Luzerner Regierungsrat lehnt Programm zur Bekämpfung einer Schafskrankheit ab

Die Moderhinke befällt immer mehr Schweizer Schafe. Eine zu bekämpfende Seuche ist sie dennoch nicht, sagt die Luzerner Regierung. Den Start eines nationalen Programms kann sie wohl nicht verhindern - und stellt darum einige Anträge.

Alexander von Däniken
Drucken
Teilen

Die Krankheit Moderhinke breitet sich unter Schweizer Schafen aus. Über ein Sechstel der Tiere ist gemäss einer Untersuchung mit dem Erreger infiziert. Bei ihnen müssen das kranke Horn abgeschnitten, die Klauen geputzt und in einem medizinischen Fussbad desinfiziert werden. Ausserdem müssen infizierte Tiere strikt vom Rest der Herde getrennt werden. Der Bund plant ein nationales Bekämpfungsprogramm.

Ende Januar ist die Vernehmlassung zur entsprechenden Änderung der Tierseuchenverordnung abgelaufen. Auch der Kanton Luzern hat sich geäussert – mit deutlichen Worten.

Schafhalter in der Pflicht

Alleine schon die Einstufung der Moderhinke als «zu bekämpfende Seuche» erachtet der Kanton Luzern als falsch. Die einzelnen Tierhalter seien durchaus in der Lage, die Schafe gegen die Krankheit zu schützen. «Dass dies mit Einschränkungen für ihren Betrieb einhergehen mag, liegt in der Natur der Sache.» Es sei die Entscheidung der Schafhalter, ob sie die Gesundheit ihrer Tiere oder eine uneingeschränkte Teilnahme an traditionellen Haltungsformen höher gewichten. Eine Bekämpfung der Klauenerkrankung könne auch erreicht werden, ohne ein staatlich gefördertes Bekämpfungsprogramm zu installieren.

Ein gesundes Schaf: Ist eine Herde von der Moderhinke betroffen, müssen die erkrankten Tiere isoliert werden.

Ein gesundes Schaf: Ist eine Herde von der Moderhinke betroffen, müssen die erkrankten Tiere isoliert werden.

Pius Amrein (Flühli, 15. Februar 2018)

Allerdings haben sich bereits der Ständerat und der Nationalrat für das Programm ausgesprochen, was auch der Kanton anerkennt. Darum hat er mehrere Anträge formuliert. Besonders wichtig sind ihm die Kosten. Bereits die Vereinigung der Schweizer Kantonstierärztinnen und Kantonstierärzte wies darauf hin, dass die Mehrheit der Schafhalter hinter dem Programm stehen müsse. Dazu zählt auch die Übernahme der Kosten für die Sanierung von Herden und einen Kostenbeitrag an die labortechnische Herdenüberwachung.

Programmstart soll verschoben werden

In der Vernehmlassungsvorlage sei nur festgehalten, was der Bund insgesamt zu tragen habe und was die Schafhalter pro Probe beisteuern müssen. Es werde aber nicht beziffert, welche Kosten die kantonalen Veterinärämter durch das geplante Bekämpfungsprogramm in personeller und finanzieller Art übernehmen müssen.

Der Kanton Luzern weist auf knappe Ressourcen beim Veterinärdienst hin. Noch immer sei man mit der Ausrottung der Rinderseuche BVD beschäftigt. «Bevor die BVD-Ausrottung nicht abgeschlossen ist, stehen in den Kantonen keine personellen Ressourcen für das Moderhinkebekämpfungsprogramm zur Verfügung.»

Entsprechend folgert der Kanton, dass die Einführung des Programms (ursprünglich war der 1. Januar 2020 vorgesehen), verschoben werden soll, um die Fragen zu klären.

Mehr zum Thema