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Kolumne

Luzerner Nationalratskandidaten sind nicht sportlich, sondern sehr sportlich

Die Anwärterinnen und Anwärter aus dem Kanton auf einen Sitz in Bundesbern nehmen es sportlich, wenn ihre Sportlichkeit nicht gebührend erwähnt wird. Damit erfüllen sie die Erwartung nach Fairness.
Lukas Nussbaumer
Lukas Nussbaumer

Lukas Nussbaumer

Die Luzerner Anwärterinnen und Anwärter auf einen Sitz im National- und Ständerat geben sich gerne sportlich. Besonders bewegungsfreudig stellen sich die Kandidatinnen und Kandidaten aus der CVP dar. Andrea Gmür ist die unbestrittene Skikönigin unter den Frauen in Bundesbern, Leo Müller und Christian Ineichen klettern auf hohe Berge, Josef Wyss bezeichnet sich als «knallharten Jogger», und Inge Lichtsteiner ist «Bewegungsfanatikerin» (wir berichteten).

Ist die Zahl der Rückmeldungen massgebend für den Beachtungsgrad eines Beitrags, dann erzielten Text und Bilder über die Sportlichkeit der Kandidaten für ein Mandat im National- und Ständerat eine hohe Einschaltquote. In der Politik interessieren eben nicht nur Meinungen zu den brennenden Themen, sondern auch die Menschen hinter den Ansichten. Insbesondere dann, wenn sich Zitate zu den Positionen – nennen wir einmal stellvertretend die Klimapolitik – kaum noch unterscheiden. Auch die Sujets auf den Plakaten wirken austauschbar. Oder lächelt eine CVP-Frau sympathischer als eine Grünliberale oder als ein freisinniger Mann?

Dennoch gibt es unter den 252 Nationalratskandidaten (von den sieben Interessenten für einen Sitz im Ständerat hat sich niemand gemeldet) ganz unterschiedliche Charaktere. Da ist das Mitglied einer grossen, im Kanton Luzern jedoch nicht als staatstragend wahrgenommenen Partei. Diese Person will sich in der Zeitung nicht nur als einfaches Mitglied eines Spitzenteams gesehen haben, sondern als mehrfacher Schweizer Meister. Der Kandidat ist also nicht sportlich, sondern sehr sportlich. Zumal neben der aktiven sportlichen Betätigung auch noch viel Arbeit als Funktionär dazu kommt. So ein Leben als Sportler, der selbstverständlich auch im Beruf seinen Mann steht und das Familienleben pflegt, scheint mir recht anstrengend zu sein. Aber vielleicht macht gerade die Anstrengung den Spass aus. Soll vorkommen, nicht nur bei Politikern.

Weil es nicht alle der Dutzenden von sportlichen Kandidaten mit Namen in die Zeitung geschafft haben, melden sich natürlich auch die nicht erwähnten. Nachvollziehbar, wenn einem die prominente Darstellung der eigenen Fitness in der Öffentlichkeit ein Anliegen ist? Oder doch eher Ausdruck von Eitelkeit? Oder gar davon, dass man schlecht verlieren kann? Wie auch immer: Alle sportlichen Anwärter auf ein Mandat in Bern, die top fit von Wahlpodium zu Wahlpodium eilen und in dieser Zeitung nicht als Sportskanonen genannt wurden, geniessen meinen uneingeschränkten Respekt.

Das gilt auch für jene, die eine nicht ganz korrekt wiedergegebene Bezeichnung bei einer ihrer Vereinsmitgliedschaften moniert haben. Richtig so, denn es gibt in Luzern bei gewissen Randsportarten fast gleich lautende Klubnamen, obwohl sich die Mitglieder stark unterscheiden. Wir haben den Fehler sofort korrigiert. So korrekt, wie sich die Aushängeschilder der Parteien gerne zeigen, wollen wir auch sein. Mindestens.

Kann es sein, dass einige Politiker vergessen, regelmässig ihre Gehirnmuskeln zu lockern? Möglich. Doch alle hier erwähnten Sport treibenden Kandidaten erfüllen eine Erwartung, die Wähler an sie zu Recht stellen: Fair zu bleiben, auch wenn man es gerne anders gelesen hätte. Chapeau, liebe Nationalratskandidaten.

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