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Luzerner Regierung: Früher von Juristen dominiert, heute von Unternehmern

Womit beschäftigten sich Luzerner Exekutivmitglieder vor ihrer Wahl zu Vollzeitpolitikern beruflich? Für das aktuelle Gremium lautet die Antwort: Ausschliesslich mit ökonomischen Fragen. Das war früher komplett anders.
Lukas Nussbaumer
Die aktuelle Luzerner Regierung besteht aus zwei Ökonomen und drei Unternehmern. Paul Winiker (links) ist Ökonom, Reto Wyss, Guido Graf und Fabian Peter leiteten vor ihrer Wahl in die Exekutive Firmen, Marcel Schwerzmann (ganz rechts) studierte wie Winiker Ökonomie. (Bild: Dominik Wunderli, Luzern, 19. Mai 2019)

Die aktuelle Luzerner Regierung besteht aus zwei Ökonomen und drei Unternehmern. Paul Winiker (links) ist Ökonom, Reto Wyss, Guido Graf und Fabian Peter leiteten vor ihrer Wahl in die Exekutive Firmen, Marcel Schwerzmann (ganz rechts) studierte wie Winiker Ökonomie. (Bild: Dominik Wunderli, Luzern, 19. Mai 2019)

Für die einen reicht eine Berufslehre für das Führen eines Departements mit hunderten Mitarbeitern und komplexen Geschäften nicht. Für die anderen ist gerade sie beste Voraussetzung für die Arbeit im Dienste des Volks. Schliesslich verfügt die Mehrheit der Wähler, denen ein Regierungsrat Rechenschaft schuldig ist, über keinen akademischen Abschluss.

So trefflich sich über das ideale berufliche Anforderungsprofil eines Regierungsrats streiten lässt: Die Luzerner Regierung ist wie zwischen 2015 und 2019 ausgesprochen einseitig zusammengesetzt: Zwei Ökonomen mit Universitätsabschluss – Marcel Schwerzmann und Paul Winiker – leiten die Geschicke des Kantons zusammen mit drei Männern, die zuerst eine Berufslehre absolviert und sich später zu Unternehmern entwickelt haben. Guido Graf lernte Bauzeichner, Reto Wyss Tiefbauzeichner, Fabian Peter Sanitär-Installateur – wie sein Vorgänger Robert Küng.

Zwischen 1991 und 2003 waren vier von sieben Regierungsräten Juristen

Die Luzerner Regierung befindet sich mit dieser beruflichen Zusammensetzung allein auf weiter Flur. In allen anderen Zentralschweizer Kantonen gehört der Exekutive mindestens ein Jurist an. Im Aargau weisen drei von fünf Regierungsräten ein Jus-Studium vor, im Kanton Bern zwei von sieben.

Juristen prägten früher auch die Luzerner Regierung: Zwischen 1991 und 2003 hatten sie mit vier von sieben Mitgliedern sogar die Mehrheit. Das zeigt die Zusammenstellung der Berufe aller 21 noch lebenden ehemaligen oder derzeitigen Regierungsräte:

«Aktuelle Regierung ist nicht optimal zusammengesetzt»

Täte ein Jurist auch der aktuellen fünfköpfigen Luzerner Regierung gut? Ja, findet Franz Wüest. Der frühere Kantonsratspräsident und Gemeindepräsident von Ettiswil leitet inzwischen das Ressort Personal bei der CVP und spricht aus seiner Erfahrung als Unternehmer und Mitglied mehrerer Verwaltungsräte. Er stelle immer wieder fest, dass ein Jurist in einem strategischen Führungsorgan wertvoll sei.

Die aktuelle Luzerner Regierung ist für Wüest «nicht optimal zusammengesetzt, denn es fehlen ja nicht nur Juristen, sondern auch die Frauen und das linke Spektrum. Diese Aspekte sollten bei den nächsten Vakanzen berücksichtigt werden.» Positiv wertet er dafür die grosse Exekutiverfahrung. Nur Marcel Schwerzmann politisierte vor seiner Wahl in die Regierung nie in einer Exekutive. «In einem Gemeinderat», sagt Wüest, «lernt man Probleme zu lösen.»

Studium und Militärkarriere reichen nicht

Politologe und Buchautor Mark Balsiger hält einen Mix aus verschiedenen Berufen zwar für hilfreich im politischen Alltag.

«Doch 17 Jahre Schule und Führungserfahrung im Militär machen aus einem Politiker noch längst keinen guten Regierungsrat.»

Viel wichtiger seien die Lebenswelten, aus denen Regierungsräte kommen, und die Charaktere. Es brauche natürliche Autorität, Empathie, eine schnelle Auffassungsgabe und die Befähigung, den Fachleuten die richtigen Fragen zu stellen. Ebenso ausgeprägtes strategisches Denken und eine überzeugende Kommunikation.

Als die zwei wichtigsten Eigenschaften für einen Regierungsrat nennt Balsiger «Demut und die Fähigkeit, stets das Wichtige vom weniger Wichtigen unterscheiden zu können».

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