Luzerner Schulen bleiben bis zu den Osterferien zu

Tausende Schüler werden im Kanton Luzern bis am 10. April Fernunterricht erhalten. Eine verständliche Massnahme, sagen die Lehrer.

Alexander von Däniken
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Die Medienkonferenz des Bundesrats war noch im Gang, als der Luzerner Regierungsrat am Freitag seinerseits die Journalisten informierte. Der Kanton übernimmt sämtliche Massnahmen des Bundes – und ruft die «besondere Notlage» aus. Das heisst: Ab sofort ist der kantonale Führungsstab aktiv. Das Gremium wird den Regierungsrat beraten, Spitäler und andere Gesundheitsorganisationen unterstützen, für personelle und materielle Ressourcen sorgen und die Koordination von allen Beteiligten übernehmen. Die Leitung hat Stabschef Vincenz Graf inne, im Stab sitzen zudem Vertreter der Regierung und weiteren Organisationen wie der Luzerner Polizei.

Regierungspräsident Paul Winiker machte deutlich: «Die Massnahmen sind notwendig, damit wir unser Gesundheitssystem aufrechterhalten können. Sie sind aber auch notwendig, ­damit die Versorgung unserer Bevölkerung gewährleistet bleibt.» Der SVP-­Politiker appellierte an drei Tugenden: Disziplin, Einschränkung und Solidarität: «Wir müssen uns jetzt gegenseitig unterstützen.»

Unterrichtssperre durchgängig bis zu den Osterferien

Eine Einschränkung erfahren zum Beispiel alle Schülerinnen und Schüler und deren Eltern im Kanton Luzern. Ab sofort ist der Präsenzunterricht an ­allen Schulen im Kanton bis am Karfreitag, 10. April, untersagt. Die Massnahme dauert also länger als der vom Bund vorgeschriebene 4. April. Der Grund ist laut Bildungsdirektor Marcel Schwerzmann, dass anschliessend gleich die Osterferien beginnen: «Eine Woche regulärer Schulbetrieb dazwischen macht keinen Sinn», so der parteilose Regierungsrat.

Schulen bleiben auch in anderen Kantonen zu

Die anderen Zentralschweizer Kantone haben entschieden, den Präsenzunterricht an den Schulen bis am 4. April auszusetzen.

Marcel Schwerzmann.

Marcel Schwerzmann.

Bild: Pius Amrein

Die Massnahme gilt für alle Schulen – vom Kindergarten bis zu Berufsschulen, Fachhochschulen und zur Universität. «Die Schulhäuser sind geschlossen, nicht aber die Schule. Fernunterricht ist das Gebot der Stunde», sagte Schwerzmann. Zahlreiche Schulen seien bereits dazu im Stande. «Bei den restlichen Schulen wird das System so schnell wie möglich hochgefahren.» Bei tieferen Stufen werde eher auf Hausaufgaben gesetzt, bei höheren kämen auch Projektarbeiten hinzu. «Hier sind nun die Eltern gefordert. Sie müssen vermehrt betreuen und bei den Aufgaben helfen. Das bedeutet vermehrt Home-Office.»

Weil Home-Office nicht in jedem Fall möglich ist, verpflichtet der Regierungsrat die Gemeinden, ein Betreuungsangebot für einzelne Kinder im Kita-, Kindergarten- und Primarschulalter bereitzustellen. «Die Gemeinden sind formal für die Volksschule zuständig», begründete Schwerzmann. Er erläuterte auf Nachfrage, dass solche Angebote in der Regel bereits bestehen. «Ausserdem ist nicht gemeint, dass bei den Betreuungsangeboten gleich viele Kinder beaufsichtigt werden wie im regulären Unterricht.» Würde es sich dennoch um eine kleine Gruppe handeln, sei diese auf die räumliche Situation anzupassen: je mehr Platz, desto besser. Die Eltern können sich auch untereinander organisieren. «Wichtig ist, die Durchmischung der Generationen zu reduzieren und sicherzustellen, dass Personen in besonders wichtigen Arbeitsgebieten wie Versorgung oder Medizin arbeiten können.»

Kindertagesstätten sind von der Schulschliessung explizit ausgenommen. Das gilt auch für die Heilpäda­gogischen Schulen Schüpfheim und Hohenrain, weil die Schüler dort auch wohnen. Und: Bereits geplante Abschlussprüfungen dürfen durchgeführt werden. Namentlich sind das zum ­Beispiel Maturaprüfungen, Lehrabschlussprüfungen oder Eintrittsprüfungen für höhere Schulen.

Der Luzerner Lehrerinnen- und Lehrerverband war vom Entscheid des Bundes, die Schulen zu schliessen, etwas überrascht. «Wir waren intern natürlich nicht ganz unvorbereitet, müssen nun aber auf die neue Situation reagieren», sagt Präsident Alex Messerli. Die Verhinderung der weiteren Verbreitung habe Priorität «und aus diesem Grund verstehen wir den Entscheid». In Ausnahmesituationen brauche es ausserordentliche Massnahmen. «Bei der Umsetzung ist uns aber wichtig, dass möglichst alle Beteiligten miteinbezogen sind und es kurze Kommunikationswege gibt. Nur ein gemeinsames Handeln ist erfolgreich.»

Fernunterricht «möglichst bald und flächendeckend»

Entsprechend seien Sorgen über allenfalls verpassten Lernstoff im Moment nicht im Vordergrund. «Möglichkeiten zum Auffangen aller Stunden variieren etwas von Stufe zu Stufe. Es ist uns aber natürlich ein Anliegen, den Lehrpersonen und Lernenden in dieser Situation zur Seite zu stehen.» Auch Bildungsdirektor Marcel Schwerzmann signalisierte Unterstützung. So wolle sein Departement nun sicherstellen, dass der Fernunterricht «möglichst bald und ­flächendeckend» stattfinden kann. Ausserdem müssten noch organisatorische Massnahmen umgesetzt werden, welche für die anstehenden und bereits angesetzten Prüfungen unter Einhaltung der Sicherheitsmassnahmen gelten. «Seit Anfang dieser Woche sind wir damit intensiv beschäftigt.»

Wer übrigens mit der Familie ins Museum oder Schwimmbad gehen will, kann dies laut Schwerzmann im Kanton Luzern nur noch eingeschränkt machen. Auch hier gelten die Regeln des Bundes, wonach sich inklusive Personal nicht mehr als 100 Personen in den Räumen aufhalten dürfen.

Hier können Sie die Medienkonferenz im Ticker nachlesen: