Luzerner Netzwerk für Hilfe im Alter wird erweitert

Der Verein Vicino sorgt dafür, dass ältere Menschen möglichst lange in ihrem Umfeld leben können. Nach einer Pilotphase besteht nun ein fixes Angebot in der Neustadt – weitere Standorte sollen folgen.

Stefan Dähler
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An employee of Spitex Biel, the municipal home care service, visits an elderly woman at her home in Biel, Switzerland, pictured on July 10, 2012. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

An employee of Spitex Biel, the municipal home care service, visits an elderly woman at her home in Biel, Switzerland, pictured on July 10, 2012. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Wer im Alltag Hilfe braucht, kann sich an den Verein Vicino Luzern wenden. Es handelt sich dabei um ein Netzwerk, das Nachbarschaftshilfe oder auch professionelle Organisationen vermittelt. Das Ziel: Ältere Menschen sollen möglichst lange in ihrem gewohnten Umfeld leben können.

Gegründet wurde das Netzwerk vor rund zwei Jahren als Pilotprojekt der Allgemeinen Baugenossenschaft Luzern (ABL) und der Spitex Luzern. Auch die Stadt beteiligte sich mit einem Beitrag am Aufbau (Ausgabe vom 19. August 2015).

Neues Angebot im Fanghöfli

Seit diesem Jahr ist aus dem Pilotprojekt ein fixes Angebot geworden. Es gibt einen Treffpunkt, dieser befindet sich im Pavillon im Bleichergärtli bei der ABL-Siedlung Himmelrich im Neustadt-Quartier. Nun sollen weitere hinzukommen, wie Christian Vogt, Co-Präsident von Vicino, gestern an einem Infoanlass sagte. So ist geplant, dass Vicino im April 2019 einen neuen Standort im Lokal der ehemaligen Apotheke im Zentrum Fanghöfli in Littau eröffnet.

Dieses Angebot wolle man wiederum gemeinsam mit ansässigen Wohnbauträgern aufbauen. Die Baugenossenschaften Matt und WGL seien interessiert. Für Erstere stellt das Konzept kein Neuland dar. In der Überbauung Neuhushof bietet die WGL bereits in Zusammenarbeit mit der Spitex und Vicino einen Treffpunkt für Bewohner an. Künftig soll aber das ganze Quartier vom Angebot profitieren können.

Als weiterer Standort ist das Würzenbachquartier ab Sommer oder Herbst 2019 vorgesehen. Dafür soll der Pavillon vom Bleichergärtli ins Würzenbach gezügelt werden – wohin genau, steht noch nicht fest. In der Neustadt wird Vicino dann in die neue Himmelrich-Überbauung der ABL ziehen. Weitere Standorte seien in Planung, aber noch nicht spruchreif, sagte Christian Vogt.

Der Ausbau kostet aber auch etwas. Der Verein rechnet mit jährlich 160 000 Franken pro Standort. Die Treffpunkte sollen von professionellen Mitarbeitern betreut werden. Finanziert werden könne dies durch die Wohnbauträger vor Ort, Gönner, Stiftungen oder private Spender.

Auch Stadt soll Beiträge zahlen

Aber auch die öffentliche Hand soll einen Beitrag leisten. Eine entsprechende Leistungsvereinbarung zwischen der Stadt Luzern und Vicino ist in Arbeit und soll im Frühling 2019 dem Grossen Stadtrat vorgelegt werden, wie gestern bekannt gegeben wurde. Wie hoch die Unterstützung ausfallen soll, steht gemäss dem Verein noch nicht fest und hängt auch davon ab, wie viele zusätzliche Standorte eröffnet werden können.

Ebenfalls am Anlass anwesend war der städtische Sozialdirektor Martin Merki (FDP). Vicino werde bei der vom Stadtparlament geforderten Stärkung der Quartierstrukturen eine wichtige Rolle spielen, sagte er in seiner Begrüssungsrede.

Hemmschwelle muss gesenkt werden

Getragen wird der Verein Vicino mittlerweile von mehreren Organisationen. Neben der ABL und der Spitex, die von Beginn weg an Bord waren, sind dies unter anderem die christlichen Kirchgemeinden, Caritas, Pro Senectute oder das Rote Kreuz.

Der Container im Bleichergärtli werde jeweils von rund 250 Personen im Monat aufgesucht. Ein Besuch vor Ort ist kostenlos. Die Arbeit des Vereins konzentriert sich darauf, Beziehungen zu knüpfen, die Nachbarschaft zu stärken und zu vermitteln. Bestehende Organisationen zu konkurrenzieren, sei nicht das Ziel. Das bestehende Angebot sei bereits ausreichend.

Es sei zentral, die Hemmungen bei den Leuten zu senken, sich bei Problemen an die entsprechende Organisation zu wenden. «Wichtig ist, die Beziehungen zu knüpfen, bevor die Situation so prekär ist, dass nur noch der Eintritt in ein Pflegeheim als Option übrig bleibt», sagte Tamara Renner, die gemeinsam mit Christian Vogt das Co-Präsidium von Vicino bildet.