Luzerner Pensionäre wollen die Jugendlichen im Kampf gegen den Klimawandel unterstützen

Nicht nur Jugendliche, sondern auch Pensionäre wollen sich für die Umwelt engagieren. Die Luzerner Grosseltern Annie und Jean Berner haben darum die Deutschschweizer Sektion der «Klima-Grosseltern» gegründet – die Demo-Plakate sind schon gemalt.

Natalie Ehrenzweig
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Jean Berner und Annie Berner-Hürbin vom Verein Klima-Grosseltern im Wald bei der Oberseeburghalde. (Bild: Dominik Wunderli, Luzern, 27. Februar 2019)

Jean Berner und Annie Berner-Hürbin vom Verein Klima-Grosseltern im Wald bei der Oberseeburghalde. (Bild: Dominik Wunderli, Luzern, 27. Februar 2019)

Die Luzerner Annie und Jean Berner sind schon eine Weile Grosseltern. Ihre vier Enkel sind zwischen 5 und 9 Jahre alt und damit noch zu klein, um im Kampf gegen den Klimawandel eine Stimme zu haben. «Für uns Grosseltern ist es einfacher, ungezwungener, den Kindern den Umweltschutz näher zu bringen. Die Eltern haben nicht so viel Zeit wie wir», erläutert Jean Berner (74) einen der Gründe, wieso er, seine Frau und einige Freunde letzte Woche die Deutschschweizer Sektion der Klima-Grosseltern Schweiz gegründet haben. Die Organisation ist in der Westschweiz entstanden, «allen Grosseltern, Tanten, Onkeln und übrigen Personen eine Stimme zu geben, die sich um das Klima sorgen, das wir unseren Nachkommen hinterlassen», heisst es auf deren Homepage.

Die Berners kümmern sich schon seit Jahren um die Umwelt: «Wir haben immer versucht, nicht zu viel zu konsumieren, Kaputtes reparieren zu lassen. Doch wirklich gelernt haben wir von unseren drei Kindern», sagt Annie Berner (74). «Unser mittlerer Sohn fliegt zum Beispiel nicht, hat seinen Dachboden mit Schafwolle isolieren lassen, hat kein Auto. Und das bekommen die Kinder natürlich mit. Sie lernen schon von klein auf ein Umweltbewusstsein und verstehen Zusammenhänge.»

Postkarte an Kinder mit Energiespar-Tipps

Die Mitglieder im neuen Verein haben viele Ideen. So schicken sie ihren Grosskindern monatlich eine Postkarte, auf der Hinweise stehen wie «Lass das Licht nicht brennen» oder «Einladung zum Picknick – auch ohne Fleisch». Doch die engagierten Senioren haben auch politische Ziele. Annie Berner sagt:

«Mir ist wichtig, dass wir genug Mitglieder haben, um politischen Druck auszuüben und die kürzlich abgelehnte CO2-Abgabe einführen können.»

Die aktuellen Jugend-Proteste, ausgelöst durch die Schwedin Greta Thunberg, wollen die Klima-Grosseltern aber nicht etwa nachmachen. «Wir möchten die Jungen unterstützen, zum Beispiel indem wir am schweizweiten Streik am 15. März mit Plakaten am Strassenrand stehen. Wir möchten verhindern, dass das Engagement der Jugendlichen verpufft», sagt Jean Berner, während er stolz das Plakat zeigt, welches er gebastelt hat. Zudem sei es so, dass seine Generation auch Mitverursacher der jetzigen Probleme sei, erklärt der Grossvater sein Engagement.

Das Bewusstsein für die Klimaerwärmung sei bei seiner Generation erst spät gewachsen: «Weil wir ja auch damals noch nicht so direkt darunter litten», meint er. Doch heute sei der Wandel spürbar. Etwa bei einer Wanderung zum Aletschgletscher, die ihm das Abschmelzen des Eisriesen so deutlich vor Augen führte, dass er ein Bild dazu gemalt hat.

Alle Ständeräte angeschrieben

Politischen Druck wollen die Klima-Grosseltern, die auch international zusammengeschlossen sind, in Zukunft aber auch durch Instrumente ausüben, die den Jugendlichen weniger zugänglich sind. «Eines unserer Mitglieder hat bereits alle Ständeräte angeschrieben betreffend der CO2-Abgabe», so Jean Berner. Auch die wissenschaftliche Seite ist dem Paar wichtig. «Der Klimawandel wird immer mit den Naturwissenschaften verbunden. Doch es gibt auch die Humanwissenschaften. Und ich bin überzeugt, dass wir auch einen Bewusstseinswandel brauchen. Als Mensch brauchen wir mehr innere Erfahrungen, zum Beispiel Meditieren statt Konsumieren. Denn unsere Seelen werden durch Konsum abgelenkt», betont Annie Berner, die als Psychotherapeutin auch zu diesem Thema forscht.

Spüren die Klima-Grosseltern einen ähnlichen Idealismus in ihrem Engagement wie die Jugendlichen? Annie Berner sagt:

«Ich spüre eine grosse Menschenliebe. Natürlich wünsche ich mir, dass wir etwas auslösen.»

Sie fügt an: «Ich setze da auch auf den Schneeballeffekt, gerade, wenn wir den Kindern, der Enkelgeneration, beibringen können, dass wir auf unseren Planeten aufpassen müssen. Doch wir wollen die Kreativität fördern, nicht Angst machen.» Jean Berner ergänzt: «Die Liebe, die Kultur, die Kunst, das Erleben der Natur, das alles gibt mir sehr viel Kraft.» Aber er sei manchmal auch traurig, wenn er lese, dass pro Jahr etwa tausend Tier- und Pflanzenarten aussterben.

Die Aktivitäten der Klima-Grosseltern sollen also auf politischer Ebene stattfinden – und im Umgang mit den Enkeln. «Wenn sie bereits als Kinder lernen, achtsam zu sein, ist das, wie ihre Muttersprache zu lernen. Sie diskutieren dann auch mit ihren Eltern oder in der Schule», sagt sich Annie Berner. So machen auch die Enkel von Annie und Jean Berner ihr Umfeld darauf aufmerksam, dass man das Licht löschen und das Wasser nicht laufen lassen soll. «Im Welschen setzt sich sogar der Chemie-Nobelpreisträger Jacques Dubochet für die Klima-Grosseltern ein», so Annie Berner. Jetzt hoffen wir, dass sich möglichst viele auch in der Deutschschweiz engagieren. Wenn wir etwas bewirken können, bin ich glücklich.»

Hinweis: Homepage der Klima-Grosseltern: www.gpclimat.ch