Luzerner Regierung zeigt Herz für die Hebammen: Sie will gesetzliche Grundlage für mögliche Unterstützung schaffen

Der Luzerner Regierungsrat schlägt vor, eine mögliche finanzielle Unterstützung der Hebammenvermittlung gesetzlich zu verankern.

Evelyne Fischer
Drucken
Teilen
Hebamme Carmen Zimmermann zu Besuch bei Marion und Paul Pasche mit ihrem eine Woche alten Sohn Louis.

Hebamme Carmen Zimmermann zu Besuch bei Marion und Paul Pasche mit ihrem eine Woche alten Sohn Louis. 

Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 17. Februar 2020)

130'000 Franken: So viel Geld braucht’s, damit die Hebammenvermittlung hebamme-zentralschweiz.ch ab Februar 2021 auch ihr zweites Jahr meistern kann. Zur Erinnerung: Anfang Monat hat der gleichnamige Verein die Plattform lanciert. Unter anderem dank ehrenamtlicher Vorstandsarbeit, 50'000 Franken von der Albert Koechlin Stiftung sowie 50'000 Franken aus dem Lotteriefonds liess sich die Anschubfinanzierung sichern.

Die Website löst die frühere Hebammenzentrale Zentralschweiz ab. Seit dem Jahr 2000 verschaffte jener Verein in Spitzenzeiten über 1000 Müttern eine Wochenbettbetreuung.

Grüne-Kantonsrätin sieht Kanton in der Pflicht

Für Noëlle Bucher, Stadtluzerner Kantonsrätin der Grünen, ist klar: Weil Mütter seit Einführung der Fallpauschalen nach der Geburt viel schneller nach Hause zurückkehren, hat die Wochenbettbetreuung stark an Bedeutung gewonnen. Lassen sich Wiedereintritte ins Spital verhindern, profitiert davon auch der Kanton. Daher hat Bucher den Regierungsrat in einem Postulat aufgefordert, den Aufbau und die Umsetzung des Projekts hebamme-zentralschweiz.ch finanziell sicherzustellen – und Gemeinden, Spitäler und das Geburtshaus ebenfalls mit ins Boot zu holen.

Aktuell übernimmt das Geburtshaus Terra Alta in Oberkirch ein Jahr lang gratis die Koordination der Hebammenbetreuung. Die Hirslanden-Klinik St.Anna in Luzern mit rund 800 Geburten jährlich zahlt 2020 einen Sockelbeitrag von 15 Franken pro Geburt, das Kantonsspital mit knapp 3400 Geburten jährlich beteiligt sich nicht an den Kosten.

Regierung schlägt Gesetzesanpassung vor

Nun liegt die Antwort der Regierung auf Buchers Vorstoss vor, der auch von SP-, GLP- und CVP-Politikern unterzeichnet wurde. Sie will das Postulat als teilweise erheblich erklären. Die Regierung erachtet das Angebot als «sehr wertvoll», findet aber nicht, «dass der Kanton solche und ähnliche Projekte allein und unbefristet finanzieren soll». Zur Einordnung: 130'000 Franken entsprechen 0,03 Prozent aller Luzerner Gesundheitsausgaben in der Höhe von 400 Millionen.

Um Projekte wie diese Vermittlungsplattform allenfalls über einen Leistungsauftrag finanziell zu unterstützen, schlägt die Regierung vor, das Gesundheitsgesetz in der anstehenden Revision entsprechend anzupassen. Die erste Lesung ist für die Septembersession traktandiert. Die Regierung hält fest: «Am einfachsten und wohl auch am gerechtesten wäre es, wenn die Kosten für die Hebammenvermittlung in der Fallpauschale für die Spitäler und/oder im Hebammentarif mitberücksichtigt würden.» Damit würde der Kanton die heisse Kartoffel allerdings einfach weiterreichen.

Obwohl Postulantin Noëlle Bucher Gesundheits- und Sozialdirektor Guido Graf (CVP) «Wohlwollen» attestiert, sei es «schwaches Zeichen», einen Prüfauftrag mit der vorliegenden Begründung nicht vollständig zu überweisen. Gleichwohl zeigt sie sich erfreut über den vorgeschlagenen Weg. Bucher sagt:

«Lokale Player wie der Kanton, die Spitäler und das Geburtshaus stehen in der Verantwortung, hier braucht es eine gemeinsame Lösung.»

Die dreifache Mutter weiss um die Wichtigkeit einer guten Hebamme. «Ihre Dienstleistung geht weit über den medizinischen Bereich hinaus.»

Hebammen hoffen auf Leistungsauftrag

Eine Lösung via Leistungsauftrag würden die Hebammen begrüssen: «So liesse sich das Projekt rasch langfristig auf sichere Beine stellen», sagt Lea Kobler, Co-Präsidentin von hebamme-zentralschweiz.ch. Nicht zielführend hingegen sei für sie der Weg über die Fallpauschale. «Hier gibt es keine kantonalen Alleingänge, mögliche Verhandlungen würden Jahre dauern.» Kobler blickt zufrieden auf den Projektstart zurück:

«Wir konnten bereits 25 Wöchnerinnen zu einer Hebamme verhelfen.»

70 freiberufliche Hebammen stellen sich aktuell in den Dienst der Vermittlungsplattform. Lea Kobler hofft, dass deren Bedeutung auch vom Parlament anerkannt wird. Denn: «Das ist nicht unser Hobby, sondern eine Dienstleistung für die Bevölkerung.»

Luzerner Stadtrat wartet Haltung der Regierung ab

Auch im Stadtluzerner Parlament weibelt man für die finanzielle Unterstützung der Hebammenzentrale: Namens ihrer Fraktion haben Maria Pilotto (SP/Juso) und Christian Hochstrasser (Grüne/Junge Grüne) ein Postulat eingereicht. Dieses wurde anlässlich der Ratssitzung vom 30. Januar teilweise überwiesen. Der Stadtrat will sich für eine «zielgerichtete Weiterführung» der Zusammenarbeit zwischen der Mütter- und Väterberatung sowie den Hebammen einsetzen. Er prüft aber, ob weitere Massnahmen zur Unterstützung der Hebammenzentrale nötig sind, «sobald der Kanton sich als Hauptverantwortlicher in dieser Thematik positioniert hat». 

Mehr zum Thema