Luzerner Mieter profitieren kaum von der Wohnungsflut – so viele Wohnungen stehen in Ihrer Gemeinde leer

Die Leerwohnungsziffer im Kanton Luzern steigt weiter an. Das bleibt jedoch fast ohne Auswirkungen auf die Mietzinse, wie die Vertreter von Vermietern und Mietern feststellen.

Lukas Nussbaumer
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Die Leerwohnungsziffer im Kanton Luzern ist innert Jahresfrist um 0,15 auf 1,66 Prozent gestiegen. Nur einmal in den letzten 30 Jahren, nämlich 1998, registrierten die Statistiker mit 1,8 Prozent einen noch höheren Wert. Am markantesten mehr leere Wohnungen stehen im Agglomerationskern frei – die Zunahme beträgt satte 0,6 Prozent (siehe Grafik).

Leerwohnungsziffer ganzer Kanton Luzern

jeweils am 1. Juni, in Prozent
1984198519861987198819891990199119921993199419951996199719981999200020012002200320042005200620072008200920102011201220132014201520162017201820192020Jahr0,00,51,01,52,00,990,991,661,661,81,80,240,24

Am auffälligsten in dieser Region ist die Zunahme in Ebikon, wo die Ziffer von 1,86 auf 6,35 Prozent geklettert ist. Auch in Emmen, Buchrain, Dierikon oder Meggen weist Lustat Statistik Luzern in seiner am Donnerstag veröffentlichten Übersicht deutlich höhere Leerbestände aus als im letzten Jahr.

In anderen Regionen ist die Entwicklung weniger ausgeprägt. Ins Auge sticht aber einmal mehr das untere Wiggertal, wo die Leerwohnungsziffer weiter gestiegen ist – auf 2,54 Prozent. Zu dieser Region gehören Reiden, Dagmersellen, Altishofen, Nebikon, Egolzwil, Wauwil und Wikon. Mehr Mühe bei der Wohnungssuche dürften Mieter im Agglomerationsgürtel haben, also in Gemeinden wie Malters, Neuenkirch, Hildisrieden, Rain oder Eschenbach. Dort liegt die Ziffer mit 0,72 Prozent deutlich unter 1 Prozent, auch wenn sie leicht gestiegen ist.

Gemeinde Leerwohnungsziffer im Prozent Leerstehende Wohnungen Einfamilienhäuser Neubauten bis 2 Jahre Mietwohnungen
Kanton Luzern 1,66 3296 145 549 2988
Adligenswil 0,29 7 - - 6
Aesch 0,77 5 1 3 3
Alberswil 7,46 22 - 13 9
Altbüron 2,96 13 - - 12
Altishofen 2,78 22 4 - 22
Altwis 4,57 9 - - 9
Ballwil 0,43 5 1 - 4
Beromünster 1,53 43 3 22 40
Buchrain 1,73 46 - - 46
Büron 6,43 73 1 14 60
Buttisholz 0,75 10 - 5 8
Dagmersellen 0,92 23 - - 23
Dierikon 3,65 24 - 22 24
Doppleschwand 1,76 6 - - 6
Ebikon 6,35 406 37 13 406
Egolzwil 1,33 9 - - 9
Eich 1,28 10 2 - 9
Emmen 2,55 377 - 27 329
Entlebuch 1,09 18 - - 18
Ermensee 2,83 12 1 - 11
Eschenbach 1,21 19 - 9 13
Escholzmatt-Marbach 0,94 21 2 5 17
Ettiswil 2,27 27 1 9 24
Fischbach 1,69 5 1 - 4
Flühli 1,05 23 1 - 18
Gettnau 1,01 5 - - 5
Geuensee 2,31 28 - - 18
Gisikon 1,45 9 1 - 8
Greppen 4,87 26 - - 19
Grossdietwil 3,39 13 - - 12
Grosswangen 0,88 12 - 2 12
Hasle 2,29 18 1 - 17
Hergiswil 1,61 13 - - 10
Hildisrieden 0,88 9 2 4 4
Hitzkirch 1,32 31 1 9 25
Hochdorf 0,93 40 1 5 36
Hohenrain 2,01 20 - - 20
Honau 0,58 1 - 1 1
Horw 0,93 64 7 27 59
Inwil 1,73 20 3 - 15
Knutwil 6,74 65 - - 65
Kriens 1,7 236 8 149 226
Luthern 4,75 27 - 2 18
Luzern 1,16 538 15 37 516
Malters 0,8 27 2 12 22
Mauensee 0,48 3 1 - 3
Meggen 1,87 67 9 - 48
Meierskappel 1,38 9 1 - 7
Menznau 2,3 30 - 20 30
Nebikon 2 23 2 12 19
Neuenkirch 0,24 7 - - 5
Nottwil 0,77 13 - - 13
Oberkirch 0,7 14 - 13 14
Pfaffnau 2,18 29 1 4 17
Rain 0,52 6 - - 6
Reiden 3,91 129 10 6 123
Rickenbach 1,89 28 3 18 23
Roggliswil 0,63 2 1 - 2
Römerswil 1,18 9 - - 8
Romoos 0,88 3 - - 3
Root 2,67 61 - 4 60
Rothenburg 0,68 22 - 8 20
Ruswil 0,59 18 2 - 14
Schenkon 0,53 7 - 2 7
Schlierbach 0,27 1 - - 1
Schongau 1,14 5 1 - 4
Schötz 1,09 21 - 1 19
Schüpfheim 1,47 29 1 - 23
Schwarzenberg 0,36 3 - 3 3
Sempach 0,98 18 1 1 18
Sursee 1,34 66 - 22 62
Triengen 1,21 24 1 - 24
Udligenswil 0,3 3 - - 3
Ufhusen 1,29 5 3 - 5
Vitznau 1,5 14 1 1 8
Wauwil 4,56 45 - 32 28
Weggis 1,14 32 6 6 24
Werthenstein 3,12 29 - 6 29
Wikon 0,73 5 - - 5
Willisau 1,25 45 5 - 42
Wolhusen 0,77 15 - - 13
Zell 2,05 19 - - 17

