«LUZERNER ORIGINAL GUGGENMUSIG»: «Erfinder der Strassenfasnacht»

Regelmässig ertönt schallendes Gelächter, wenn sie fasnächtliche Anekdoten aus den vergangenen Jahrzehnten zum Besten geben: Das Lachen kommt von den Mitgliedern der Luzerner Original Guggenmusig, ihres Zeichens die älteste aller Luzerner Guuggen.

Drucken
Teilen
Fasnächtler der ersten Stunde: Norli Hermann, Hans Eggermann und Denyse Fontaine (von links). (Bild Eveline Bachmann/Neue LZ)

Fasnächtler der ersten Stunde: Norli Hermann, Hans Eggermann und Denyse Fontaine (von links). (Bild Eveline Bachmann/Neue LZ)

«Um ehrlich zu sein: Wir feiern unser 60-Jahr-Jubiläum dreimal, denn über das genaue Gründungsdatum sind wir uns nicht einig», schmunzelt Toni Hofmann, als wir die LuGuMu am Schmutzigen Donnerstag begleiten.

24 Senioren guuggen
Mitglied der ersten Stunde ist Denyse Fontaine. Die 80-Jährige ist stolz darauf, seit 1947 jedes Jahr die fünfte Jahreszeit mit der Luzerner Original Guggenmusig gefeiert zu haben. Doch sie ist bei weitem nicht die einzige Seniorin unter den 24 aktiven Guuggern. Bassist Toni Hofmann hat zum Thema Alter in der traditionsreichsten Fasnachtsmusik folgenden Scherz: «Letztes Jahr hatten wir vier Neumitglieder. Die haben unseren Altersdurchschnitt schlagartig um sieben Jahre gehoben.»

Die Fasnacht mitgeprägt
Dies hält die eingefleischten Musiker aber nicht vom rüüdigen Fest ab: Die Energie und Leidenschaft, mit welcher der Kreativität und dem fasnächtlichen Treiben gehuldigt wird, ist schnell spürbar. Trotzdem: «Natürlich gehen wir es heute gemächlicher an als auch schon», sagt Xylofonistin Evelyn Huber, «aber wir haben die Luzerner Fasnacht schliesslich schon genug mitgeprägt.» Wahrlich: Der Bassistenkongress vom Rüüdigen Samstag ist nur ein Beispiel unter vielen. Er wurde von Mitgliedern der Luzerner Original Guggenmusig gegründet. «Eigentlich begann mit uns sogar die Strassenfasnacht», sagt Evelyn Huber. «Vor Jahrzehnten», erzählt sie, «wollten wir nach der Fasnacht nicht nach Hause und haben auf dem Sternenplatz Musik gespielt und getanzt, bis uns die Polizei die Instrumente wegnahm.» Weitergetanzt wurde trotzdem – und getanzt wird zur Fasnachtszeit noch heute auf den Luzerner Strassen.

Musik «wie früher»
Doch nicht nur die Tradition macht die Faszination der Formation aus: «Wir haben ein gutes soziales Gemisch», bemerkt Edi Wehrli. Viele Mitglieder seien Künstler oder sonst kreativ tätig. Zudem gehe es ihnen um den Spass «und nicht darum, perfekt aufzuspielen». Das tun sie tatsächlich nicht. Dafür sind die Kakofoniker mit Inbrunst dabei, spielen die Lieder langsam, «wie früher», und gässeln, unter ihren Grenden versteckt, musizierend durch die Leuchtenstadt.

Intrigieren nach dem Essen
Am Nachmittag wird es dann ruhig um die Gruppe. «Die Idee wäre eigentlich, nach dem Mittagessen dem Intrigieren zu frönen», erklärt Piccolo-Solist Hans Eggermann. «Aber das gibts ja kaum noch.» Gut, gibts da noch die Fasnächtler der ersten Stunde.

Stefan Schütz