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Luzerner Spar-Doku feiert Premiere – die Filmkritik

Der Film über die Luzerner Finanzpolitik feierte am Dienstagabend Premiere. Von der Steuersenkung bis zu Sparprotesten ist alles zu sehen. Ein wichtiges Thema greift der Basler Regisseur allerdings etwas gar kurz auf.
Niels Jost
Hat eine zentrale Rolle im Film: Finanzdirektor Marcel Schwerzmann, hier als «Steuervogt» auf der Ruine Nünegg in Hohenrain. (Screenshot: «Luzern der Film»)

Hat eine zentrale Rolle im Film: Finanzdirektor Marcel Schwerzmann, hier als «Steuervogt» auf der Ruine Nünegg in Hohenrain. (Screenshot: «Luzern der Film»)

Sie waren schnell weg, die 218 Tickets für die Premiere von «Luzern der Film – Kopf oder Zahl» im Kino Bourbaki in Luzern. Kein Wunder: Der Dokumentarfilm behandelt mit den Finanzen des Kantons das umstrittenste politische Thema der letzten Jahre. Und das just vor den Kantonsrats- und Regierungsratswahlen vom 31. März.

Entsprechend intensiv waren die Gespräche der Zuschauer vor, nach und sogar während dem Film. Einige Aussagen führten zu spöttischen Lachern, anderen wiederum zu Kopfschütteln. Neben vielen Interessierten besuchten auch viele geladene Gäste, darunter Kantons- und Nationalräte sowie Finanzdirektor Marcel Schwerzmann, die Premiere vom Dienstag Abend.

Ziel: unabhängig, transparent und ausgewogen informieren

Der Film, der aus linken Kreisen initiiert, grösstenteils mit Crowdfunding-Mitteln finanziert und vom Basler Regisseur Reinhard Manz umgesetzt wurde, setzte sich zum Ziel, das hochkomplexe Thema zu durchleuchten – unabhängig, transparent und ausgewogen. So viel vorweg: Das schaffte er nur bedingt.

In einer Stunde und 22 Minuten wird dem Zuschauer durch zahlreiche Interviews mit Politikern, Wissenschaftlern und Analysten gezeigt, wie der Kanton Luzern 2012 die Gewinnsteuern für Unternehmen senkte, welche Firmen sich hier neu ansiedelten und vor allem, wo gespart wurde: beim Staatspersonal, der Bildung, bei der Kultur oder im Sozialbereich. Gezeigt werden ebenso diverse Protestaktionen gegen diese Sparmassnahmen, welche im Dokfilm eine willkommene visuelle Abwechslung zu den vielen Interviews darstellen.

Sechs linke Politiker dürfen über Finanzpolitik wettern

Ein wichtiges Thema wird allerdings nur in ein, zwei Sätzen erwähnt: Die Abstimmung über die Steuererhöhung vom 21. Mai 2017, die von der rein bürgerlichen Regierung unterstützt, jedoch vom Volk zu 54 Prozent abgelehnt wurde. Diese Niederlage nennt die Exekutive bis heute immer wieder als Grund für darauffolgende Sparmassnahmen und den budgetlosen Zustand im selben Jahr. Deshalb mussten unter anderem 7670 Haushalte ihre bereits ausbezahlte provisorische Prämienverbilligung zurückerstatten.

Ebenso etwas unter gehen Stimmen bürgerlicher Politiker – von jenen also, welche die Regierung bilden und die klare Mehrheit im Parlament ausmachen. So wird lediglich je eine Vertreterin der SVP und der CVP interviewt. Letztere nur so, dass sie nicht direkt für die Tiefsteuer-Strategie argumentieren kann. Die sechs Politiker der SP, Juso und Grünen hingegen können offensiv gegen die Finanzpolitik wettern. Zwar äussern sich etwa auch FDP-Kantonsrat Rolf Born und Parteikollege Fritz Hüsler. Sie werden jedoch vielmehr in ihren Funktionen als Emmer Gemeindepräsident und alt Gemeindeschreiber von Schenkon befragt.

Schwerzmann: «Luzerner wollen tiefe Steuern und sparsam sein»

Um die Ausgewogenheit doch noch zu wahren, dürfen drei der fünf bürgerlichen Regierungsräte ihre Finanzstrategie erklären. Allen voran der Parteilose Marcel Schwerzmann. Der «Steuervogt», wie er im Film betitelt wird, sagt darin etwa: «Wir probieren, möglichst wenig Steuern erheben zu müssen, mit diesen aber möglichst viele Leistungen zu erbringen. Über den Steuerfuss entscheidet das Volk. Dabei stelle ich fest: Die Luzerner wollen tiefe Steuern und sparsam sein.» Diese Strategie wird immer wieder von linker Seite als gescheitert bezeichnet. So etwa von SP-Kantonsrat Jörg Meyer: «Die Idee mit den tiefen Unternehmenssteuern ist nicht aufgegangen. Sie hatte vielmehr zur Folge, dass der Kanton Abbaupakete im Umfang von einer halben Milliarde Franken schnüren musste.»

Was der Film aber auch aufzeigt, ist, dass sich der Kanton Luzern im Spannungsfeld des nationalen und internationalen Finanzplatzes befindet. So erhält Luzern zum einen immer weniger Geld aus dem Nationalen Finanzausgleich. Zum anderen werden wegen der Steuervorlage 17 des Bundes bis 2020 alle Kantone ihre Firmensteuern senken – und Luzern damit seinen Platz als steuergünstigster Stand verlieren.

Produktion unter Zeitdruck – das ist im Film zu spüren

Zugute halten muss man den Filmemachern, dass sie es geschafft haben, das Projekt in nur knapp einem Jahr zu verwirklichen. Dieser Zeitdruck macht sich denn auch bei einzelnen, nicht ganz gelungenen Übergängen oder auch dem abrupten Schlusswort, dass Steuerwettbewerb schädlich sei, bemerkbar. Allerdings dürften die Zuschauer darüber hinweg schauen. Viel wichtiger ist, dass der Dokfilm sicherlich auch politisch wenig interessierte Leute über die Finanzpolitik zu informieren vermag. Ob er aber als Meinungsmacher wahrgenommen und der politisch Linken in die Karten spielen wird, zeigt sich am 31. März.

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