Nach Kritik: Luzerner Polizei löscht umstrittenes Foto in ihrer Werbekampagne

Die Luzerner Polizei hat im Rahmen einer Werbekampagne ein Bild einer Festnahme publiziert. Auf Twitter gab es Kritik zu diesem Bild im Zusammenhang mit den Vorfällen in den USA und dem verstorbenen George Floyd.

Pascal Studer
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Die Luzerner Polizei ist seit Ende Mai auf der Social-Media-Plattform Twitter aktiv. Am vergangenen Wochenende mussten die Behörden auf eine Meldung reagieren, die im derzeitigen Kontext in einem problematischen Licht erscheint.

Zur Erklärung: Am 25. Mai ist im amerikanischen Bundesstaat Minneapolis der 46-jährige Afroamerikaner George Floyd durch eine Festnahme ums Leben gekommen. Vier Polizisten hatten an ihm brutale Gewalt angewendet. Einer von ihnen drückte ein Knie auf Floyds Hals, weshalb dieser nicht mehr atmen konnte. Der 46-jährige Floyd starb aufgrund der gewaltsamen Festnahme. Floyds Tod ist derzeit Symbol für die Diskriminierung von Schwarzen und hat auf der ganzen Welt Wellen des Protests ausgelöst – auch in der Schweiz.

Luzerner Polizei reagiert: Foto ist nicht mehr online

Einige Twitter-Nutzer haben das Bild der Luzerner Polizei nun mit dem Tod von George Floyd assoziiert. «So rekrutiert man Rambos», «ziemlich deplaziert» oder «keine gute Werbung» waren die gängigen Wortlaute. Christian Bertschi, Kommunikationschef der Luzerner Polizei, nahm zu den Anschuldigungen Stellung. Er teilt mit: «Wir können nachvollziehen, dass wir mit diesem Bild Gefühle verletzt haben. Dies bedauern wir.» Bertschi betont jedoch:

«In unserem Polizeikorps haben Gewalt und Rassismus keinen Platz.»

In der täglichen Arbeit von Polizistinnen und Polizisten sei es allerdings elementar, dass man die Techniken von Festnahmen genau beherrsche. «Es ist wichtig, dass wir diese kompetent ausführen», sagt Bertschi. So erklärt er, dass sich das Knie der Polizistin in einer «Sicherheitsstellung» befinde: «Es ist oberhalb des Schulterblatts. Würde sich die festgenommene Person wehren, könnte die Polizistin dieses fixieren.» Der Hals würde dabei nicht traktiert werden.

Bertschi sagt zudem, dass die Kampagne im vergangenen Jahr konzipiert wurde. Im Dezember und Januar sei die erste Welle gestartet, im Mai die zweite. «Der Inhalt der Kampagne war bereits seit längerer Zeit definiert», erklärt der Kommunikationschef. Dass diese nun genau die Bildwelt um den Tod von George Floyd betrifft, bedauert Bertschi. Er sagt zudem: «Vielleicht hätten wir die Kampagne vorzeitig stoppen müssen.» Das Bild haben die Verantwortlichen inzwischen von der Internetseite entfernt. In einer Mitteilung drücken sie zudem ihre Anteilnahme «am gewaltsamen Tod von George Floyd» aus.

Polizisten-Ausbildung in der Schweiz strenger als in den USA

Gemäss der Neuen Zürcher Zeitung dauert in den USA die durchschnittliche Ausbildung zum Polizisten 19 Wochen. In den verschiedenen Bundesstaaten gibt es dabei markante Unterschiede: Während die Polizeischule in Kalifornien 32 Wochen dauert, arbeiten in Indiana die Sicherheitskräfte teilweise sogar ohne formale Ausbildung. Der Fokus bei der Schulung liegt dabei auf der Anwendung von Waffengewalt. Nur für durchschnittlich acht Stunden werden dabei Deeskalationstechniken vermittelt.

In der Schweiz dauert die Ausbildung zum Polizisten bedeutend länger. Dies bestätigt Alex Birrer. Der Direktor der Interkantonalen Polizeischule Hitzkirch sagt: «Insgesamt geht die Ausbildung schweizweit zwei Jahre.» Dabei müssten sich die Aspiranten ein Jahr lang unter anderem theoretisches Wissen aneignen. Auch das korrekte und adäquate Vorgehen im Einsatz wird dann gelehrt. Den zweiten Teil der Ausbildung absolvieren sie in einem Polizeikorps und sammeln so unter Aufsicht Praxiserfahrung.

Bereits vor dem Start der Polizeischule findet allerdings ein Rekrutierungsprozess statt. Dieser ist kantonal unterschiedlich, kann aber mit einer Aufnahmeprüfung gleichgesetzt werden. «Dieser Prozess ist sehr streng», sagt Birrer. So wird nicht nur die physische, sondern auch die psychische Verfassung getestet. «Die Durchfallquote ist hier hoch», betont Birrer.