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365-Millionen-Projekt Campus Horw: AG zur Finanzierung wird erst nach der Baubewilligung gegründet

Der Campus Horw soll von einer kantonseigenen Aktiengesellschaft gebaut, betrieben und unterhalten werden. Zu deren Gründung beantragt die Regierung dem Kantonsrat einen Kredit von 53,5 Millionen Franken.

Susanne Balli
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Das Areal des künftigen Campus Horw Richtung Süden mit dem heutigen Departement Technik und Architektur der Hochschule Luzern.

Das Areal des künftigen Campus Horw Richtung Süden mit dem heutigen Departement Technik und Architektur der Hochschule Luzern.

Bild: PD/Lukas Galantay

Das Departement Technik und Architektur der Hochschule Luzern in Horw ist in einem veralteten Gebäude aus dem Jahr 1977 untergebracht, welches dringend erneuert werden müsste. Seit Beginn bis heute hat sich die Zahl der Studentinnen und Studenten verdreifacht (2019 waren es 1873). Ebenfalls ein räumliches Problem hat die Pädagogische Hochschule (PH) Luzern, denn sie ist auf acht Standorte verteilt. Dadurch werden der Austausch zwischen Lehre und Forschung sowie ein effizienter Stundenplan erschwert, was sich in hohen Betriebskosten niederschlägt. Auch die Zahl der Lernenden steigt. Verzeichnete die PH Luzern 2003 noch 250 Studenten, waren es 2019 bereits 2283.

Abhilfe schaffen soll der erneuerte und erweiterte Campus Horw, der ab 2029 Heimat des Departements Technik und Architektur sowie der PH Luzern werden soll. Weit über 4000 Studenten und 1000 Angestellte werden in Horw künftig lernen und arbeiten. Schätzungsweise 365 Millionen Franken soll das Megaprojekt kosten. Dessen Finanzierung soll aber nicht durch den Kanton erfolgen, sondern an eine kantonseigene Aktiengesellschaft ausgelagert werden. Für die Gründung der Immobilien Campus Luzern-Horw AG beantragt die Regierung dem Kantonsrat einen Sonderkredit in der Höhe von 53,5 Millionen Franken.

AG ist zuständig für Bau, Betrieb und Unterhalt

Am Donnerstag informierten Bildungsdirektor Marcel Schwerzmann (parteilos) und Finanzdirektor Reto Wyss (CVP) über das weitere Vorgehen. Die neue Immobilien Campus Luzern-Horw AG wird eine gemeinnützige Aktiengesellschaft; der Kanton ist deren Eigentümer, er besitzt 100 Prozent der Aktien, hat im Verwaltungsrat die Mehrheit inne und bestimmt dessen Zusammensetzung. «Die AG wird für den Bau, den Betrieb und Unterhalt des erweiterten Campus Horw verantwortlich sein», erklärte Reto Wyss, der als Finanzdirektor für die kantonalen Hochbauten zuständig ist.

Im Betrag von 53,5 Millionen Franken für die Gründung der AG sind gemäss Regierung die Übertragung der Grundstücke mit den Gebäuden des Departements Technik und Architektur, die kantonseigenen, angrenzenden Grundstücke sowie das ausführungsreife Bauprojekt enthalten. Der Kanton trägt 29,1 Millionen Franken für die Planung ein; 21,4 Millionen Franken sind Bundessubventionen. Dazu kommen Bareinlagen von 2,9 Millionen und Gründungskosten von 0,1 Millionen Franken.

Hochschulen sollen flexibler auf Veränderungen reagieren können

Wyss sieht mehrere Vorteile, den erweiterten Campus Horw über eine AG zu finanzieren: Eine AG könne viel flexibler und rascher reagieren, als dies dem Kanton im Rahmen der langwierigen politischen Prozesse möglich sei. Ein Punkt, der gerade in der Bildung und Forschung nicht unterschätzt werden dürfe. «Damit haben die Hochschulen die Möglichkeit, agil und zeitgemäss auf Veränderungen einzugehen, weil bei Bedarf ein schneller Investitionsfluss gewährleistet ist», so Wyss.

Der Regierungsrat will das Heft aber nicht zu rasch aus der Hand geben. Die AG soll erst gegründet werden, wenn die Baubewilligungen für das Um- und Neubauprojekt rechtskräftig sind. Dies dürfte 2024 der Fall sein. Nun folgt als nächster Schritt der Entscheid des Kantonsrats (voraussichtlich in der Septembersession), bevor das Volk im Frühling 2021 das letzte Wort haben wird. Bis 2021 soll auch der Architekturwettbewerb abgeschlossen sein. Danach sollen das Planungsverfahren und die Projektierung erfolgen. «Die AG übernimmt also ein fertiges Bauprojekt», erklärte Reto Wyss. Ab 2025 ist die bauliche Umsetzung des Megaprojekts geplant.

SP und Grüne haben Vorbehalte

Die Vernehmlassung zur Gründung der AG hat bereits stattgefunden. Das Konzept ist mehrheitlich gut angekommen. Grosse Vorbehalte haben allerdings SP und Grüne. Die SP befürchtet, mit der AG gehe ein Verlust der politischen Kontrolle und der demokratischen Mitbestimmung in einer der Kernaufgaben des Kantons, der Bildung, einher. Anstatt handlungsfähig die Zukunft zu gestalten, gebe man diese aus der Hand und bringe gleichzeitig die Unabhängigkeit der Bildung in Gefahr, teilte die SP am Donnerstag mit.

Regierungsrat Reto Wyss sagte, man habe auf die Bedenken der SP reagiert, «da wir einen wichtigen Wunsch berücksichtigen, indem die AG erst 2024 gegründet wird, wenn ausführungsreife Baupläne vorliegen». In der Vernehmlassungsbotschaft war die Gründung der AG noch fürs Jahr 2021 vorgesehen. Da der Kanton die Mehrheit im Verwaltungsrat der kantonseigenen Aktiengesellschaft haben wird, gibt es laut Wyss eine «sehr gute Gewähr, dass wir die Entwicklung des Campus auch längerfristig nicht aus der Hand geben». Das Parlament werde auch künftig die Möglichkeit haben, Einfluss auf den Campus Horw zu nehmen.

Campus Horw als Impulsgeber für Kanton

Bildungsdirektor Marcel Schwerzmann indes betonte die Wichtigkeit des Megaprojekts für den Kanton Luzern. «Die Wirtschaft ist auf einen qualifizierten Standort von Bildung und Forschung angewiesen. Der Campus ist Impulsgeber für die Weiterentwicklung des Kantons», so Schwerzmann.

Die PH Luzern und das Departement Technik und Architektur der Hochschule Luzern werden den Campus Horw als gleichberechtigte Partner nutzen. Dadurch ergeben sich laut Schwerzmann viele Synergien. Als Beispiele nennt er die gemeinsame Nutzung der Hörsäle, Ausstellungsflächen, technischen Räume, der Mensa, des Mehrzweckraums, der Informations- und Kommunikationstechnologie sowie der Aussenräume.

Hinweis: Die Botschaft des Regierungsrates im Detail.

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