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Luzerner Pächterverband verliert Mitglieder – und stellt sich Sinnfrage

Der Luzerner Pächterverband beklagt Mitgliederschwund. Von drei
Szenarien kommt derzeit keines in Frage – auch nicht die Auflösung.
Stephan Santschi
Landwirtschaftsbetriebe im Napfgebiet zwischen Luthern und Menzberg. (Bild: Urs Hubacher/Keystone)

Landwirtschaftsbetriebe im Napfgebiet zwischen Luthern und Menzberg. (Bild: Urs Hubacher/Keystone)

Der Luzerner Pächterverband verliert jährlich rund zehn Mitglieder, aktuell zählt er noch etwa 100. Darüber informierte vor kurzem Präsident Stefan Schöpfer an der Generalversammlung. «Es geht allen gut, mit dem Pacht- und dem Bodenrecht hat der Pächterverband gute Gesetze erwirken können. Deshalb herrscht uns gegenüber derzeit ein gewisses Desinteresse», stellt er fest. Darüber hinaus vermutet er einige Trittbrettfahrer, die zwar von den Dienstleistungen profitieren, allerdings nichts dafür bezahlen wollen.

Als Pächter gilt ein Bauer, der ein Grundstück oder eine ganze Liegenschaft bewirtschaftet, die ihm nicht selber gehört. «95 Prozent der Bauern in der Schweiz sind zumindest Parzellenpächter, wenn sie zu ihrem eigenen Land noch ein paar Hektare dazugepachtet haben», erklärt Schöpfer, der im Entlebuch Milchwirtschaft, Schweinemast und Jungviehaufzucht betreibt.

Schweizer Dachverband droht der Bankrott

Nicht nur in Luzern, sondern in der ganzen Schweiz sind die Mitgliederzahlen in den Pächterverbänden am Sinken. Die grösste Sektion, der Bernische Pächterverband, hatte Ende Februar sogar seine Auflösung geplant. Dieses Ansinnen allerdings scheiterte, weil die GV derart schlecht besucht war, dass vier Gegenstimmen zur Verhinderung reichten. Es waren also zu wenige da, um sich selbst abzuschaffen.

Entsprechend gross sind die Sorgen in der Dachorganisation, dem Schweizerischen Pächterverband (SPV) – nur noch 800 Mitglieder hat er in seinen acht Sektionen vereint. Die Beiträge würden nicht mehr ausreichen, um die Beratungsfunktionen wahrzunehmen, berichtete Präsident Peter Kistler an der Delegiertenversammlung. Mit der Diskussion über die Agrarpolitik ab 2022 (AP 22+) müsse ihr Geschäftsführer immer mehr Anfragen beantworten, sagte er in der Bauernzeitung. Wenn dies so weitergehe, stehe der SPV in wenigen Jahren vor dem Bankrott.

«Es braucht den Pächterverband sehr wohl!»

Und so stellt sich die Sinnfrage: Braucht es den Pächterverband überhaupt noch? Und wenn ja, wozu? «Es braucht ihn sehr wohl!», sagt Stefan Schöpfer, Präsident der Luzerner Sektion. Weniger in Sachen Beratungen, hier leite er viele Anfragen an den Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverband (LBV) oder an den SPV weiter. In den Diskussionen um die AP 22+ drohten die Pachtgesetze aber aufzuweichen, glaubt Schöpfer – und sagt weiter:

«Wenn künftig auch Quereinsteiger wie Aktiengesellschaften, Stiftungen oder GmbHs Pachtverträge machen können, schwächt das die bäuerlichen Familienbetriebe.»

Ein starker Pächterverband sei nötig, um für die eigenen Interessen einzustehen und in Bundesbern zu lobbyieren. Aus diesen Gründen sei der Pächterverband vor 60 Jahren ja auch aus dem Bauernverband heraus entstanden.

Bleibt die Suche nach Lösungen. An der GV präsentierte Schöpfer drei Vorschläge. Eine Abgabe von vier Franken pro Landwirt an den SPV ist einer davon – diese Idee stammt vom Dachverband. Einzuziehen hätten diese Gelder die Bauernverbände. Alternative Zukunftsstrategien wären eine Reduktion der Dienstleistungen (Beratungen) oder die Auflösung und die Übergabe des Pächterschutzes an eine Kommission des Schweizer Bauernverbands oder des LBV. Anklang fand keine dieser Ideen.

Beim Luzerner Bauernverband steht jedenfalls fest, dass man nicht für einen anderen Verband Geld eintreiben werde. «Wenn ein Verband Geld braucht, ist er selber dafür zuständig», betont Stefan Heller, der Geschäftsführer des LBV.

Grundsätzlich gehe er davon aus, dass sich nicht viel ändern würde, wenn der Pächterverband seine Funktion aufgeben würde. «Wir haben bei uns einen Agronomen und Rechtsgelehrten in Personalunion, der Bauern und Pächter kompetent berät. Ich denke, dass wir die Bedürfnisse von allen abdecken können.» Die Interessen von Bauern und Pächtern seien in den zentralen Fragen des Boden- und Pachtrechts ohnehin meist deckungsgleich gewesen. Und sie seien es auch jetzt mit Blick Richtung AP 22+.

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