Analyse

Die Luzerner Regierung in der Coronakrise: Besonnenheit schafft Vertrauen

Die Coronakrise stellt die Luzerner Regierung vor eine historische Herausforderung. Wie meistert sie den Job?

Dominik Weingartner
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Die Coronakrise stellt uns alle vor Herausforderungen. Das öffentliche Leben steht still, es bleiben wenig Möglichkeiten zur Zerstreuung, um der Informationsflut rund um die neuesten Entwicklungen, um das Virus zumindest für ein paar Stunden zu entfliehen. Sorge bereitet den meisten Menschen die Unsicherheit, die Unabwägbarkeit, wie gefährlich das Virus nun für den Einzelnen wirklich ist. Und wie lange der Ausnahmezustand, dieser gesellschaftliche Stillstand, der viele Einschränkungen mit sich bringt, noch anhalten wird.

Hinzu kommt die Sorge vor den wirtschaftlichen Auswirkungen. Viele können nicht mehr arbeiten. Wann es weitergeht, ist offen. Ob es den Job nach der Krise überhaupt noch gibt, ebenfalls.

Dominik Weingartner

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Pius Amrein

Umso wichtiger ist es in diesen Zeiten, dass die Bevölkerung den Behörden vertrauen kann. Im Kanton Luzern steht diesbezüglich der Regierungsrat im Fokus der öffentlichen Wahrnehmung. Es dürften schon lange nicht mehr so viele Pressekonferenzen der Luzerner Regierung in derart dichter Folge stattgefunden haben. Wie hat sich der Regierungsrat in den ersten Wochen dieser Krise geschlagen?

Beim wichtigsten Punkt, der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung, hat der vom Regierungsrat einberufene kantonale Führungsstab zahlreiche Massnahmen ergriffen. Die Zahl der Betten wurde massiv erhöht, in Nottwil wurde mit dem sogenannten Medical Center sogar eine Art Notspital aus dem Boden gestampft. Das unterstreicht zum einen den Ernst der Lage, sorgt aber auch dafür, dass man als Beobachter von aussen den Eindruck gewinnt, die Regierung tue ihr möglichstes, um die Gesundheit der Luzernerinnen und Luzerner zu schützen.

Wichtig war in diesem Zusammenhang auch, dass bei der Information der Öffentlichkeit neben dem Gesundheitsdirektor Guido Graf auch die Verantwortlichen der Gesundheitsinstitutionen, namentlich Kantonsspital-CEO Benno Fuchs und der Departementsleiter Medizin, Christoph Henzen, Rede und Antwort standen. Die Aussage von Benno Fuchs, dass der Kanton Luzern über genügend Beatmungsgeräte verfüge, schafft Vertrauen. Er ist Experte auf dem Gebiet, er muss es wissen.

Als einziger Kritikpunkt in Sachen Gesundheitsversorgung bleibt die kurzzeitige Unsicherheit um den Standort des Testzentrums. Zunächst wurde die Kantonsschule Alpenquai in Luzern als Standort der Öffentlichkeit präsentiert. Einen halben Tag und zahlreiche Proteste aus dem Tribschenquartier später wurde diese Entscheidung revidiert und das Testzentrum auf die Allmend verlegt. Das mag sachlich richtig und die Allmend der geeignetere Standort dafür sein. Doch die Tatsache, dass der Standortentscheid so schnell zurückgenommen worden ist, spricht nicht wirklich für durchdachtes und überzeugtes Handeln – das kann Verunsicherung auslösen.

Bei der Wirtschaft setzt der Kanton auf den Bund. Ein eigenes Massnahmenpaket – abgesehen von den 50 Millionen Franken Soforthilfe via Kantonalbank – will der Kanton vorderhand nicht schnüren. Das sorgt für Kritik aus dem Gewerbe, das tatkräftigere Unterstützung durch den Kanton erwartet. Eine solche Unterstützung schliesst Wirtschaftsdirektor Fabian Peter auch nicht aus.

Er will aber zunächst abwarten, wie das Paket des Bundes anläuft. Das ist eine besonnene Vorgehensweise. Und gleichzeitig sendet der Kanton das Signal aus: Im Notfall sind wir bereit, selber einzugreifen. Zudem hat die Finanzdirektion von Reto Wyss zahlreiche Aufschübe im Steuerbereich erlassen, um den ins Schlingern geratenen Betrieben ein bisschen Luft zu geben. Das sind Massnahmen, die sinnvoll sind. Sie sind nicht überhastet, sondern wirken wohl überlegt.

Als Zwischenfazit kann man der Luzerner Regierung ein gutes Zeugnis ausstellen. Die handelnden Personen sind mit einer historischen Herausforderung konfrontiert, die nicht zu unterschätzen ist. Umso wohltuender ist es, mit welcher Ruhe die Regierung in diesen Wochen mehrheitlich kommuniziert. Sie betont den Ernst der Situation, ohne Panik zu schüren. In der Krise werden Helden geboren, besagt ein Sprichwort. Die Luzernerinnen und Luzerner brauchen in dieser Krise aber keine Helden, sondern besonnene Politiker, die auch in dramatischen Situationen kühlen Kopf bewahren. Das schafft Vertrauen und gibt Sicherheit.

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