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Luzerner Reformierte schaffen Volkswahl der Pfarrer ab

Die reformierte Landeskirche des Kantons Luzern hat am Mittwoch beschlossen, die Volkswahl der Pfarrer abzuschaffen. Die Synode hat das kirchliche Personalgesetz in zweiter Lesung entsprechend angepasst. Dem Entschluss droht allerdings das Referendum.
Stefanie Nopper
Ein Blick in die Synode der Schlussabstimmung zum Personalgesetz. Bild: Stefanie Nopper (Luzern, 30. Mai 2018)

Ein Blick in die Synode der Schlussabstimmung zum Personalgesetz. Bild: Stefanie Nopper (Luzern, 30. Mai 2018)

Noch im März war der Widerstand der reformierten Pfarrer im Kanton Luzern gegen die Abschaffung der Volkswahl heftig. Diesen Mittwoch wirkten die Pfarrer bei der zweiten Lesung des kirchlichen Personalgesetzes jedoch etwas resigniert. Grund: Sie sind im Kirchenparlament, der Synode, in der Unterzahl. Dass sie die reformierte Tradition nicht retten können, war nach der Debatte vom März absehbar. Denn bereits bei der ersten Lesung des Personalgesetzes hatten die Pfarrer eine herbe Niederlage erlitten.

Und so kam es auch: Mit 35 zu 15 Stimmen hat die Synode das Personalgesetz verabschiedet. Die Pfarrer werden somit künftig nicht mehr vom Kirchenvolk gewählt, sondern vom Kirchenvorstand. Die Abstimmung wurde im Geheimen durchgeführt – auf Antrag von Ulrich Walther, Co-Präsident des Pfarrkapitels und Pfarrer in Sursee: Die Abstimmung zum Fortbestand der Volkswahl sei eine «sehr heikle». Dies erhöhte die Zahl der Nein-Stimmen deutlich: Im März sprachen sich nur drei Synodale gegen die Abschaffung der Volkswahl aus (alles Pfarrer), nun hat sich der Nein-Stimmen-Anteil verfünffacht.

Bevölkerung soll weiterhin mitreden

Die Kirchengemeinden müssen die Bevölkerung allerdings bei der Auswahl eines Pfarrers weiterhin mit einbeziehen. Dies kann beispielsweise in Form einer Pfarrwahlkommission sein, welche aus den Bewerbern die geeignete Person aussucht und dem Kirchenvorstand einen Vorschlag unterbreitet. Dieser entscheidet dann über die Einstellung. Somit wird zwar die Volkswahl abgeschafft, aber die Mitsprache des Kirchenvolks zumindest teilweise noch erhalten.

Vor der Abstimmung appellierte Alexander Boerlin von der Fraktion Stadt Luzern an die Synodalen: «Es ist ein Fehler, dem vorliegenden Personalgesetz zuzustimmen.» Die Wahl der Pfarrerinnen und Pfarrer durch die Kirchgemeinde gehöre zur DNA der Reformierten Kirche. «Was jetzt im Personalgesetz vorliegt, ist keine Reform, der sich immer wieder reformierenden Kirche, sondern eine Mutation, die unsere Kirche in einen weltanschaulichen Verein verwandelt.»

Betroffenes Schweigen im Saal

Nach der Schlussabstimmung zur Volkswahl ergriff der Synodale und VBL-Direktor Norbert Schmassmann das Wort und fragte, ob jemand vorhabe, das Referendum zu ergreifen. Darauf herrschte betroffenes Schweigen. Dazu äussern wollte sich niemand.

David van Welden, Pfarrer von Dagmersellen, sagte, heute würden ohnehin nur ganz wenige Theologen ausgebildet. Er befürchte: «Die paar wenigen werden nicht nach Luzern kommen. Wir haben etwas ganz Zentrales in der Identität der reformierten Kirche fallen gelassen.» In jeder anderen reformierten Kirche auf dieser Welt werde der Pfarrer vom Volk gewählt. «Das betrachten wir als reformierte Errungenschaft.»

Daraufhin erwiderte Synodalratspräsidentin Ursula Stämmer-Horst, die frühere Luzerner SP-Stadträtin. «Mir ist es wichtig, all denjenigen, die mit dem neuen Personalgesetz nicht einverstanden sind, zu sagen, dass wir uns wirklich bewusst sind, dass wir gutes Pfarrpersonal haben wollen. Wir haben lebendige und grossartige Kirchgemeinden im Kanton Luzern - das ist unsere Stärke und darum kommen auch die Pfarrerinnen und Pfarrer nach Luzern.»

Zur Frage, ob nun das Referendum ergriffen wird, oder nicht, äussert sich Lilli Hochuli, Pfarrerin in Hochdorf, auf Nachfrage nach der Sitzung nur wage: «Wir haben uns bewusst dafür entschieden, die Schlussabstimmung zuerst abzuwarten. Wir werden das Ergebnis nun analysieren.» Ob es zum Referendum kommen wird, könne sie zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Fest steht jedoch: Sollte es ergriffen werden, haben die Gegner des Personalgesetzes 40 Tage Zeit, um 500 Unterschriften zu sammeln. Kommt das Referendum zu Stande, können die Reformierten im Kanton Luzern an der Urne über die Abschaffung der Volkswahl entscheiden.

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