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Interview

Politologe: «Die Luzerner CVP vermittelt ein Bild der Uneinigkeit»

Politologe Olivier Dolder befasst sich intensiv mit der Luzerner Politik. Für unsere Zeitung analysiert er den Entscheid der Luzerner CVP, keinen der drei Regierungsratskandidaten Paul Winiker (SVP), Korintha Bärtsch (Grüne) und Marcel Schwerzmann (parteilos) zu empfehlen.
Lukas Nussbaumer
Olivier Dolder, Politologe bei Interface Politikstudien Luzern. (Bild: Dominik Wunderli)

Olivier Dolder, Politologe bei Interface Politikstudien Luzern. (Bild: Dominik Wunderli)

Was halten Sie von der Stimmfreigabe der CVP?

Sie vermittelt ein Bild der Uneinigkeit. Man fragt sich: Will die CVP nun Konkordanz oder Kontinuität? Offen ist natürlich, wie die CVP-Delegierten entschieden hätten, wenn die gemeinsame Kandidatur der Linken Jörg Meyer von der SP und nicht Korintha Bärtsch von den Grünen gewesen wäre.

Was bedeutet die Stimmfreigabe für das Profil der Partei?

Auf jeden Fall keine Schärfung. Die CVP als grosse Partei hat es aber auch nicht einfach. Sie steht im Spannungsfeld zwischen sozial-liberalen Kräften in der Stadt und Agglomeration und eher konservativeren auf der Landschaft. Zudem hat sie den starken Wirtschaftsflügel der Arbeitsgemeinschaft für Wirtschaft und Gesellschaft, der die Kandidatur Bärtsch wohl auch nicht gutgeheissen hätte.

Hat die CVP also ihr Image als Wischiwaschi-Partei zementiert?

In der Tendenz schon. Vor vier Jahren hat sie sich noch klar für die Konkordanz ausgesprochen und die SP-Frau sowie den SVP-Kandidaten unterstützt. Jetzt weicht sie einer solch klaren Aussage aber aus, obwohl die Ausgangslage im Prinzip jener von 2015 entspricht.

Präsident Christian Ineichen hat die Delegierten aufgerufen, möglichst nicht in Komitees der drei Kandidaten mitzumachen. Ist dieses Vorgehen nach einer Stimmfreigabe angemessen?

Es wirkt wie der Versuch, die Partei auf eine Linie zu bringen, nachdem sie kurz zuvor darauf verzichtet hat, eine Linie zu verfolgen und eine Wahlempfehlung abzugeben.

Schadet die Stimmfreigabe der CVP bei den nationalen Wahlen im Herbst?

Jene, die sich in ihrem Bild von der CVP bestätigt fühlen, werden im Oktober wohl kaum CVP-Politiker wählen. Auf die eigene Basis – und auf die kommt es ja vor allem an – wird die Stimmfreigabe vom Dienstag kaum einen Einfluss haben. Ich würde den Entscheid deshalb nicht überbewerten. Ausserdem kann bis im Herbst politisch noch sehr viel passieren.

Mehrere Delegierte äusserten am Dienstag Selbstzweifel und fragten sich, ob die CVP noch staatstragend sei. Ist das ein Zeichen von Schwäche?

Nein. Es ist richtig, sich mit Niederlagen auseinanderzusetzen. Die chronischen Verluste müssen hinterfragt und diskutiert werden.

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