Luzerner Pfarreien: «Für den Pastoralraum braucht es den optimalen Zeitpunkt»

Der Zusammenschluss der 100 Luzerner Pfarreien zu 26 Pastoralräumen dauert deutlich länger, als ursprünglich vorgesehen. Dennoch: Das Bistum zeigt sich optimistisch, dass das Ziel bis Ende 2020 erreicht wird.

Roseline Troxler
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Bis im Jahr 2009 gab es im Kanton Luzern 100 Pfarreien. Dies sah der frühere Bischof Kurt Koch als nicht mehr zeitgemäss an, zumal der Priestermangel viele Pfarreien vor grosse Herausforderungen stellte. Deshalb sollten die Pfarreien zu 26 Pastoralräumen verbunden werden. Die Kirchgemeinden bleiben hingegen selbstständig. Ursprünglicher Fahrplan war, dass die Pastoralräume im Sommer 2016 stehen.

Dieses Ziel war zu ambitioniert. Bisher existieren 15 Pastoralräume (siehe Grafik). 57 Pfarreien gehören einem Pastoralraum an. Mitte Mai folgt der Pastoralraum Oberseetal, im Dezember der Pastoralraum Sursee.

Verzögerungen wegen fehlenden Personals

Die Verzögerungen erklärt Bischofsvikar Hanspeter Wasmer wie folgt: «Manchmal können wir keinen geeigneten Pastoralraumleiter stellen oder man wartet noch ab, bis jemand pensioniert wird.» Teils gilt es auch, Zugehörigkeitsfragen zu klären. «Zu den Herausforderungen gehört auch die grosse Angst der Menschen zu überwinden, dass sie ihre Identität und den persönlichen Bezug verlieren.» Hier brauche es ein gutes Konzept, das die Nähe der Seelsorger zur Bevölkerung weiterhin sicherstellt.

Wasmer ist mit dem Stand der Zusammenschlüsse dennoch recht zufrieden. «Es gibt nur noch wenige prinzipielle Widerstände.» Dies führt er auf die bereits errichteten Pastoralräume zurück. «Sie beweisen, dass die Zusammenschlüsse nicht einfach eine Zentralisierung bedeuten, sondern diese im Gegenteil dank gemeinsamer Ressourcen mehr Angebote für alle Pfarreien schaffen können.» Die Seelsorger könnten sich vermehrt ihrem Kerngeschäft widmen, weil es nur noch einen Verantwortlichen für die Administration brauche.

Blick auf die Gemeinde Ruswil. (Bild: Pius Amrein, 22. November 2018)

Blick auf die Gemeinde Ruswil. (Bild: Pius Amrein, 22. November 2018)

Wenig Pastoralräume in der Region Willisau

Auffallend ist, dass es in der Region Willisau und Hinterland bis auf den Pastoralraum Hürntal noch keine Zusammenschlüsse gibt. Hanspeter Wasmer erklärt: «Bei Willisau ist es speziell. Hier war ein Pastoralraum mit Geiss, Gettnau, Hergiswil, Menznau und Menzberg mit einer Leitung geplant.» Doch die Kirchgemeinden stellten sich dagegen. Sie wollten einen Pastoralraum mit mehreren Leitungen. Die gleiche Situation gab es beim Pastoralraum mit Ruswil, Werthenstein und Wolhusen. Deshalb sollten die beiden Pastoralräume zusammengelegt werden. «Die Idee des Grosspastoralraums wurde dann allerdings wieder verworfen.»

Der Pastoralraum Ruswil-Werthenstein-Wolhusen ist derzeit in Planung. Hanspeter Wasmer konnte diesem vor kurzem den Projektstart erteilen. Er soll im Mai 2020 errichtet werden. Letzte Woche fand die Startveranstaltung statt. «Bei Willisau wie auch bei allen anderen Pastoralräumen im Hinterland warten wir noch auf geeignete Leitungspersonen», so Wasmer. «Wir bieten zwar den schönsten Beruf der Welt an, aber leider haben wir noch immer einen Mangel an qualifiziertem Personal.»

«Wir sind im Moment nicht am Verhandeln»

Evelyne Huber-Affentranger, Präsidentin der Kirchgemeinde Willisau, sagt zum Stand eines Pastoralraums mit ihrer Pfarrei: «Auf Ebene der Kirchgemeinde sind wir im Moment nicht am Verhandeln. Zuerst muss die pastorale Seite einen Entscheid fällen.» Momentan diskutieren die Pfarreien Willisau, Hergiswil, Gettnau Menznau, Menzberg und Geiss miteinander. Dass in der Region Willisau bisher noch kein Pastoralraum errichtet wurde, führt sie auch «auf den fehlenden Leidensdruck der Pfarreien zurück».

Der Pastoralraum Oberseetal mit den Pfarreien Ballwil, Eschenbach und Inwil wird im Mai errichtet. Christoph Beeler wird diesen leiten. Den Pastoralraum sieht er als Meilenstein. «Es wird eine Zusammenarbeit möglich, welche nicht denkbar war, solange sich jede Pfarrei selber organisierte.» Er verweist auf die regionale Altersseelsorge oder Kooperationen zwischen Pfarreiräten. «Die grösste Herausforderung ist der Paradigmawechsel: Die überschaubare Pfarrei wird geöffnet.» Dabei gelte es, verschiedene Kulturen der Zusammenarbeit zu berücksichtigen, sagt Beeler. Wichtig ist für ihn, dass die Identifikation mit der Kirche nicht verloren geht. «Überall, wo lieb gewonnene Gewohnheiten ändern, braucht es sorgfältige Kommunikation.» Dies gelte etwa für die Gottesdienstzeiten oder das Angebot von Sakramenten.

«Manchmal ist die Zeit noch nicht reif»

Dass es bis zur Errichtung des Pastoralraums länger gedauert hat, sieht er nicht als Problem an: «Es braucht den optimalen Zeitpunkt. Manchmal ist die Zeit noch nicht reif. Da ist es klüger, man wartet noch einen Moment.»

Für die noch ausstehenden Pastoralräume ist Hanspeter Wasmer zuversichtlich: «Ich rechne damit, dass wir Ende 2020 die Zielgerade erreichen.»