Kommentar

Luzerner Schulzahnpflege: Überprüfen ja, abschaffen nein

Die Luzerner FDP will aus Spargründen die schulzahnärztlichen Reihenuntersuche abschaffen. Redaktorin Evelyne Fischer plädiert fürs Beibehalten der heutigen Prophylaxe – allerdings in neuem Modell.

Evelyne Fischer
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Evelyne Fischer

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Luzerner Gemeindevertreter fordern die Abschaffung der jährlichen schulzahnärztlichen Reihenuntersuche. Allen voran Kantonsrätin und Sozialvorsteherin Helen Schurtenberger (FDP) aus Menznau, die im Parlament einen entsprechenden Vorstoss eingereicht hat. Sie nennt vor allem drei Gründe: Die Organisation der Reihenuntersuche fresse Schulen viel Zeit, das Führen der Zahnbüchlein sei aufwendig und die Gemeinden könnten Geld sparen. Pro Kind zahlen sie 33.10 Franken an die Kontrolle.

Die öffentliche Hand aus der Pflicht zu nehmen und alleine auf die Eigenverantwortung der Eltern zu setzen, ist falsch. Benachteiligt würden vor allem sozial schwächer gestellte Schüler. Alleinerziehende, die jeden Franken zweimal umdrehen müssen, könnten die Zahnkontrolle aus Budgetgründen streichen. Mit den obligatorischen Reihenuntersuchen leisten Schulzahnärzte auch Aufklärungsarbeit – nicht nur für Familien mit Migrationshintergrund.

Die aktuelle Übungsanlage zu hinterfragen, ist dennoch angezeigt. Lohnen könnte sich der Blick in Nachbarkantone: Obwaldner Primarschüler erhalten Gutscheine für die schulzahnärztliche Kontrolle, ähnlich läuft es in Zug. Hier beteiligen sich die Gemeinden – je nach wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit der Eltern – sogar an den Zahnbehandlungen. Will der Kanton Luzern Mütter und Väter künftig bereits für Kontrollen zur Kasse bitten, so wären einkommensabhängige Tarife das Mindeste.

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