Interview

Luzerner Spitaldirektor: «AG schafft bessere Bedingungen»

Benno Fuchs, CEO des Luzerner Kantonsspitals, kann der Gründung der Spital-AG nur Positives abgewinnen. 

Yasmin Kunz
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Das Luzerner Kantonsspital, das grösste Unternehmen in der Zentralschweiz, und die Luzerner Psychiatrie sollen eine AG werden. (Bild: Pius Amrein)

Das Luzerner Kantonsspital, das grösste Unternehmen in der Zentralschweiz, und die Luzerner Psychiatrie sollen eine AG werden. (Bild: Pius Amrein)

Das Luzerner Kantonsspital und die Luzerner Psychiatrie sollen von selbständigen öffentlich-rechtlichen Anstalten in zwei gemeinnützige Aktiengesellschaften mit Holding-Struktur umgewandelt werden. In der nächsten Session berät der Luzerner Kantonsrat über die Änderung des Spitalgesetzes. Mit dieser neuen Rechtsform ändert sich auch die vertragliche Basis für das Spitalpersonal über das Obligationenrecht. Die kantonsrätliche Kommission für Gesundheit, Arbeit und soziale Sicherheit (Gask) hat sich kürzlich für die AG-Gründung ausgesprochen.

Benno Fuchs, Direktor des Luzerner Kantonsspitals. (Bild: Pius Amrein)

Benno Fuchs, Direktor des Luzerner Kantonsspitals.
(Bild: Pius Amrein)

Wie die Rechtsformänderung beim grössten Zentralschweizer Unternehmen ankommt, erklärt Benno Fuchs. Er leitet seit der Verselbständigung und Fusion im Jahr 2008 das Luzerner Kantonsspital mit seinen Standorten in Luzern, Sursee, Wolhusen und Montana.

Was bedeutet die Gründung einer AG mit Holding-Struktur für das Spitalunternehmen?

Benno Fuchs: Die Aktiengesellschaft (Holdingstruktur) ist die ideale Unternehmensform für ein komplexes und grosses Unternehmen wie das Luzerner Kantonsspital. Zudem hat sich diese Form bei öffentlichen wie privaten Institutionen bestens bewährt.

Wo orten Sie Vorteile, wo Nachteile?

Die Unternehmensführung wird einfacher und die Transparenz gegen innen und aussen erhöht. Im Besonderen sind damit auch die für die künftige Gesundheitsversorgung äusserst wichtigen Verbundlösungen mit andern Spitälern einfacher. Ein wesentlicher Vorteil ergibt sich zudem daraus, dass es sich um eine gemeinnützige AG handelt. Heisst: Die Gewinnrückführung an den Kanton Luzern ist damit klar begrenzt. Und schliesslich sind wir auch flexibler beim Arbeitsrecht. Das Luks muss dabei aber mindestens die gleich guten Bedingungen anbieten wie sie der Kanton hat. Jedoch sind wir nicht mehr an die Strukturen und Vorgaben des kantonalen Personalrechts gebunden und können beispielsweise bessere Bedingungen schaffen, wenn dies aus Gründen des knappen Personalmarktes notwendig wird. Für die Politik ändert sich nichts. Die Mitsprache vom Volk, Parlament und der Regierung bleibt bestehen. Insgesamt sehe ich erhebliche Vorteile und keine Nachteile.

Im Zuge der AG-Gründung soll ein Gesamtarbeitsvertrag (GAV) geprüft werden. Was sagen Sie dazu?

Wir haben bereits früher kommuniziert, dass wir das Personal darüber abstimmen lassen werden, ob es einen GAV will oder nicht. Dies, auch wenn uns das Gesetz nicht dazu verpflichten sollte. Letztlich sollen nach wie vor die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entscheiden.

Was ist neu gegenüber der Botschaft?

Die Regierung äusserte sich in ihrer Botschaft nicht zu einem GAV. So waren die Spitäler also frei zu entscheiden, ob sie einen GAV wollen oder nicht und ob sie beim Personal eine Abstimmung dazu durchführen oder nicht. Der Luzerner Gesundheitsdirektor hat uns nun nach der Sitzung mit der Kommission für Gesundheit, Arbeit und Soziales beauftragt, mit den Sozialpartnern einen GAV auszuarbeiten, der die gegenwärtige Situation abbildet. Uns ist es wichtig, dass das Personal das letzte Wort dazu haben kann.

«Zeitnah» muss das Spital eine Arbeitsgruppe gründen, um einen GAV auszuarbeiten. Was heisst das konkret?

Wir haben keinen Terminplan erhalten. Wie lange die Verhandlungen dauern, kann nicht zum Voraus gesagt werden. In einer ersten Phase wird es nun darum gehen, mit den Sozialpartnern das Vorgehen zu klären. Dem Luzerner Kantonsspital ist der Einbezug der internen Personalkommission in diesem Prozess sehr wichtig.

Luzerner Psychiatrie ändert Meinung zur AG

Die Luzerner Psychiatrie, kurz Lups, mit Sitz in St. Urban beschäftigt rund 1200 Mitarbeiter. Gemäss Lups-Direktion sei man «grundsätzlich» gleicher Ansicht wie das Spital, heisst es auf Anfrage. Das ist insofern interessant, als dass die Personalkommission der Luzerner Psychiatrie vor rund 1,5 Jahren noch gegen die Gründung einer Spital-AG war (Ausgabe vom 23. Juni 2018).