Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

LUZERNER POLIZEI: Grossbaustelle in der Polizeiführung

Mangelhafte Loyalität, fehlendes Vertrauen, schlechte Zusammenarbeit: Die Probleme in der Geschäftsleitung waren Mitauslöser der Luzerner Polizeikrise.
Jérôme Martinu
Blick in die Einsatzleitzentrale der Luzerner Polizei im Hauptgebäude. (Bild: Grafik: Janina Noser/Quellen: Luzerner Polizei/JSD)

Blick in die Einsatzleitzentrale der Luzerner Polizei im Hauptgebäude. (Bild: Grafik: Janina Noser/Quellen: Luzerner Polizei/JSD)

Seit gestern ist er offiziell im Amt: Adi Achermann (49) übernimmt interimistisch das Kommando der Luzerner Polizei von Beat Hensler. Er übernimmt damit auch den Vorsitz einer Polizei-Führungscrew, die gemäss der Einschätzung von offiziellen und inoffiziellen Stellen alles andere als ein gutes, konstruktives Arbeitsklima unterhielt. Es bestehe «dringender Handlungsbedarf», und es sei ein «grundsätzlicher Kulturwandel» (Zitate Jürg Sollberger) in der Geschäftsleitung nötig.

Der bislang als Stabschef der Staatsanwaltschaft fungierende Interimskommandant Achermann hat bereits eine Gesprächsrunde mit der Geschäftsleitung geführt und gemäss seinen Aussagen einen guten ersten Eindruck erhalten: «Die Geschäftsleitung will einen Schritt vorwärtskommen. Ich bin froh, dass die Mitglieder auch kritisch sind und die Herausforderungen erkennen. Ich habe den Eindruck, dass wir auf dem Weg sind, die Empfehlungen aus dem Bericht Sollberger und die Aufträge des Regierungsrats umsetzen zu können», sagte Achermann im Interview mit unserer Zeitung (Ausgabe vom 8. Dezember).

Schlussbericht ist nicht öffentlich

Die Probleme der Polizeichefs des 840-köpfigen Korps werden im Kapitel «Führungsebene» des Untersuchungsberichts von Jürg Sollberger geschildert. Was dort steht, ist unbekannt. Denn die Regierung will den Schlussbericht nicht öffentlich machen, dies mit Verweis auf das Amtsgeheimnis und die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen.

Einen Eindruck, wie es auf der Grossbaustelle Geschäftsleitung aussieht, vermittelt die am 3. Dezember veröffentlichte vierseitige Zusammenfassung des Sollberger-Berichts dennoch. Gemäss dem Berner alt Oberrichter beziehen sich die Defizite auf alle Mitglieder der Führung. Er empfiehlt unter anderem:

«Abbau der bestehenden Spannungenund des vorhandenen Konfliktpotenzials,allenfalls mit Unterstützung von aussen.»
«Es braucht die Bereitschaft, abteilungsübergreifend zu denken und zu handeln.»
«Die festgestellten Führungsdefizite müssen behoben werden.»

Appell der Regierung

Regierungspräsident Guido Graf sagte anlässlich der Präsentation des Untersuchungsberichts am 3. Dezember: «In der Geschäftsleitung hat es in der Vergangenheit Spannungen gegeben, welche die gute Zusammenarbeit des Gremiums in Frage stellten. Deshalb hat der Regierungsrat diverse persönliche Gespräche geführt. Wir erwarten Verbesserungen in der persönlichen Zusammenarbeit!» Auf Nachfrage sagt Graf unserer Zeitung, man habe auch Aufträge erteilt und zwar dieser Art:

«Die Polizei-Geschäftsleitung hat ihre Führungsverantwortung entschieden wahrzunehmen.»
«Sie muss vorbehaltlos zur Aufarbeitung der im Raum stehenden Vorwürfe beitragen.»
«Sie muss das ihr Mögliche tun, um ein vertrauensvolles, kooperatives und loyales Klima an der Spitze zu entwickeln.»
«Die Polizeiführung muss einen guten Austausch mit dem Verband der Luzerner Polizei pflegen.»

Nachfolgend werden die Abteilungen der Luzerner Polizei und ihre Chefs beschrieben. Die Aufgaben der einzelnen Bereiche sind im Detail auch unter www.polizei.lu ausgeführt.

KRIMINALPOLIZEI

Oberstleutnant Daniel Bussmann leitet die Abteilung Kriminalpolizei bereits seit 1995. Er ist ein sehr erfahrener, fachkompetenter Offizier. Seine Führungsweise gilt korpsintern als ziemlich umstritten. Seine Funktion als Vizekommandant ist nun aufgehoben worden, dies als eine der Korrekturmassnahmen. Der Regierungsrat äusserte sich wie folgt zu Bussmann: «Bisher hat der stellvertretende Kommandant gleichzeitig die Interessen des Gesamtbetriebs und die Interessen seiner Abteilung vertreten. Das hat sich nicht bewährt.» Bussmann hatte die Stellvertreterfunktion seit 1. Mai 2004 inne. Unter Interimskommandant Achermann bleibt die Funktion unbesetzt, bis dann nach der definitiven Besetzung des Kommandos ein neuer, vollamtlicher Stellvertreter ernannt wird.

Der Auftrag der Kriminalpolizei ist die Verhinderung, Bekämpfung und Aufdeckung von Straftaten. Bussmann unterstehen unter anderem die Dienste Ermittlung, Fahndung, kriminaltechnischer Dienst, Fachbereich Waffen.

