Luzerner Stadtparlament forciert «radikalen Schritt» in Sachen Klima

Der Grosse Stadtrat hat beschlossen, den Erdgas-Ausstieg voranzutreiben. Zudem sollen viel mehr Solaranlagen in Luzern gebaut werden.

Beatrice Vogel
Hören
Drucken
Teilen
Das Luzerner Stadtparlament votierte am Donnerstag grossmehrheitlich für den Erdgas-Ausstieg und für mehr Solarstrom.

Das Luzerner Stadtparlament votierte am Donnerstag grossmehrheitlich für den Erdgas-Ausstieg und für mehr Solarstrom.

Bild: Eveline Beerkircher (Luzern, 30. Januar 2020)

Der Grosse Stadtrat hat an seiner Sitzung vom Donnerstag grossmehrheitlich beschlossen, dass Erdgas konsequent durch erneuerbare Energieträger ersetzt werden sollen. Zudem sollen grosse Dächer in der Stadt Luzern künftig pflichtmässig mit Fotovoltaik- oder Solarthermieanlagen versehen werden. Das Parlament hat dazu zwei Motionen von SP und Grünen überwiesen.

Einzig die SVP-Fraktion opponierte der Überweisung. Thomas Gfeller sprach von einem Vorpreschen: «Wenn es nach den Motionären geht, müssen schon in wenigen Jahren alle Gas-Heizungen ersetzt werden. Daran stören wir uns.» Bis vor Kurzem seien Gasbezüger noch aktiv unterstützt worden. Und Erdgas könne heute mengenmässig nicht durch Biogas ersetzt werden, so Gfeller. Zudem soll bis Ende Jahr die Dekarbonisierungsstrategie der EWL vorliegen. Diese solle das Parlament abwarten. 

Sorge um hohe Kosten

Alle anderen Fraktionen unterstützten das Anliegen geschlossen. «Es braucht Mut und der Weg wird nicht einfach sein», räumte Motionär Cyrill Studer Korevaar (SP) zwar ein. «Aber es gibt Bereiche, bei denen die Politik vorpreschen muss. Denn es gibt keine Alternativen.» Gleichzeitig gelte es wegen der hohen Kosten, die zu erwarten seien, den Erdgas-Ausstieg sozialverträglich zu gestalten. Auch Roger Sonderegger (CVP) fand, dass man diese Entscheidung nicht der unternehmerischen Freiheit überlassen könne, auch wenn seiner Fraktion die Kosten zu denken geben. Zur Befürchtung der SVP sagte Sonderegger: «Man muss keine Heizungen herausreissen.» Schliesslich gebe es eine Bestandesgarantie. Auch die Infrastruktur – sprich Gasleitungen – dürfe nicht zurückgebaut werden, denn «auch beim Gas sind noch Innovationen möglich». Sonst ergehe es der Stadt wie bei den Tramschienen, über die man heute wieder froh wäre.

Jules Gut (GLP) sagte ebenfalls, dass es Zeit sei, zu handeln. «Uns erwartet ein brutaler Strukturwandel, den wir proaktiv mitgestalten sollten.» Es brauche die lenkende und gestaltende Hand des Staates. «Warten ist keine Option.» Irgendwann gebe es keine Öl- und Gasheizungen mehr, so Gut. Für ihn stellte sich ausserdem die Frage, warum das Klima derart politisch aufgeladen sei.

«Das Klima geht uns alle an, es hat keine politische Farbe.»

Dass eine aktive Klimapolitik nötig sei, wenn man die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels verhindern wolle, fand auch Rieska Dommann (FDP). «Wir unterstützen Investitionen in Fernwärme und Wärmeverbunde.» Es müsse gelingen, genügend Alternativen zum Erdgas anzubieten. Vorläufig könne aber das Erdgas nicht vollständig zurückgefahren werden, da nach wie vor, auch bei Wärmeverbunden, der Spitzenbedarf damit gedeckt werde. «Oder wollt ihr im Winter Pullover an Schüler verteilen, weil die Schulhäuser ungenügend beheizt werden?», fragte Dommann. Darauf konterte Christian Hochstrasser (Grüne): «Glaubt ihr wirklich, dass wir frieren würden, wenn es in zwei Jahren kein Gas mehr gäbe? Ich glaube an die Innovationskraft der Schweiz – es wäre jetzt schon viel mehr möglich, als man meint.» Heute gebe es einfach zu wenig Anreize für den Gas-Ausstieg, die Alternativen aber gebe es bereits. «Was man bisher gemacht hat, reicht nicht. Wir dürfen mutig sein», so Hochstrasser. 

«Die Schweiz hat sich dazu verpflichtet»

Umweltdirektor Adrian Borgula (Grüne) sah sich bestätigt durch die Voten der Parlamentarier. «Der Ausstieg aus den fossilen Energien ist ein radikaler Schritt, zu dem sich aber die Schweiz verpflichtet hat», hielt er fest. Irgendwann müsse man aussteigen. Nun gelte es aber zunächst, eine Auslegeordnung zu machen, um die ökologischen und wirtschaftlichen Folgen abzuschätzen. Und zu den Gasleitungen sagte Borgula: «Die bestehende Infrastruktur muss nicht rückgebaut werden.» Schliesslich gebe es nachhaltige Gasformen, für welche die Gasleitungen genutzt werden können.

Mehr zum Thema

Die Stadt Luzern soll künftig ohne Erdgas auskommen

Die Geschäftsprüfungskommission des Grossen Stadtrats will einen entsprechenden Passus in der Beteiligungsstrategie von Energie Wasser Luzern festschreiben. Die Umsetzung dürfte jedoch lange dauern.
Stefan Dähler

Stadt Luzern soll weg vom Gas – aber wie?

Die Stadt Luzern will den CO2-Ausstoss deutlich senken. Doch die grosse Energiewende braucht wohl mehr Zeit als erhofft. Das räumt sogar der grüne Umweltdirektor ein.
Robert Knobel