Per App einen Abholdienst buchen – Luzerner machen Recycling einfacher

Statt Altglas selber zur Sammelstelle zu schleppen, können Umweltbewusste neu per App einen Abholdienst buchen. Drei Luzerner haben einen Online-Dienst ins Leben gerufen.

Natalie Ehrenzweig
Drucken
Teilen

Die Schweiz gilt mit einer Recyclingquote von 52 Prozent – im europäischen Vergleich – als vorbildlich. Stefan und Aleksandar Cikota und Daniel Lukic aus Luzern möchten dazu beitragen, dass diese Quote weiter steigt. Dazu haben sie einen Online-Recyclingdienst entwickelt.

Eine Website und eine App: Stefan Cikota (Bild) war dabei als Programmierer tätig.

Eine Website und eine App: Stefan Cikota (Bild) war dabei als Programmierer tätig.

Bild: PD

Ein solches Projekt lag bei zwei Astrophysikern und einem Qualitätsmanager nicht gerade auf der Hand: «Wir sind Cousins und wollten schon lange zusammen ein Projekt machen», erklärt Daniel Lukic.

Daniel Lukic

Daniel Lukic

Bild: PD

Und: «Uns dreien liegt die Natur am Herzen und wir haben uns überlegt, wie wir für alle das Recyceln erleichtern können. Wir möchten die Leute motivieren, noch mehr ihren Abfall fachgerecht entsorgen zu lassen. Denn immerhin landen noch 30 Prozent dessen, was man noch recyceln könnte, im normalen Abfall», gibt der Luzerner zu bedenken.

Vermittlungsplattform soll Fahrer und Recycler zusammenbringen

Seine Cousins, die Zwillinge Stefan und Aleksandar Cikota, programmieren schon seit vielen Jahren. So lag es ihnen nahe, gemeinsam eine Plattform zu entwickeln: Seit letzter Woche läuft die Seite, die es auch als App gibt. «Wer Glas, Alu, PET, Plastik, Papier, Karton oder Blech zum Entsorgen hat, kann sich erst registrieren und dann angeben, wie viel die Person abzuholen hat. Dann gibt man noch den Zeitraum an, zu dem abgeholt werden soll, und bezahlt», erklärt Aleksandar Cikota.

Aleksandar Cikota

Aleksandar Cikota

Bild: PD

Als Kundschaft sehen die Cousins einerseits Menschen, die nicht so mobil sind, andererseits Leute, die froh sind, wenn das jemand für sie übernimmt, weil sie beispielsweise nicht gerne beim Ökihof anstehen.

Doch wer holt den Abfall? «Fahrer können sich bei uns registrieren. Sie sehen dann, welche Jobs in ihrer Region gerade offen sind. Sie funktionieren als selbstständige Fahrer und können anklicken, welche Aufträge sie übernehmen wollen. Wir sind sozusagen die Vermittlungsplattform», erläutert Daniel Lukic. Bis jetzt seien die meisten Fahrer aus der Deutschschweiz, zwischen 20 und 40 Jahre alt und männlich. «Der Job eignet sich auch für Frauen, es ist ja immer sichtbar, wie viel man abholen und tragen muss», sagt Daniel Lukic.

Angebot soll auf die ganze Schweiz ausgedehnt werden

Um die Hemmschwelle möglichst klein zu halten, hat sich das Trio für niedrige Preise für ihren Abholdienst entschieden. «Die Fahrer bekommen jeweils 65 Prozent vom Umsatz, uns bleiben am Schluss etwa 15 bis 20 Prozent. Bei den Tests haben wir gesehen, dass der durchschnittliche Preis einer Abholung bei zehn Franken liegt. Damit werden wir natürlich nicht reich», meint Daniel Lukic schmunzelnd. Doch es gehe ihnen nicht in erster Linie um Gewinn, sondern um die Sache.

Heute schon könnten Fahrer– wenn sie das selbst gut planen – bei fünf Aufträgen pro Stunde auf 30 Franken Stundenlohn kommen. Die Idee sei aber nicht, dass Fahrer weite Strecken zurücklegen, um möglichst viele Aufträge zu erledigen und möglichst viel zu verdienen. Da verlasse man sich auf den gesunden Menschenverstand. Weiter führt Lukic aus:

«Wenn das nicht funktioniert, werden wir den Umkreis definieren, innerhalb dessen die Fahrer Jobs annehmen können.»

Die drei wollen das Angebot auch auf Französisch und Italienisch übersetzen, damit die ganze Schweiz abgedeckt werden kann. Ideen haben die Cousins noch viele. «Für ältere Menschen, die vielleicht mit einer Website oder einer App nicht gut zurechtkommen, können wir uns vorstellen, in Zukunft die Dienstleistung auch telefonisch buchbar zu machen», verrät Aleksandar Cikota.

Mehr Infos unter: www.onlinerecycling.ch