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An Luzerner Schulen werden T-Shirts und Röcke bald kürzer

An einer Schule in Baar durften die Schüler im Unterricht Trainerhosen tragen. Ausnahmsweise. Solche Experimente stehen an Luzerner Schulen nicht zur Debatte. Das Thema Kleiderordnung wird aber auch hier aktuell, sobald der Sommer kommt.
Kilian Küttel
Sorgt für Diskussionen: Das Tragen von Trainerhosen in der Schule. (Symbolbild: Getty)

Sorgt für Diskussionen: Das Tragen von Trainerhosen in der Schule. (Symbolbild: Getty)

Ein Kommando, gebellt im Befehlston eines übereifrigen Feldweibels: «D Hose ufe, aber hantli!» Jene Weisung wurde dem Autor dieser Zeilen entgegengeschleudert, wenn er die heimische Stube betrat.

Damals, 2006. Als Lieder von «The Offspring» und «Sum 41» durch die Kopfhörer des MP3-Players dröhnten, als Poster von Skatern und Snowboardern an den Zimmerwänden hingen. Als deren Kleidungsstil en vogue war: Schräg sitzende Mützen, klobige Skaterschuhe und eben Jeans, die mindestens fünf Zentimeter unterhalb dessen zu sitzen hatten, was nach elterlichem Dafürhalten die Gürtellinie war.

Schulleitung hört auf den Schülerrat

Tempi passati. Dennoch ist und bleibt die Mode heiss diskutiertes Thema. So auch im Oberstufenschulhaus Sternmatt 2 in Baar, wo die Schüler unlängst in Trainerhosen zum Unterricht erscheinen durften. Für eine Woche, auf Antrag des Schülerrats. Normalerweise toleriert es die Schule nicht, wenn die Jugendlichen die wohl bequemen, aber schlabbrigen Hosen tragen. Man wolle die Jungen lehren, wann welche Kleidung angemessen sei, sagte dazu Schulleiter Peter Walser:

«Schliesslich ist es unsere Aufgabe, sie auch auf Bewerbungsgespräche vorzubereiten. Dort ist es ja auch nicht hilfreich, wenn man schluderig gekleidet kommt.»

Diese Haltung teilen die Leiterinnen und Leiter von Luzerner Schulen, wie eine Umfrage unserer Zeitung zeigt. Zum Beispiel Vreni Völkle, die Rektorin der Stadtluzerner Schulen:

«Wir legen Wert auf eine gepflegte, angepasste Kleidung. Das ist so auch in unserer Schulordnung vermerkt.»

Auch Philipp Calivers, Rektor der Stadtschulen Sursee verweist auf einen Leitsatz der Schulordnung, der lautet: «Ich bekleide mich dem Schulalltag entsprechend.»In Sursee sind Trainerhosen demnach nicht erlaubt, ebenso wenig wie in Neuenkirch. Rektor Lucien Kraft:

«Ich gehe ja auch nicht in Trainerhosen zur Arbeit.»

Und die «International School of Zug and Luzern» bittet ihre «Lernenden, sich respektvoll anzuziehen und Kleidung zu tragen, die für die Aktivitäten des Schulalltages geeignet sind», wie es in einer schriftlichen Antwort auf unsere Fragen heisst.

Bauchfrei? Nicht in Neuenkirch

Scheint eigentlich alles geregelt. Und trotzdem gibt es immer wieder Diskussionen darum, was als «gepflegte und angemessene Kleidung» durchgeht. Besonders in den nächsten Wochen, wenn sich der Sommer ankündigt und die T-Shirts im Verhältnis zu den steigenden Temperaturen kürzer werden. Das Thema Freizügigkeit kommt aufs Tapet. Oder wie es Lucien Kraft von der Schule Neuenkirch sagt:

«Bauchfreie oder sehr knappe Oberteile tolerieren wir nicht und schreiten ein. Wir haben auch schon Schülerinnen nach Hause geschickt, um sich umzuziehen.»

Für Pirmin Hodel, Rektor der Schule Willisau und Präsident des Luzerner Schulleiterverbandes, gilt in puncto Kleidung: «Wichtig ist, klare Regeln abzumachen, was geht und was nicht. Tabu sind ganz klar Sexismus und Rassismus.»

Luzerner Schulen halten nichts von Uniformen

Laut Peter Walser haben sie in Baar einen Vorrat an «schönen, blauen T-Shirts», die man abgibt, sollte es notwendig sein. Auch gewisse Schulhäuser in der Stadt Luzern würden über einen solchen Grundstock an Kleidern verfügen, wie Vreni Völkle erklärt. Im Kantonshauptort gibt es zwar keine pauschalen Regeln zum Thema Freizügigkeit, jedoch würden die Verantwortlichen «punktuell einschreiten und die entsprechenden Massnahmen verfügen», so Völkle. Dazu gehöre auch ein Gespräch mit den Eltern eines Schülers, der nicht in angepassten Kleidern erscheint.

Damit es gar nicht so weit kommt, könnten die Schulen die Uniform-Pflicht einführen, wie es in angelsächsischen Ländern Usus ist. Davon ist man im Kanton Luzern aber weit entfernt. Sehr weit sogar. An keiner der angefragten Schulen bestehen Pläne in diese Richtung. Dazu Vreni Völkle:

«Schuluniformen würden unserem Grundsatz widersprechen, die Individualität unserer Lernenden zu fördern. Ein Teil davon ist, zu lernen, wann man sich wie anziehen soll.»

Dazu gehört auch die Erkenntnis, dass Trainerhosen bislang noch als Freizeit-, nicht aber als Arbeits- oder Schulkleidung taugen. Anders als während einer Woche im Baarer Schulhaus Sternmatt 2.

Wenige kamen in Trainerhosen

Allerdings zeigt sich, dass die Schlabberhose offenbar gar nicht so beliebt ist. Schulleiter Waser habe über die Wochen hinweg nur eine handvoll der 250 Schüler in Trainerhosen gesehen. Wasers Bilanz: «Das Bedürfnis für eine Wiederholung scheint nicht da zu sein.»

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