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Luzerner Löwengraben wird nicht grüner – zum Ärger der Linken

Der Stadtrat lehnt Begrünungselemente in der neu gestalteten Achse Grendel/Löwengraben ab. SP und Grüne sehen dies ganz anders – auch vor dem Hintergrund des Klimawandels.
Hugo Bischof
Für die SP und die Grünen ist der Löwengraben «eine Betonwüste». (Bild: Nadia Schärli, 15. März 2019)

Für die SP und die Grünen ist der Löwengraben «eine Betonwüste». (Bild: Nadia Schärli, 15. März 2019)

Nach langem Hin und Her sind die Umbauarbeiten an der Achse Löwengraben/Grendel in der Luzerner Altstadt endlich beendet. 3,7 Millionen Franken hatte das Stadtparlament dafür im März 2015 bewilligt. Nicht alle sind mit der Neugestaltung aber zufrieden. Die SP und die Grünen bemängelten in einem Postulat an den Stadtrat schon im September 2018 «viel Grau, viel Asphalt, wenig Aufenthaltsqualität» (wir berichteten).

«Was es bedeutet, wenn aus Kostengründen die Begrünung und die nutzerfreundliche Gestaltung auf der Strecke bleiben, ist nun sichtbar und spürbar», schrieben die Grossstadträtinnen Luzia Vetterli (SP/JUSO) und Mirjam Landwehr (Grüne). Sie wollten vom Stadtrat wissen, «ob noch minimale, kostengünstige Verbesserungen möglich sind». Denkbar sei beispielsweise «mobiles Sitzmobiliar und Grünboxen mit Naschgarten, Blumen oder einzelne Bäume».

Rabatten könnten «sichtbehindernd sein»

Die Antwort des Stadtrats liegt nun vor – und sie fällt für die Postulantinnen ernüchternd aus. Der historische Graben als Stadtbefestigung sei ein Leerraum gewesen, heisst es darin. Das habe man im Gestaltungskonzept respektiert und übernommen. Begrünungselemente wie Rabatten und Tröge seien im Löwengraben auch aus Sicherheitsgründen abzulehnen, da diese «rasch sichtbehindernd sein können» Der Löwengraben ist neu eine Begegnungszone mit Tempo 20 (zuvor galt hier Tempo 30). Der Platz vor der alten Post ist als Wendeplatz für die Zubringer vorgesehen und kann zeitlich begrenzt als Veranstaltungsfläche genutzt werden. «Dennoch soll die Fahrbahn für Anlieferer sowie Velos weiterhin die Funktion einer Strasse erfüllen», so der Stadtrat.

SP und Grüne sehen dies anders. «Häufig verirren sich Touristen mit dem Auto im Löwengraben», heisst es im Postulat. «Sie müssen dann wenden und wieder herausfahren, was den Strassencharakter erhöht und die Sicherheit beeinträchtigt.» Zudem bestehe das Risiko, «dass der viele freie Platz als illegale Parkfläche missbraucht wird».

Neben Grünelementen fordern SP und Grüne auch Sitzgelegenheiten. «Es gibt im hinteren Bereich (Löwenplatz bis Mühlenplatz) gerade mal ein Bänkli», kritisieren sie. Zumindest dieses Anliegen hat der Stadtrat teilweise aufgenommen. Mit den Abschlussarbeiten Ende 2018 wurden sechs neue Sitzbänke montiert. Sitzen könne man zudem in den Boulevard-Restaurants.

Die grüne Grossstadträtin Mirjam Landwehr ist mit der Antwort nicht zufrieden. Sie hält deshalb am Postulat fest. Siebzehn Jahre habe es gebraucht, um aus einer ersten Gestaltungsidee das jetzige Projekt zu realisieren: «In dieser Zeit haben sich die Ansprüche an den Stadtraum geändert.» Es habe eine «Mediterranisierung» stattgefunden, was «zu einer vermehrten und intensiveren Nutzung des öffentlichen Raumes führt». Ebenso habe sich seit damals das Klima bedeutend verändert – sie sagt deshalb:

«Der Rekordsommer 2018 wird mit grösster Wahrscheinlichkeit kein Rekordsommer bleiben, sondern der normale Durchschnitt werden. Wir brauchen mehr Begrünung – für wohltuenden Schatten, aber auch für die Verdunstungskühlung.»

Auch das Argument, dass der Löwengraben historisch leer war, lässt Landwehr nicht gelten: «Auch mit viel persönlichem Verständnis für die Denkmalpflege bin ich der Ansicht, dass in Anbetracht des immer knapper werdenden Freiraumes, der Verdichtung und des dadurch zunehmenden Drucks auf den öffentlichen Freiraum alle Stadträume als Lebensraum für Mensch und Natur gedacht und gestaltet werden müssen.» Ein erneutes Aufreissen der asphaltierten Fläche wäre unverhältnismässig, sagt Landwehr: «Sehr wohl kann aber mit einzelnen zusätzlichen Elementen die Biodiversität – als Trittsteine im Siedlungsraum – wie auch die Aufenthaltsqualität massiv gesteigert werden.» Auch Luzia Vetterli (SP) ist von der Antwort des Stadtrats enttäuscht. Vor allem der hintere Teil des Löwengrabens zwischen Löwenplatz und alter Post sei «eine Betonwüste». SP und Grüne hoffen, dass in dieser Sache noch nicht das letzte Wort gesprochen ist.

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