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Umsatzrückgang und Nettoverlust: Schmolz + Bickenbach schliesst Verkäufe nicht aus

Der Luzerner Spezialstahlhersteller hat unter einem Nachfragerückgang aus der Automobilindustrie und einem verlangsamtem Wirtschaftswachstum gelitten. Unter dem Strich wies S+B im zweiten Quartal 2019 einen Verlust aus.
Livio Brandenberg
Das Firmenlogo des Stahlkonzerns Schmolz + Bickenbach am Standort im Emmenbrücke. Der Hauptsitz der Gruppe befindet sich in Luzern. (Bild: Urs Flüeler/Keystone, 27. Oktober 2014)

Das Firmenlogo des Stahlkonzerns Schmolz + Bickenbach am Standort im Emmenbrücke. Der Hauptsitz der Gruppe befindet sich in Luzern. (Bild: Urs Flüeler/Keystone, 27. Oktober 2014)

Er arbeite jetzt 25 Jahre in der Stahlbranche und die zyklischen Schwankungen seien normal in dem Geschäft, sagte der CEO von Schmolz + Bickenbach (S + B), Clemens Iller, am Mittwoch. «Was neu ist, ist diese Unvorhersehbarkeit der Nachfrage.» Es sei kaum zu sagen, wie sich der Markt in den kommenden Monaten entwickeln werde, so Iller an einer Telefonkonferenz anlässlich der Veröffentlichung der Zahlen des ersten Halbjahres 2019. Der S + B-CEO zitierte den Handelsstreit zwischen China und den USA sowie weitere «politische Unsicherheiten» als Gründe. Das zweite Quartal sei noch anspruchsvoller gewesen als das erste.

Schmolz + Bickenbach steht zurzeit arg im Gegenwind. Die Gründe dafür ortet man in Luzern in der sich generell abkühlenden Weltwirtschaft und vor allem im Nachfragerückgang aus der Automobilindustrie. Dies zeigen auch die Zahlen deutlich: Der bereinigte Betriebsgewinn auf Stufe Ebitda – die Kennzahl, mit der S + B die operative Entwicklung misst – verringerte sich im zweiten Quartal zum Vorjahresquartal um über 52 Prozent auf 40,5 Millionen Euro; im zweiten Quartal 2018 lag das bereinigte Ebitda noch bei knapp 85 Millionen Euro. Unter dem Strich verblieb im Q2 dieses Jahres ein Verlust von 13,6 Millionen Euro nach einem Gewinn von 37,1 Millionen Euro im Vorjahr.

Die Absatzmenge sank heuer um 16 Prozent auf 486 Kilotonnen und der Umsatz um 11 Prozent auf 807,6 Millionen Euro, wie der Spezialstahlproduzent am Mittwoch mitteilte. Der proportional zum Absatz geringere Rückgang beim Umsatz sei auf höhere Verkaufspreise zurückzuführen.

«Alle Optionen liegen auf dem Tisch»

Bereits vor drei Wochen hatte S + B eine Gewinnwarnung für das Gesamtjahr aussprechen müssen und dabei auch auf den dürftigen Absatz im Automobilsektor verwiesen. Schmolz + Bickenbach produziert beispielsweise Spezialstahl für Ventile in Verbrennungsmotoren. Die Autoindustrie zieht derzeit viele Zulieferer nach unten. Gemäss verschiedenen Erhebungen, auf welche sich auch S + B stützt, ist die Produktion von Personenwagen – gerade in den wichtigsten Automärkten – deutlich geschrumpft im Vergleich zum Vorjahr: in Deutschland um fast 14 Prozent, in den USA um gut 10 Prozent und in China um über 19 Prozent.

Man habe darum Massnahmen eingeleitet, um die – auch generelle – Verlangsamung aufzufangen: So wurde etwa die Produktion gedrosselt, um dadurch die Lagerbestände der aktuell niedrigen Nachfrage speziell aus der Automobilindustrie anzupassen, weiter wird es Kostensenkungen in der Verwaltung geben (Iller erwähnte Löhne und die Drosselung von Energiekosten), eine Reduktion der Zahl der Leiharbeiter, Verschiebungen von Unterhaltsarbeiten. Wobei man natürlich nicht die eigenen Anlagen gefährde, wie CEO Iller am Mittwoch betonte, sondern die Wartung schlicht an die Produktionsvolumen anpasse.

Die Frage, ob angesichts des schwierigen Geschäftsgangs auch Verkäufe von Teilen des Konzerns in Betracht gezogen würden, beantwortete CFO Matthias Wellhausen wie folgt: «Alle Optionen liegen auf dem Tisch.» Das Management schaue sich alle Werte an, doch es sei «kein Ausverkauf nötig». Die Liquidität sei momentan gegeben, und man sehe eine gewisse Erholung bei den Aufträgen. So sei der Juli 2019 etwa schon wieder etwas besser gewesen als der Juni.

Entspannung lässt auf sich warten

Aus heutiger Sicht könne man erst gegen Ende des Jahres von einer schrittweisen Erholung der Nachfrage ausgehen, teilte S+B jedoch mit. Derzeit konzentriere sich das Unternehmen auf die industrielle Integration von Ascometal. Damit soll die Marktposition des Konzerns mittel- bis langfristig gestärkt werden. An der Effizienz, Profitabilität und Optimierung der Lagerbestände will S+B weiter arbeiteten.

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