SICHERHEITSPOLIZEI LAND

Major Pius Ludinist seit 2004 Chef der Sicherheitspolizei Land. Er war zuvor unter anderem bei der Kriminalpolizei. Der Bereich umfasst die Grundversorgung der uniformierten Polizei an den 30 Posten in sieben Regionen im Kanton Luzern. Aufgaben: Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung, Prävention, Strafverfolgung, Abwehr von unmittelbar drohenden Gefahren.

Pius Ludin vertritt eine zahlenmässig grosse Abteilung und gilt als fachlich unumstritten. Er besetze eine starke Position in der Geschäftsleitung, heisst es.

SICHERHEITSPOLIZEI STADT

Der Stadtluzerner Bereich der polizeilichen Sicherheit ist führungsmässig relativ neu besetzt: Seit 1. Juli 2012 ist Hauptmann Christian Bünter zuständig. Er trat die Nachfolge des in Pension tretenden Ernst Röthlisberger (64) an, der dieses Amt seit 1991 innehatte. Der Aufgabenbereich der Sicherheitspolizei Stadt ist weitgehend der gleiche wie beim Bereich Land.

Christian Bünter war früher bei der Stadtpolizei Chef der Einsatzleitzentrale und danach Chef Stabs- und Kommandodienste. 2006 wechselte er in die Stadtverwaltung und war in leitender Funktion beim Personalamt tätig.

BEREITSCHAFTS- UND VERKEHRSPOLIZEI

Major Daniel Orthaber leitet die Abteilung Bereitschafts- und Verkehrspolizei vom Stützpunkt Sprengi in Emmenbrücke aus. Er trat am 1. Oktober 2011 die Nachfolge von Christian Sieber an, der zur Kantonspolizei Bern gewechselt hatte. Orthaber wurde 2002 zum Offizier befördert, er war vor seinem Wechsel in die Geschäftsleitung erster Stellvertreter des Chefs Sicherheitspolizei Land. Er gilt innerhalb der Geschäftsleitung als Allianzpartner von Pius Ludin und dem seit Sommer ausgeschiedenen Willi Eicher.

In der Abteilung Bereitschafts- und Verkehrspolizei angesiedelt ist auch der ständige Präsenz- und Interventionsdienst (Spid), der sich aus Angehörigen der Sondergruppen Luchs, Habicht und Hundeführer zusammensetzt und bei polizeitaktisch schwierigen Situationen zum Einsatz kommt. Der Bereich soll im Laufe des Jahres 2014 reorganisiert werden, da die personellen Verbindungen etwa zu den «Luchsen» als suboptimal eingestuft werden. Leiter des Spid war bis vor kurzem derjenige Kaderpolizist, der 2010 seine Freundin verprügelt hatte. Er wurde inzwischen intern versetzt, auf Stufe Fachmitarbeiter ohne Grad und Führungsverantwortung.

SUPPORT

Der Bereich Support ist mit Stellvertreter-Chef Johann Keist in der Geschäftsleitung vertreten. Der seit 2000 amtierende eigentliche Chef Support ist seit April 2012 krankgeschrieben und mit einem Hausverbot belegt. Grund: Vorwürfe wegen sexueller Belästigung. Das Arbeitsverhältnis des Zivilangestellten wird nun per 30. April 2014 beendet. Dem scheidenden Chef hallt der Ruf als bedeutender Fädenzieher innerhalb der Geschäftsleitung nach.

Zum Bereich Support gehören unter anderem die Einsatzleitzentrale, die Geschäftskontrolle, das Ressourcenmanagement, die Informatik und Übermittlungstechnik.

STABSDIENSTE

Andreas Peter leitet die Stabsdienste seit 2004 als Zivilangestellter. Aufgrund des ihm unterstellten Aufgabenbereichs ist er nahe am Kommando: Die Stabsdienste unterstützen und beraten die Korpsabteilungen. Die Stabsdienste koordinieren die interne Zusammenarbeit, nehmen übergeordnete Aufgaben zum Kommando wahr und sind für das Beschwerdewesen und die Erledigung von kantonalen und eidgenössischen Vernehmlassungen zuständig.

FINANZEN UND CONTROLLING

Die Abteilung Finanzen und Controlling wird seit November 2009 vom Zivilangestellten Thomas Mühlebachgeführt. Die Abteilung «ist ein Dienstleistungsunternehmen innerhalb der Luzerner Polizei». Sie ist unter anderem zuständig für Budget, Buchhaltung, Leistungs- und Personalcontrolling.

EINSATZ UND PLANUNG

Der gewichtige Bereich Einsatz und Planung ist seit Sommer nicht mehr in der Geschäftsleitung vertreten. Der Chef dieses Bereiches seit 1996, Hauptmann Willi Eicher (62), ist gemäss offizieller Kommunikation Mitte Jahr «im Rahmen seiner Pensionierungsplanung» aus der Geschäftsleitung ausgetreten (Ausgabe vom 23. November). Ob der künftige Chef der Abteilung wiederum in der Geschäftsleitung Einsitz nehmen wird, ist noch nicht entschieden.

Die Aufgaben des Chefs Planung und Einsatz sind Interventionen, Ordnungsdienst, Schiessausbildung, Geländedurchsuchungen, Beratung/Unterstützung des Kommandanten und der Abteilungsleitungen in Polizeitaktik. Er leitet die Sondergruppen Luchs, Habicht (Präzisionsschützen), Hundeführer und Verhandlungsgruppe. Zurückgetreten ist Eicher auch als Zentralschweizer Luchs-Chef.

Eicher war eine starke und auch polarisierende Figur in der Polizeiführung. Dass eine hohe Polizeifunktionärin seine Lebenspartnerin ist, machte seine Führungsrolle nicht weniger umstritten.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.