Luzerner Regisseur dreht seinen ersten Spielfilm «zu Hause»

Der Neuenkircher Christian Koch führt Regie im Film «The Lines Of My Hand». Es ist sein erstes Werk in Spielfilmlänge. Gedreht wird dieser Tage im Kanton Luzern – am Freitag und Samstag in einer Sekundarschule in Sursee.

Matthias Stadler
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Filmdreh beim Schulhaus Georgette in Sursee: «The Lines of my Hand» erscheint 2020. (Bilder: Nadia Schärli, 22. Februar 2019)
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Schauspielerin Rachel Braunschweig in der Maske. Braunschweig verkörpert die Hauptfigur Marina, eine Oberstufenlehrerin, welche ein Doppelleben führt.
Gut 100 Schüler fungieren als Statisten in «The Lines of my Hand».
Regisseur Christian Koch gibt sein Spielfilmdebüt.
Das Schulhaus Georgette in Sursee ist einer der Filmorte im Kanton Luzern. Die Filmcrew dreht überdies in Rickenbach, Schachen und im Wauwilermoos.
Schauspielerin Rachel Braunschweig hat bereits in diversen grossen Schweizer Filmen mitgespielt.

Filmdreh beim Schulhaus Georgette in Sursee: «The Lines of my Hand» erscheint 2020. (Bilder: Nadia Schärli, 22. Februar 2019)

Wenn man 100 Jugendliche gleichzeitig dazu bringen will, etwas zu tun, braucht das viel Überzeugungskraft. Oder man stellt ein Filmset hin und verspricht ihnen, dass sie in einem Schweizer Film im Hintergrund zu sehen sein werden. So geschehen am Freitag rund um das Sekundarschulhaus Georgette in Sursee. Dann wird zugehört und Folge geleistet.

Momentan wird dort der Film «The Lines Of My Hand» mit Rachel Braunschweig in der Hauptrolle gedreht. Eine Schweizer Produktion mit einem Budget von gut 2,5 Millionen Franken, finanziert vom Bundesamt für Kultur, der SRG, der Zürcher Filmstiftung und dem Kanton Luzern. Regisseur ist der Neuenkircher Christian Koch. Für ihn ein Debüt: Der 32-Jährige dreht zum ersten Mal einen Spielfilm. Er ist auch mitverantwortlich für das Drehbuch. Entsprechend hat er seine Vorstellungen der Drehorte in die Planung miteinfliessen lassen. Gleich mehrere Orte im Kanton Luzern dienen während der 37 Drehtage als Filmorte. Am Donnerstag war die Filmcrew in Rickenbach. Schachen und das Wauwilermoos werden zu einem späteren Zeitpunkt ebenfalls noch als Drehort gebraucht.

Drei Szenen in zehn Stunden

Im Film geht es um die verheiratete Oberstufenlehrerin Marina. Sie ist Anfang vierzig und führt ein Doppelleben. Im Geheimen trifft sie sich mit Artem, dem Vater einer ihrer Schülerinnen, der wie seine Tochter seit Jahren ohne Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz lebt.

In Sursee drehte die rund 40-köpfige Crew am Freitag während zehn Stunden drei Szenen, unter anderem auf dem Pausenplatz. Die gut 100 Sekschüler dienten dabei als Statisten, gingen etwa auf dem Pausenplatz herum, eine Gruppe Buben hatte gar eine Prügelszene zu spielen. Mitten im Geschehen: der Regisseur.

Christian Koch ist zufrieden mit dem bisherigen Verlauf des Drehs. Seit Mitte Januar läuft dieser, noch bis am 9. März dauert er. «Am heutigen Drehtag geht es viel um Choreografie und Koordination», erzählte er unserer Zeitung am Rand der Dreharbeiten am Freitag. Das sei für ihn als Regisseur nicht so streng, auch weil die Schüler sehr gut mitmachen würden. Am Samstag hingegen sei ein strengerer Tag geplant, da eine lange Szene auf dem Programm stehe.

Der 32-Jährige studierte an der Filmuniversität Babelsberg in Potsdam Filmregie. In Deutschland hat er einige Kurzfilme gedreht, nun ist er zurück in der Heimat. Für ihn sei es bei diesem Film wichtig gewesen, dass unter anderem im Kanton Luzern gedreht wird. «Ich war zwölf Jahre im Ausland. Jetzt bin ich zurück und wollte für den Film auch an Orten drehen, die ich kenne. Denn dadurch, dass mir diese bekannt sind, kenne ich auch gewisse Feinheiten.» Er habe zudem Landschaften und Orte gewählt, die «nicht pittoresk wirken, also kein Alpenpanorama». Trotzdem habe er eine cinematografisch interessante Zusammensetzung gesucht. «Und ich wusste, was in unserer Region existiert.»

Christian Koch bezeichnet den Dreh als «sehr anspruchsvoll. Er ist lang, es gibt viele Szenen. Teils ist der Dreh unterhaltsam, teils sehr emotional.» Eine der Herausforderungen sei, dass mit Rachel Braunschweig und Alexey Serebryakov eine grosse Schweizer Schauspielerin auf einen grossen russischen Schauspieler treffe. «Es macht Spass.»

Premiere im ersten Quartal 2020 geplant

Rachel Braunschweig spielt die Oberstufenlehrerin Marina. «Die Figur ist sehr facettenreich. Und es ist ein Geschenk für eine Schauspielerin, wenn man sich so ausleben kann», erklärte sie am Freitag. Braunschweig hat in diversen grossen Schweizer Filmen mitgespielt, so etwa in «Wolkenbruch», «die göttliche Ordnung» und «Zwingli». Ob «The Lines of my Hand» ebenfalls so erfolgreich wird, steht in den Sternen, er soll im ersten Quartal 2020 erscheinen.