Luzerner Schule will mit Buchprojekt die Wegwerf-Mentalität bekämpfen

In der Seitz Handels- und Kaderschule Luzern können alte Schulbücher gratis geholt und abgegeben werden.

Natalie Ehrenzweig
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Marketingleiter Robert den Otter (links) und Schulleiter Lukas Keiser beim Bücherregal.

Marketingleiter Robert den Otter (links) und Schulleiter Lukas Keiser beim Bücherregal.

Bild: Pius Amrein,
Luzern, 2. Dezember 2019

Öffentliche Regale, bei denen gelesene Bücher weitergegeben werden können, gibt es in der Region bereits mehrere. Normalerweise stehen darin Krimis, Romane und Klassiker. Nun gibt es auch ein Regal für Schulbücher. «Rebook» heisst die Aktion des Bildungszentrums Luzern, bei der alle Interessierten nicht mehr gebrauchte Schulbücher abgeben oder ein gebrauchtes mitnehmen können.

«Die Idee hatten wir, weil wir einerseits noch selbst einige Bücher hatten, die wir nicht mehr brauchten», sagt Robert den Otter, Leiter Marketing beim Bildungszentrum Luzern, dem Zusammenschluss der Seitz Handels- und Kaderschule, der Höheren Fachschule für Tourismus Luzern und Höheren Fachschule Wirtschaft Luzern (BZLU). «Andererseits haben wir darüber geredet, wer von uns noch Schulbücher daheim hat. Wer hat nicht diesen Freund, dem man beim Umzug hilft und dabei bananenkistenweise Schulbücher schleppt.»

«Bestand hat sich mehr als verdoppelt»

An der Berufsbildungsmesse «Zebi» konnte man bereits im Regal stöbern. «Es gab schon dort einige Interessierte, die die Adresse notierten und Bücher bringen wollten», sagt Schulleiter Lukas Keiser. Nach der «Zebi» wurde das Bücherregal beim Empfang der Seitz-Schule an der Winkelriedstrasse aufgestellt. «Der Bestand hat sich seither mehr als verdoppelt», sagt Robert den Otter.

Das System ist einfach: Wer alte Schulbücher hat, kann diese im Sekretariat abgeben. Das Schulfach sei nebensächlich, solange es Bücher ab der Berufslehre und für die Erwachsenenbildung seien, so Keiser. So stehen im Bücherregal beispielsweise Schulbücher zu den Fächern Englisch, Deutsch, Wirtschaft & Gesellschaft, aber auch zum Beispiel «Das ideale Gebäck». Auf den sozialen Medien hätten sie immer wieder Studierende, die entweder Schulbücher anbieten oder suchen, ergänzt Robert den Otter.

Es geht auch um Grundwerte

Das Ziel sei aber nicht nur, die eigenen Bücher wegzugeben. «Es geht uns um Grundwerte. Wissen kann man auch physisch weitergeben. Wir möchten uns gegen die Wegwerfgesellschaft wehren», sagt Lukas Keiser. Und mit den Büchern biete man auch eine Art «Digital detox»: «Ein papierenes Buch zu lesen, statt in einen Bildschirm zu schauen hat eine andere Qualität.»

Ein definiertes Ziel haben der Schulleiter und der Marketingleiter nicht. «Wenn es so viele Bücher gäbe, dass das Gestell nicht reicht, haben wir ein Luxusproblem. Dann könnte ich mir vorstellen, dass wir auch am BZLU-Standort am Bahnhofplatz ein Büchergestell aufstellen. Das Risiko, dass wir <zu viel> Wissen bekommen, gehen wir gerne ein», meint Robert den Otter lachend.