Interview

Luzerner Polizeichef nach dem rechtskräftigen Freispruch zum Fall Malters: «Ich bin noch gelassener geworden»

Der Luzerner Polizeikommandant Adi Achermann und der damalige Kripo-Chef Daniel Bussmann wurden vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung rechtskräftig freigesprochen. Das bedeutet das Urteil für Adi Achermann.

Alexander von Däniken
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Der Luzerner Polizeikommandant Adi Achermann (vorne) auf dem Weg ins Luzerner Kantonsgericht.

Der Luzerner Polizeikommandant Adi Achermann (vorne) auf dem Weg ins Luzerner Kantonsgericht. 

Pius Amrein (Luzern, 23. August 2018)

Fahrlässige Tötung: Der Vorwurf war gravierend. Er hat Adi Achermann und Daniel Bussmann seit März 2016 begleitet. Der Kommandant der Luzerner Polizei und der damalige Kripo-Chef waren für einen Einsatz in Malters verantwortlich, bei dem sich eine 65-jährige Frau das Leben nahm. Das Bezirksgericht Kriens und das Luzerner Kantonsgericht sprachen die Polizeikader frei. Das Urteil ist rechtskräftig.

Polizeikommandant Adi Achermann spricht nun über den Freispruch und die Zuversicht, dass auch das Administrativverfahren zu seinen Gunsten ausfällt. Bei dieser Untersuchung geht es darum, intern Lehren aus dem Fall zu ziehen.

Wie gross ist die Erleichterung nach dem rechtskräftigen Urteil?

Adi Achermann: Sehr gross. Wobei die grösste Last schon nach dem erstinstanzlichen Urteil abgefallen ist. Da ahnte ich, dass es gut kommt.

Gab es besonders belastende Momente?

Im Herbst 2016 berichtete vor allem die Rundschau sehr konzentriert über den Fall. Das hat vor allem meiner Familie zugesetzt. Im Nachhinein war es aber richtig und wichtig, in solchen Momenten aufgrund des laufenden Verfahrens nichts zu sagen.

Wie war die Stimmung im Korps während der juristischen Ungewissheit?

Grundsätzlich wurde die Polizeiarbeit nie negativ beeinflusst. Aber natürlich schwebte das Verfahren wie ein Damoklesschwert über dem Korps. Das Verfahren war auch schweizweit in den Polizeikorps ein Thema.

Das heisst, Sie wurden oft von Polizisten aus anderen Kantonen auf das Verfahren angesprochen?

Ja, das kam regelmässig vor. Schliesslich ging es um die Klärung grundsätzlicher Fragen.

Was hätte denn ein anderslautendes Urteil konkret bedeutet?

Es hätte in erster Linie viele Unklarheiten bedeutet. Wären die Verhandlungen dann endlos gegangen? Wozu hätte es noch eine Interventionseinheit gebraucht? Wann hätte diese überhaupt noch aktiv werden können? Nicht nur wir in Luzern sind darum froh, haben die Gerichte zu unseren Gunsten entschieden.

Welche Erkenntnisse haben Sie aus dem Fall gewonnen?

Persönlich bin ich noch gelassener geworden. Ich habe die Gewissheit, dass ich mit solch schwierigen Situationen umgehen kann. Geholfen hat mir auch die 25 Jahre lange Erfahrung in der Strafverfolgung.

Und welche Erkenntnisse gibt es für die Luzerner Polizei?

Wir haben bereits einige Änderungen vorgenommen: Neue Prozesse eingeführt, die Führungsunterstützung verbessert.

Können Sie ein konkretes Beispiel nennen?

Wenn ein ähnlicher Fall wieder passiert, werden wir unseren Kommandoposten nicht vor Ort einrichten, sondern in Luzern. Das verschafft uns vor Ort mehr Platz und ist mit der Digitalisierung kein Problem. Diese Änderungen haben wir unabhängig vom Administrativverfahren vorgenommen, das ja jetzt wieder aufgenommen wurde.

Wie zuversichtlich sind Sie, dass auch das Administrativverfahren nach Ihren Gunsten ausfällt?

Ich bin schon zuversichtlich. Auch wenn ich nicht sagen kann, ob es Empfehlungen geben wird und wann das Resultat vorliegt.

Sind Sie mit Daniel Bussmann noch in Kontakt?

Ich habe ihn seit der mündlichen Urteilseröffnung im Sommer nicht mehr gesehen. Aber ich weiss, dass auch er das rechtskräftige Urteil erfreut zur Kenntnis genommen hat. Er ist in Pension und kann diese auch geniessen. Das Administrativverfahren tangiert ihn nicht, da er nicht mehr im Korps ist.

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