sparpaketen der letzten Jahre wurde der automatische Stufenanstieg der Lehrer-Gehälter mehrmals ausgesetzt. Dies, obwohl es in der Besoldungstabelle heisst: «Jedes Jahr erfolgt in der Regel ein Anstieg um eine Lohnstufe.» Der Anstieg soll aufgrund anderweitig fehlender Möglichkeiten der Beförderung im Lehrerberuf dennoch eine Art Karriereentwicklung ermöglichen. In der Besoldungstabelle heisst es aber auch, dass der Regierungsrat den Anstieg aussetzen kann, «erfordert es die Finanzlage des Kantons».

«Ich bin vom Kanton als Arbeitgeber enttäuscht»

Daniel Blättler sagt: «Ich habe verstanden, dass aufgrund der schwierigen Finanzlage des Kantons Luzern auch wir Lehrer einen Beitrag leisten müssen und habe dies auch gegenüber meinen Kollegen so vertreten.» Damit habe er teils für Unverständnis gesorgt. Doch aufgrund der Sparmassnahmen der letzten sechs Jahre ist Daniel Blättlers Lohn auch heute noch deutlich unter dem Wert, den er mit seiner zehnjährigen Berufserfahrung eigentlich haben könnte, wie er betont. «Aktuell ist mein Jahreslohn rund 7500 Franken tiefer als ohne Sparmassnahmen – Differenz weiter steigend.» Blättler hat die Situation genau studiert, sich bereits vor drei Jahren mit zwei Kantonsräten ausgetauscht, mit der Dienststelle Volksschulbildung Kontakt aufgenommen und zudem die Lehrerlöhne mit anderen Kantonen verglichen. Die Situation im Kanton Luzern stösst ihm sauer auf. «Ich habe meinen Beitrag bei den Sparmassnahmen geleistet. Es darf nicht sein, dass wir jungen Lehrpersonen nie den uns eigentlich zustehenden Lohn erreichen können. Ich bin vom Kanton als Arbeitgeber enttäuscht.»

Doch statt sich nur über die Situation zu ärgern, wird Daniel Blättler aktiv. In einem selber produzierten, zwölfminütigen Video zeigt er auf, wie sich sein Lohn in den letzten Jahren entwickelt hat und was die Sparmassnahmen für ihn persönlich bedeuten. Er schreibt Kantonsräte und Kantonsratskandidaten an. Blättler erklärt:

«Ich will ihnen die Auswirkungen der Sparpakete nachvollziehbar darlegen und den Ball zuspielen».

Fast 2500 Personen haben das Video bis dato angeschaut und 27 Kantonsräte von links bis rechts sowie 27 Kandidaten haben ihm eine Rückmeldung gegeben. «Die Antworten sind wirklich fundiert.» Blättler, der in einer Luzerner Landgemeinde unterrichtet, will sie nun auswerten und ein weiteres Video produzieren. Den Namen seiner Schule will er nicht nennen, damit sein Engagement als Privatperson nicht mit der Schule in Verbindung gebracht wird.

«Ich habe keine politischen Ambitionen»

Der 36-Jährige betont: «Ich bin in keiner Partei und habe keine politischen Ambitionen.» Ihm gehe es einfach darum, sein Beispiel aufzuzeigen. «Es braucht nun eine Korrektur, wenn Luzern für Lehrer wieder attraktiv werden will. Aktuell sind wir das Schlusslicht.» Zwar sei der Einstiegslohn (er liegt gemäss Deutschschweizer Erziehungsdirektorenkonferenz bei 90 430 Franken) und der Maximallohn (135 394 Franken) in Luzern gut, doch Lehrer, welche schon ein paar Jahre auf der Sekundarstufe unterrichten, kämen nicht vom Fleck. Grund ist das Aussetzen der Stufenanstiege. Für das kommende Schuljahr erhöht sich zwar der Lohn, allerdings gibt es keinen ganzen Stufenanstieg. Seit der Anpassung des Lohnsystems im Jahr 2016 ist es möglich, auch teilweise Anstiege zu gewähren.

Doch weshalb bleibt der Hergiswiler dem Kanton Luzern treu? «Ich möchte meinen Arbeitgeber nicht wechseln, denn die Schule gefällt mir sehr und seitens Schulleitung und Gemeinde erfahre ich viel Wertschätzung. Was mir fehlt, ist allerdings eine verlässliche Lohnpolitik im Kanton Luzern.» Im Gespräch unterstreicht Blättler, dass andere von den Sparmassnahmen betroffene noch viel mehr Grund hätten, ihre Situation aufzuzeigen – etwa bei den sozialen Institutionen.

Treffen mit Bildungsdirektor Reto Wyss

Blättlers Engagement blieb nicht ohne Folgen. Nach dem Interview sagt er: «Ich hatte überraschend eine Einladung bei Reto Wyss, mit dem ich im Anschluss eine halbe Stunde reden konnte.» Für die Luzerner Lehrer zeichnet sich eine Verbesserung ab: Zunächst soll per Mitte 2020 die zusätzliche Unterrichtsverpflichtung rückgängig gemacht werden. Seit 2017 unterrichten Lehrer eine zusätzliche Lektion. «Diese Massnahme hat für uns oberste Priorität, um die Attraktivität des Lehrerberufs wieder zu steigern. Es ist ein wichtiges Signal für die Mitarbeitenden», sagt Bildungsdirektor Reto Wyss (CVP).

Er betont, dass viele Faktoren auf die Attraktivität des Arbeitsplatzes von Lehrpersonen einwirken, so seien nebst dem Lohn auch die Ausbildung im Kanton oder die Führungsstrukturen entscheidend. «Hier stehen wir im Vergleich gut da.» Reto Wyss räumt jedoch ein: «Aufgrund der Finanzsituation haben wir bei den Lehrpersonen und den Verwaltungsangestellten eine Lohnentwicklung, welche nicht ganz den Erwartungen unseres Systems entsprechen.» Dies gelte es zu beobachten. Die Angst der Lehrer, dass die Sparmassnahmen sich über die ganze Berufslaufbahn auswirken, sieht er nicht. «Eine Korrektur ist immer möglich.»

Löhne: Lehrerverband warnt vor Abwanderung

Der Luzerner Lehrerinnen- und Lehrerverband (LLV) begrüsst die Ankündigung der Regierung zur Reduktion der Unterrichtsverpflichtung. LLV-Präsident Alex Messerli: «Es ist das Ende des Ausnahmezustands. Es eröffnet die Chance, weitere Schritte zu machen, um Verlässlichkeit und Attraktivität zu erreichen.» Nicht zufrieden ist er aber mit der aktuellen Situation bei den Löhnen: «Die Regierung hat selber zugegeben, dass die Entlöhnung der Lehrpersonen gelitten hat», so Messerli. Dies erschwere das Besetzen der offenen Stellen, führe zu Abwanderung und fördere die Frühpension. Der LLV-Präsident begrüsst daher auch das Engagement des Luzerner Lehrers Daniel Blättler. «Er hat sich öffentlich exponiert, was bei den vielen Klischees um den Lehrerberuf nicht ganz einfach ist. Dies erfordert neben Wissen auch Mut.» (rt)

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