Kommentar

Luzerner Museums-Entscheid: Die Krise ist auch eine Chance

Der Kanton will das Natur- und das Historische Museum zusammenlegen. Diese Neuausrichtung der Luzerner Museumspolitik hat auch seine guten Seiten.

Robert Knobel
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Robert Knobel, Leiter Ressort Stadt/Region Luzern.

Robert Knobel, Leiter Ressort Stadt/Region Luzern.

Kleiner, unspektakulärer – aber auch moderner und lokaler: So lässt sich das geplante «Luzerner Museum für Natur und Gesellschaft» gemäss heutigem Wissensstand umschreiben. Es ist bestimmt nicht die beste Variante eines Museums, zumindest aber die beste in der aktuellen Finanzsituation des Kantons, die dem Gestaltungsspielraum nun einmal enge Grenzen setzt.

Auch wenn noch viele Fragen ungeklärt sind, so enthalten die gestern vorgestellten Pläne der Luzerner Regierung doch einige interessante Aspekte. Der inhaltliche Fokus des neuen Museums soll ganz auf aktuellen gesellschaftlichen Themen beruhen, die zudem laufend neu bespielt werden. Die immer gleiche Inszenierung von Hellebarden oder Insektensammlungen soll einer neuen, flexibleren Ausstellungsphilosophie weichen. Die Objekte, die gezeigt werden, sollen stets einen direkten Bezug zum aktuellen Thema haben. Man wird das Museum also nicht irgendwann «gesehen» haben, sondern kann sich regelmässig von neuen Inhalten überraschen lassen. Zudem wird die strikte Trennung von Geschichte und Naturwissenschaft aufgehoben zugunsten eines neuen, modernen Blicks auf aktuelle Phänomene – im Wissen, dass die Vergangenheit ein wichtiger Schlüssel dazu ist.

Ein solches Angebot entspricht durchaus dem Zeitgeist – so gesehen kann man in diesem Fall für einmal von der «Krise als Chance» sprechen.

Trotzdem: Ob das Konzept am Ende aufgeht, muss sich erst noch zeigen. Die Dauerausstellungen haben den beiden Museen bisher auch eine starke Identität gegeben. Das Mittelalter-Feeling im Historischen Museum und die (wenn auch völlig veraltete) Erdkunde-Ausstellung im Natur-Museum sind «sichere Werte» für die Museumsbesucher. Zudem sorgen die beiden Häuser mit ihrer Unterschiedlichkeit für Vielfalt. Mit welchen Angeboten und Erlebnissen wird sich das neue «Einheitsmuseum» künftig profilieren? Wie soll einer wechselnden Beliebigkeit der Ausstellungen vorgebeugt werden? Wird sich ein Besuch auch für Nicht-Luzerner und Touristen noch lohnen?

Für die Antwort auf diese Fragen – und somit den Erfolg des Vorhabens – sind die konkreten Planungen der kommenden Monate entscheidend.

Luzern: Das neue Museum wird nur noch halb so gross

Geht es nach dem Willen der Luzerner Regierung, werden das Historische Museum und das Natur-Museum bald Geschichte sein. Mit einem viel kleineren Museum soll das Angebot neu ausgerichtet - und viel Geld gespart werden.
Robert Knobel