Luzerner Lovemobile-Organisator: «Dr. Motte legt bei uns auf – die Freude ist riesig»

Zum zweiten Mal geht das Luzerner Partylabel Sonntagskinder mit einem Lovemobile an der Zürcher Street Parade an den Start. Ronny Schröter sagt, wie man sich DJ-Prominenz angelt und als Organisator trotzdem zum Feiern kommt.

Interview: Roman Hodel
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Aus dem Tieflader (rechts) machen Ronny Schröter und sein Team ein Lovemobile. (Bild: hor, Sempach-Station 8. August 2019)

Aus dem Tieflader (rechts) machen Ronny Schröter und sein Team ein Lovemobile. (Bild: hor, Sempach-Station 8. August 2019)

Gerade mal zwei Tage haben Ronny Schröter (39) und sein Team Zeit, um einen Tieflader in ein Lovemobile zu verwandeln. Das Ganze geschieht momentan auf dem Areal des Businessparks Dardanos in Sempach-Station. Und sie alle helfen dabei:

«Iceland» heisst das diesjährige Motto des Wagens, der von den beiden Partylabels Sonntagskinder (Luzern) und a.life (Berlin) organisiert wird. Als Deko ist eine verschneite Winterlandschaft vorgesehen. Das Lovemobile wird am Samstag mit der Startnummer 25 auf die Route gehen und rund um das Zürcher Seebecken schleichen.

Sie nehmen zum zweiten Mal in Folge mit einem Lovemobile an der Zürcher Street Parade teil, war's demnach so gut letztes Jahr?

Ronny Schröter: Grossartig sogar! Die Stimmung, der Sound, das Design des Lovemobiles – alles hat gepasst.

Wie viele Leute haben auf Ihrem Mobile getanzt?

Der Verkauf der Tickets hätte besser laufen dürfen. Wir konnten nur rund 60 Prozent davon verkaufen. Diesmal sind bislang 120 der 180 Tickets weg – also einige mehr. Aber es hat noch!

190 Franken pro Ticket ist ja auch ziemlich viel Geld...

Auf den meisten Lovemobiles kosten Tickets ähnlich viel. Denn so ein Wagen bauen ist teuer – rund 32'000 Franken. Dafür bieten wir auch etwas – nebst gutem Sound etwa zwei Toiletten, und die Getränke sind im Preis inbegriffen. Also Softdrinks, Bier und Prosecco. Beim VIP-Pass für 220 Franken gibt’s zusätzlich Long-Drinks.

Die Street Parade selber rät zum massvollem Alkohol-Konsum. Man verpasse sonst viel Schönes und halte nicht lange durch, heisst es.

Selbstverständlich appellieren wir an die Vernunft unserer Gäste. Und es gilt: Keine Drogen auf dem Lovemobile.

Auf Ihrem Lovemobile legt mit Dr. Motte der Gründer der Berliner Loveparade auf. Dieser Anlass inspirierte die Zürcher 1992 zur Street Parade. Wie angelt man sich einen berühmten DJ?

Ganz einfach: Ich habe sein Management für ein Booking angefragt – und die Zusage erhalten. Die Freude bei uns ist riesig.

Dr. Motte. (Bild: Petrov Ahner)

Dr. Motte. (Bild: Petrov Ahner)

Das ist bestimmt nicht ganz günstig.

Über Geld redet man doch nicht (lacht). Grundsätzlich legen DJ's an der Street Parade gratis auf. Wir haben Dr. Motte aber zudem für unsere Afterparty im Club Bananenreiferei in Zürich gebucht – und dafür kriegt er natürlich etwas. Wieviel, kann ich nicht sagen.

Dr. Motte war schon mehrfach an der Street Parade. Letztmals bei der 25. Ausgabe im Jahr 2016. Warum gerade er?

Wir wollten einen bekannten DJ aus der Anfangszeit des Techno buchen. Einen, der immer noch auflegt. Zudem fand vor genau 30 Jahren die erste Loveparade statt.

Wie sieht Ihr persönliches Programm am Samstag aus?

Wir fahren um 6 Uhr mit dem Lovemobile in Sempach-Station los. Um 8.30 Uhr müssen wir uns in Zürich am Mythenquai in die Reihe stellen. Es folgen Sound-, Security-, Brandschutz- und andere Checks durch die Polizei. Offiziell auf die Route geht unser Wagen dann um 17.12 Uhr – zufälligerweise die gleiche Zeit wie letztes Jahr.

Ging es letztes Jahr pünktlich los?

Oh nein. Mit 45 Minuten Verspätung. Dies weil eines der ersten Lovemobiles technische Probleme hatte.

Können Sie als Lovemobile-Organisator überhaupt mitfeiern?

An der Parade weniger. Aber dieses Jahr richten wir ja zusätzlich eine Afterparty aus. Und darauf freue ich mich. Auch wenn ich am Sonntag noch einigermassen fit sein sollte – für den Abbau des Lovemobiles.

Darum freut sich Dr. Motte auf die Street Parade

Dr. Motte, bürgerlicher Namen Matthias Roeingh, gehört zu den prägenden Figuren der elektronischen Musik. Der 59-Jährige sorgte vor 30 Jahren, am 1. Juli 1989, für die erste Loveparade in Berlin mit 150 (!) Teilnehmern – die Mutter aller Technoparaden. Später zog der Anlass Millionen an. Doch als die Loveparade den Demonstrations-Status verlor und etwa für die Strassenreinigung bezahlten musste, gerieten die Organisation in finanzielle Schieflage. 2005 wurde die Marke an neue Besitzer verkauft, ab 2006 hatte Dr. Motte nichts mehr mit dem Anlass zu tun. Die Loveparade wechselte ins Ruhrgebiet, wo sie 2010 ein trauriges Ende fand. In Duisburg starben bei einer Massenpanik 21 Menschen.

Bis heute ist Dr. Motte als DJ unterwegs und produziert Tracks. An der Street Parade hat er schon mehrfach aufgelegt. Er sagt auf Anfrage: «Ich finde es grossartig, wie sich unsere Kultur von den Anfängen bis heute entwickelt hat und dass es nach 30 Jahren noch immer Technoparaden auf der Welt gibt.» Dies sei wichtig, um die elektronische Musikkultur für alle erlebbar zu machen, auch ausserhalb der Clubs und Festivals. Dass er sich nach so vielen Jahren immer noch auf solche Anlässe freut, erklärt Dr. Motte so: «Nun, wir haben ja mittlerweile schon die dritte Generation, die mit elektronischer Musik aufwächst. Das ist für mich als DJ grossartig, weil es im Techno eigentlich keine Altersgrenzen gibt. Bei unseren Partys feiern 20jährige und 70jährige gemeinsam zur gleichen Musik. Keine andere Kultur ist so offen, liberal und tolerant.» (hor)

Hinweis: Für Schnellentschlossene hat es noch Tickets auf dem Lovemobile der Sonntagskinder – über folgenden Link: www.tipo.ch/streetparade-lovemobile2019. Und alle Infos zur Street Parade gibt's hier: www.streetparade.com