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Luzerner Secondhand-Läden: Mehr Kunden dank «grüner Welle»

Der Verkauf von bereits getragenen Kleidern verzeichnet steigende Frequenzen – und auch die Brockis stellen Veränderungen fest.
Chiara Stäheli

Noch vor 30 Jahren galten Secondhand-Läden als muffig und schmuddelig. Und wenn man nicht auf billige Kleider angewiesen war, so mied man entsprechende Angebote weitgehend. Doch in den letzten Jahren hat sich einiges getan, wie Marina Gehrig bestätigt: «Viele Leute hatten ein verstaubtes, schlechtes Bild von Secondhand-Läden. Von diesem Denken kommen wir nun langsam weg», sagt Gehrig, die in Neuenkirch seit sieben Jahren einen eigenen Laden führt.

Dieses Mänteli hatte bereits eine Vorbesitzerin – und ist trotzdem ein Hingucker.(Archivbild: Manuela Jans, 26. Januar 2012)

Dieses Mänteli hatte bereits eine Vorbesitzerin – und ist trotzdem ein Hingucker.(Archivbild: Manuela Jans, 26. Januar 2012)

Die Nachfrage nehme von Jahr zu Jahr zu. «Ein Grund für diese Entwicklung sehe ich in der ganzen Diskussion rund ums Thema Nachhaltigkeit», so Gehrig. Es werde in ihrem Laden immer wieder über einen schonenden Umgang mit der Umwelt diskutiert.

«Wer früher Secondhand kaufte, schämte sich fast»

Ähnliches beobachtet auch Christine Felder. Seit nunmehr 20 Jahren führt sie am Kauffmannweg in der Stadt Luzern den Secondhand-Laden «Tootsies». Sie hat Hochs und Tiefs erlebt: «Vor einigen Jahren, als das Online-Shopping so richtig aufkam, war es zeitweise sehr happig für mich. In jüngster Vergangenheit kann ich aber einen Gegentrend feststellen», sagt Felder. Seit etwa einem Jahr habe sie wieder vermehrt jüngere Kunden, denen Nachhaltigkeit wichtig sei.

Sie ist froh, dass Secondhand-Artikel nicht mehr mit dem «Schmuddel-Image» behaftet seien. Das sei früher anders gewesen, wie Felder weiss: «Früher schämte man sich noch fast, wenn man in einen Secondhand-Laden ging – heute zeigt man damit, dass man Wert auf Nachhaltigkeit legt.» Mittlerweile kaufe ja sogar «halb Hollywood» Kleider aus zweiter Hand.

Ähnliche Erfahrungen macht Nathalie Kneubühler-Alle­mann. Ihr Geschäft an der Haldenstrasse in Luzern gibt es bereits seit 16 Jahren. Insbesondere im vergangenen Halbjahr habe sie eine steigende Nachfrage bemerkt:

«Das hat sicher mehrere Gründe. Einer davon ist aber ganz klar, dass immer mehr Leute eine nachhaltige Lebensweise pflegen wollen und sich Gedanken über Umwelt, Nachhaltigkeit und Ökologie machen.»

Die Kleider, die Kneubühler-Allemann anbietet, erhält sie von Kundinnen aus der Region Luzern. Sie werde in letzter Zeit von Kleidern überhäuft, sagt Kneubühler-Allemann: «Die Leute räumen auf und wollen sich von Sachen, die sie nicht mehr brauchen, befreien.» Da habe sicherlich auch die Netflix-Serie «Aufräumen mit Marie Kondo» beigetragen. Darin gibt die japanische Bestsellerautorin Tipps, wie man sich am einfachsten von Altlasten befreit und sein Zuhause entrümpelt (Artikel vom 16. März).

Im Luzerner Brockenhaus harzt es noch

Doch nicht nur gut erhaltene Kleider sollen neue Besitzer finden. In diversen Brockenhäusern im Kanton können auch Möbel, Geschirr und sonstige Sammlerstücke aus zweiter Hand erworben werden. Hier allerdings lässt sich nur langsam eine steigende Nachfrage erkennen. Dies bestätigt Mats Huwyler, der das Luzerner Brockenhaus der IG Arbeit im Bruchquartier leitet: «Ich wünsche mir, dass die Menschen ihren Worten vermehrt auch Taten folgen lassen. Viele sprechen zwar gut und gerne darüber, wie wichtig ihnen Nachhaltigkeit sei – tatsächlich umsetzen tun sie dann aber praktisch nichts.» Man sei weit davon entfernt, sagen zu können, dass sich die Klima- und Nachhaltigkeitsdebatte in den Kundenzahlen niederschlage.

Doch die fehlende Umsetzungsbereitschaft der vermeintlich «nachhaltigen» Bevölkerung ist nur die eine Baustelle. Denn die Brockenhäuser haben in den vergangenen Jahren Konkurrenz erhalten: Mit Ricardo und Tutti existieren Plattformen, auf denen Private mit wenig Aufwand nicht mehr genutzte Mobilien loswerden können. «Das ist heute viel einfacher als früher. Besonders Leute, denen der soziale Gedanke des Brockenhauses wenig bedeutet, nutzen entsprechende Angebote häufig», sagt Huwyler.

Die aktuellste Werbekampagne von Ricardo ist denn auch dem Thema Secondhand gewidmet. Mit Slogans wie «Secondhand macht glücklich» wirbt das Vermittlungsportal um neue Nutzer. Diese Darstellung hat auch das Brocki der Heilsarmee in Kriens verfolgt, wie Jakob Amstutz, Geschäftsleiter der Heilsarmee-Brockis, sagt. Man habe sich nach der Entstehung der Plattformen vor einigen Jahren grosse Sorgen gemacht. «Wir befürchteten damals, dass wir unter Druck kommen. Doch die Zeit lehrte uns das Gegenteil», so Amstutz. Ein überzeugendes Secondhand-Angebot habe immer auch sehr viel mit einem «Einkaufserlebnis» zu tun. Daher stelle ein Online-Marktplatz nur bedingt eine Konkurrenz für Brockenhäuser dar.

Das Brockenhaus der Heilsarmee in Kriens konnte in den vergangenen Jahren stetig steigende Kundenzahlen verzeichnen, wie Amstutz sagt: «Der Zuwachs betrug in den letzten acht Jahren mehr als einen Viertel.» Man versuche gezielt, Botschaften zu vermitteln, die zu einem nachhaltigeren Konsum anregen. Laut Amstutz werde vor allem die jüngere Generation angesprochen: «Die sind ja jetzt erwacht.»

Das Brockenhaus der IG Arbeit feiert noch heute und morgen sein zehnjähriges Bestehen mit Popup-Brockis in der Stadt Luzern beim Helvetiaplatz, beim Vögeligärtli und beim Pavillon. Weitere Infos: www.igarbeit.ch

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