Luzerner Parlamentssitzung am Abend kommt bei Besuchern gut an

Ratspräsident Daniel Furrer (SP) hat veranlasst, dass das Stadtluzerner Parlament eine Sitzung am Abend durchführt. 85 Besucher nahmen die Einladung an - auch Gehörlose waren unter ihnen.

Beatrice Vogel
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Abendsitzung des Luzerner Stadtrats mit Zuschauerinnen und Zuschauern im Rathaus in Luzern. (Bild: Beatrice Vogel)

Abendsitzung des Luzerner Stadtrats mit Zuschauerinnen und Zuschauern im Rathaus in Luzern. (Bild: Beatrice Vogel)

Damit auch einmal Berufstätige einer Sitzung des Grossen Stadtrats beiwohnen können, tagte das Luzerner Parlament am Donnerstag ausnahmsweise am Abend. Das Angebot wurde von 85 Besuchern wahrgenommen. Diese kamen gestaffelt. Sie konnten die Debatte teils direkt im Ratssaal, teils im Portraitsaal des Luzerner Rathauses via Live-Video-Übertragung verfolgen. «Die Abendsitzung ist ein Experiment, es war schwierig abzuschätzen, wie viele Besucher kommen», sagte Ratspräsident Daniel Furrer (SP) zu Beginn. Er hatte die Abendsitzung veranlasst. Über die grosse Besucherzahl dürfte er sich gefreut haben.

So manche Besucherin war denn auch auf direkte Veranlassung von Daniel Furrer gekommen. So etwa Mireille Käppeli (44), deren Chef Furrer ist. Sie hat gleich zwei Lernende mitgenommen. «Ich wusste nicht, dass Parlamentssitzungen grundsätzlich öffentlich sind», sagte Käppeli. Andere Besucher äusserten sich ähnlich. Dies und die Traktandenliste sollte man breiter ankündigen, fand Mireille Käppeli. Bei den Diskussionen hätte sie manchmal auch gern etwas gesagt, meinte sie. Auch eine der Lernenden, Fekrije Abazi (17), fand den Besuch eine gute Erfahrung. «Über die sozialen Medien bekomme ich von diesen Themen nicht viel mit. So kann ich auch einmal mitreden.»

Über die sozialen Medien hat Aline Wyser (30) von der Abendsitzung erfahren - nämlich über Facebook. «Ich fand die Diskussion sehr spannend, vor allem jene über die Tagesschulen», sagte die Lehrerin. Sie sei erstaunt, dass tatsächlich noch so viel diskutiert wird, obwohl wahrscheinlich die Meinungen bereits feststehen. Sollte wieder einmal eine Sitzung am Abend stattfinden, würde sie wieder kommen, sagte Aline Wyser -  «obwohl es im Saal wahnsinnig heiss war». 

Dolmetscherin übersetzte in Gebärdensprache

Unter den Besuchern waren auch vier Gehörlose, die dank einer Dolmetscherin die Debatte verfolgen konnten. «Die Diskussionen sind spannend, teils aber etwas ausufernd», sagte Loredana Gsponer-Bertolotti, die den Besuch der Gehörlosen organisiert hatte. Patrick Mock (32), ebenfalls gehörlos, findet es wichtig, dass auch Menschen mit Behinderung die Möglichkeit erhalten, sich auf diese Weise zu informieren.

«Oft sind beispielsweise Abstimmungstexte sehr komplex. Uns würde es viel bringen, wenn die Stadt auf ihrer Webseite eine Zusammenfassung der Vorlagen auch in Gebärdensprache darstellen lassen würde.» Für Gehörlose sei es nämlich oft ein grosser Aufwand, an Informationen zu gelangen, weil sie diese aktiv beschaffen müssen, sagte Patrick Mock. Andere Länder, ergänzte Loredana Gsponer, seien in dieser Hinsicht viel weiter. Sie wird demnächst auch einen Besuch im Kantonsrat für Gehörlose organisieren.

Die Gruppe von Gehörlosen würde es natürlich gern sehen, wenn im Parlament mehr Menschen mit Behinderung sitzen würden. Allerdings hat jede Behinderung andere Bedürfnisse zur Folge - für Gehörlose geht es vor allem um die Kommunikation, für andere um Barrierefreiheit. «Trotzdem können wir mit unserem Besuch die Parlamentarier auch sensibilisieren», so Loredana Gsponer-Bertolotti.

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Der künftige Grossstadtratspräsident Daniel Furrer (SP) bedauert, dass die Bevölkerung die Ratssitzungen kaum besucht. Mit mehreren Ideen will er nun die städtische Politik attraktiver machen.
Robert Knobel