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Luzerner Schuhmacher kombiniert altes Handwerk mit moderner Vermarktung

Vor einigen Tagen hat an der Luzerner Pilatusstrasse ein neuer Schuhmacher sein Lokal eröffnet. Der Handwerker ist in der Szene bereits bestens bekannt – auch dank seinem Instagram-Profil.

Emanuel Schüpfer
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Mit Hemd, Anzugshose und Hosenträgern steht Albert Gjukaj hinter der Theke. Als er hervortritt, funkeln seine weinroten Lederschuhe – die Spitze ist frisch poliert. Albert Gjukaj alias «Mister Dapper» (Englisch für «Herr Adrett») macht seinem Spitznamen alle Ehre. Er ist Schuhmacher und hat gemeinsam mit Leo Grüter und Maximilian Eugster am 30. November ein neues Geschäft an der Pilatusstrasse in Luzern eröffnet. Hier bearbeitet Gjukaj Schuhe nach allen Regeln der Kunst. 

Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 5. Dezember 2019)

Albert Gjukaj war eines dieser Kinder, die schon immer wussten, was sie werden wollen: In seinem Fall hat es ihm der Beruf des Schuhmachers angetan. Nach abgeschlossener Lehre als Automobil-Mechatroniker – damals gab es keine Lehre zum Schuhmacher – liess er sich in einer Zürcher Schuhmacherei ausbilden und arbeite dann an verschiedenen Orten. Der heute 35-jährige Schweizer mit kosovarischen Wurzeln reiste regelmässig ins Ausland, zum Beispiel die USA, um Weiterbildungen und Messen rund um die Schuhmacherei zu besuchen.

«Das habe ich alles aus Eigeninteresse gemacht», sagt Gjukaj. So habe er sich grosses Fachwissen und praktische Erfahrung aneignen können.

Albert Gjukaj alias «Mister Dapper» bei der Arbeit.

Albert Gjukaj alias «Mister Dapper» bei der Arbeit. 

Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 5. Dezember 2019)

12'000 Follower auf Instagram

Bei der Schuhmacherei denken viele an ein altes Handwerk, das langsam in Vergessenheit gerät. Doch die Branche scheint sich auch in Zeiten der Digitalisierung zu halten. Im Telefonbuch sind in der Stadt Luzern zehn Schuhmacher eingetragen. Speziell an Gjukaj ist, dass er sich auch bestens mit Werkzeugen der Moderne auskennt. Er ist ein kleiner Star in der Schuhmacherszene mit 12'000 Followern auf Instagram.

Er postete auch ein Video vom Eröffnungstag in Luzern: 

Besonders aufgrund seiner Polierkünste und seinem edlen Auftritt hat er von Berufskollegen den Spitznamen «Mr. Dapper» bekommen. Bilder seiner Arbeit postet er regelmässig auf Social Media, was ihm zusätzliche Bekanntheit und ein internationales Netzwerk verschafft hat. «Egal, an welcher Messe ich bin, die Schuhmacher kennen mich», sagt der dreifache Familienvater. So sei es auch schon vorgekommen, dass jemand ihm nach einem gemeinsamen Foto gefragt habe. 

Reparatur, Politur, Ausweitung, Personalisierung; das sind die Dienstleistungen, die Gjukaj anbietet. Dafür stehen ihm Maschinen zur Verfügung, die teilweise nicht mehr hergestellt werden. So zum Beispiel eine amerikanische Nähmaschine aus den 1960er-Jahren, mit der Gjukaj Sohlen näht. «Es gibt nur wenige, die diese Kunst noch beherrschen», erklärt Gjukaj.

Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 5. Dezember 2019)

Leo Grüter, Geschäftspartner von Gjukaj, sagt: «Wir wollen in Zeiten der Automatisierung zeigen, dass dieses Handwerk noch existiert.» Deshalb könne beim Vorbeigehen als auch im Geschäftsinneren in Gjukajs offene Werkstatt geblickt werden. Dritter im Bunde ist Maximilian Eugster, der aus einer Schuhliebhaber-Familie stammt. Er wurde durch die sozialen Medien im Frühjahr auf Gjukaj aufmerksam. Zuerst schickte er Gjukaj aber den gesamten Schuhbestand der Familie – gut 30 Paare – ein und beauftragte ihn mit einer Aufwertung. «Es war eine Art Testlauf», sagt Eugster schmunzelnd. Das Ergebnis habe ihn verblüfft – im positiven Sinne. So bot er Gjukaj die Zusammenarbeit an, Eugster nahm sich dann der Aufbereitung eines Online-Shops an. Hier können Kunden ihre Schuhe mit entsprechendem Auftrag einschicken und erhalten die Schuhe später repariert und aufgefrischt per Post zurückgeschickt.

Entgegen der Wegwerfkultur

Im August einigten sich die drei schliesslich auf eine geschäftliche Zusammenarbeit und die Eröffnung der Schuhmacherei Mr. Dapper. Das Motto ist simpel: «Better than new». Alte, abgetragene Treter können hier einem Facelifting unterzogen werden. Grüter sagt: «Heutzutage ist die Schuhindustrie sehr schnelllebig.» Dem Wegwerftrend beuge man mit dem Angebot von Schuhreparaturen und -Aufwertungen vor. «Ein qualitativ hochwertiger Schuh kostet zwar etwas, kann bei richtiger Pflege jahrzehntelang getragen werden», sagt Gjukaj. So können ebenfalls Schuhe im Mittel- bis Hochklasse-Segment von 300 bis 800 Franken erworben werden.

«Mr. Dapper» hat für kommendes Jahr nebst dem Betreiben des Geschäftes übrigens auch anderes vor: Er will an der Schumacher-Weltmeisterschaft in Chicago teilnehmen und glänzen – wie seine Schuhe.