Luzerner Regierung macht beim Vaterschaftsurlaub Zugeständnisse

Zwei Wochen Vaterschaftsurlaub fordert eine Motion des Luzerner SP-Kantonsrats Urban Sager. Die Regierung zeigt sich nicht abgeneigt, will aber noch zuwarten.

Martina Odermatt
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Fünf Tage Urlaub, zu beziehen inner acht Wochen nach der Geburt – so viel Vaterschaftsurlaub erhält ein frischgebackener Vater, der beim Kanton angestellt ist. Bisherige Vorstösse, den Vaterschaftsurlaub zu verlängern, sind bislang gescheitert. Fünf Tage – zu wenig, findet etwa SP-Kantonsrat Urban Sager. Er hat eine Motion bei der Regierung eingereicht, mit der Aufforderung, die Anzahl Urlaubstage nach oben anzupassen. Konkret wird folgendes gefordert: Zehn besoldete Tage, die innerhalb von zwölf Wochen nach der Geburt bezogen werden müssen.

Fünf Tage Vaterschaftsurlaub erhalten Luzerner Kantonsangestellte. Eine Motion von Urban Sager fordert deren zehn. (Symbolbild: KEYSTONE/Gaetan Bally)

Fünf Tage Vaterschaftsurlaub erhalten Luzerner Kantonsangestellte. Eine Motion von Urban Sager fordert deren zehn. (Symbolbild: KEYSTONE/Gaetan Bally)

Die Forderung kommt ursprünglich vom Luzerner Jugendparlament. Dessen Petition wurde damals vom Parlament lediglich zur Kenntnis genommen. Man solle die nationale Lösung abwarten, habe momentan kein Geld für grosszügigere Regelungen wie die aktuelle, hiess es. Urban Sager hatte sich der Forderung daraufhin mit der Motion angenommen.

Nun hat der Regierungsrat die Stellungnahme dazu veröffentlicht. Sie beantragt, die Motion als Postulat für erheblich zu erklären. Und lässt durchblicken, dass er der Idee von zehn Tagen Vaterschaftsurlaub nicht gänzlich abgeneigt ist. Zwar erachtet die Regierung die heutige Lösung mit einer Woche bezahltem und dem Anrecht auf vier Wochen unbezahlten Vaterschaftsurlaub als grundsätzlich familienfreundlich. «Trotzdem haben wir uns zum indirekten Gegenentwurf positiv geäussert und so einen zweiwöchigen bezahlten Urlaub unterstützt», heisst es in der Antwort. Man begrüsse eine gesamtschweizerische Lösung des Vaterschaftsurlaubs, wolle aber erst das Ergebnis des Volksinitiative zum Vaterschaftsurlaub abwarten. Danach beurteile man die Situation für den Kanton Luzern neu.

Kanton Luzern im Mittelfeld

Beim Gegenentwurf handelt es sich um einen Vorschlag, welcher die Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit des Ständerates verabschiedet hat. Anders als bei der Volksinitiative «Für einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub – zum Nutzen der ganzen Familie», welche vier Wochen Vaterschaftsurlaub verlangt, schlägt die Kommission deren zwei vor. Finanziert werden soll dieser wie die Mutterschaftsentschädigung über die Erwerbsersatzordnung. Der Bund empfiehlt sowohl die Volksinitiative wie auch den Gegenentwurf zur Ablehnung.

Urban Sager reagiert positiv auf die Antwort der Regierung. «Ich bin froh, dass der Regierungsrat den Vorstoss als erheblich erklärt. Es zeigt, dass die Luzerner Regierung dieses Anliegen im Gegensatz zum Bundesrat ernst nimmt.» Dass sie den Gegenentwurf der Initiative unterstützt, sei ein Mini-Schritt in die richtige Richtung – Sager selbst unterstützt die Volksinitiative und damit vier Wochen Vaterschaftsurlaub.

Stadt zeigt sich grosszügiger als Kanton

Der SP-Mann äussert auch Kritik. «Die Regierung versteckt sich hinter der nationalen Lösung. Sie schiebt das Problem auf die lange Bank, spielt auf Zeit.» Denn der Inhalt des nationalen Gegenentwurfs deckt sich mit Sagers Motion. «Es scheint, dass die Regierung einen zehntägigen Vaterschaftsurlaub unterstützt. Warum dann warten? Zwei Wochen Vaterschaftsurlaub sind heute keine Revolution mehr.»

Mit den fünf Tagen Urlaub befindet sich der Kanton Luzern im Vergleich mit anderen Kantonen im Mittelfeld. 16 von 26 Ständen gewähren ebenfalls fünf Tage. Fünf Kantone genehmigen einen längeren, fünf Kantone gar einen kürzeren Urlaub.

In der Stadt Luzern zeigt man sich grosszügiger als im Kanton: Sie gewährt wie die  Städte Bern, Genf, Biel, Lausanne und Neuenburg räumen den Mitarbeitern 20 Tage ein.