Mietzinsen viel stärker gestiegen als Teuerung

Für Cyrill Studer Korevaar spielt der Markt trotz der gestiegenen Leerwohnungsziffer «noch zu wenig». So seien die Mietzinsen in den letzten 20 Jahren um 28 Prozent gestiegen, während die Teuerung im gleichen Zeitraum bloss um 8 Prozent zugenommen habe, sagt der Geschäftsleiter des Mieterverbands Luzern. Noch immer würden nur wenige Vermieter den seither mehrere Mal gesunkenen Referenzzinssatz unaufgefordert an die Mieter weitergeben.

Zu berücksichtigen gelte es zudem die grossen regionalen Unterschiede – und die Tatsache, dass die Ziffer in sechs von elf Regionen gesunken sei, darunter in der Stadt Luzern. Nicht unterschreiben würde Studer die Aussage, es würden zu viele Wohnungen erstellt:

«Es wird zwar gebaut, aber die Wohnungen gelangen oft zu einem überhöhten Preis auf den Markt. Einige Investoren können offenbar damit leben, wenn Objekte in der Folge jahrelang leer stehen.»

Präsident der Hauseigentümer: «Die Unsicherheit ist gross»

Armin Hartmann beurteilt die Lage dezidiert anders. Für den Präsidenten des Hauseigentümerverbands Luzern wird «in der Agglomeration definitiv zu viel gebaut». Droht also eine Immobilienblase? Das sei wegen der Corona- und der damit verbundenen Wirtschaftskrise schwierig zu analysieren, sagt Hartmann.

Einerseits habe die Krise eine dämpfende Wirkung auf die Investitionstätigkeit – «ich kenne mehrere Projekte, die zurückgestellt wurden» – andererseits sei das Zinsniveau noch immer tief, was zu Investitionen bewege. «Welcher Faktor überwiegen wird, ist nicht leicht zu prognostizieren. Die Unsicherheit ist auf jeden Fall gross.»

Vermieter nehmen Leerbestände in Kauf

Deborah Stoll präsidiert die Sektion Zentralschweiz des Schweizerischen Verbands der Immobilientreuhänder. Sie spricht von einer «prekären Lage». Dies auch deshalb, weil die Ziffer in der Realität höher liege, da die publizierte Quote dem Mittel aus freien Einfamilienhäusern, Eigentums- und Mietwohnungen entspreche – bei nur wenigen freien Eigentumsobjekten. Stoll glaubt, die Leerwohnungsziffer klettere mittelfristig weiter nach oben, weil sich noch einige Projekte in der Planungs- und Realisierungsphase befänden und sagt: «Der Anlagedruck für institutionelle Anleger bleibt hoch.»

Auf die Höhe der Mietzinsen wirke sich die höhere Ziffer jedoch nicht stark aus, sagt Stoll: «Viele Eigentümer nehmen lieber einen gewissen Leerbestand in Kauf, als die Mieten zu senken.» Das sieht Armin Hartmann gleich. Statt die Preise zu reduzieren, würden Goodies verteilt, also beispielsweise anfänglich Mieten geschenkt.

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