Luzerner Stadtpräsident Züsli zur Corona-Krise: «Es braucht ein Zusammenstehen – mit dem nötigen Abstand»

An einer Medienkonferenz hat der Luzerner Stadtrat am Samstagnachmittag an die Eigenverantwortung der Bevölkerung appelliert. Zudem informierte er über das Kinder-Betreuungsangebot, das allerdings nur für Härtefälle gilt.

Chiara Zgraggen & Flurina Valsecchi
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Der Stadtrat Luzern informierte am Samstag über die weiteren Massnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus.

Der Stadtrat Luzern informierte am Samstag über die weiteren Massnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus.

Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 14. März 2020)

Der fünfköpfige Luzerner Stadtrat ist am Samstag gleich «in corpore» vor die Medien getreten. Der Grund: Die Exekutive informierte über die Massnahmen zur Eindämmung der Corona-Epidemie. Eines schickte Stadtpräsident Beat Züsli (SP) voraus: «Oberste Priorität hat der Schutz der Bevölkerung.»

Eindringlich appelliert Züsli an die Verantwortung der Eltern. Sie sollten ihre Kinder selber oder durch eine nachbarschaftliche Lösung betreuen. Dies gelte für Eltern von schulpflichtigen Kindern sowie von Kita-Kindern. Nur in Notsituationen bietet die Stadt Luzern für Schüler eine Betreuung an. Etwa dann, wenn die Eltern im Gesundheitsberufen tätig sind.

Stadt setzt für Härtefälle auf bestehende Betreuungsstrukturen

Der Notfallplan setzt bei den bereits bestehenden Betreuungsstrukturen an: In der Stadt Luzern werden am Montag alle 14 bestehenden Betreuungsangebote geöffnet sein. Kinder, die vor der Tür stehen, werden aufgenommen. Bei allen werde jedoch genau abgeklärt, ob ihre Eltern nicht eine Möglichkeit hätten, die Kinder selber oder nachbarschaftlich zu betreuen. Nur in Härtefällen will die Stadt Kinder länger aufnehmen.

In diesem Schuljahr nehmen rund 1600 Kinder (das entspricht einem Drittel aller Volksschüler in der Stadt Luzern) ein Betreuungsangebot in Anspruch. Wie viele Härtefälle nun aufgenommen werden müssen, ist noch offen.

Das Rektorat hat hierfür auf seiner Website Informationen und für dringende Fälle eine Telefonnummer aufgeschaltet. Interessant: Bislang haben nur wenige Eltern beim Rektorat angerufen und um eine Betreuungslösung gebeten, sagt Rektorin Vreni Völkle an der Medieninformation. Sie führt dies darauf zurück, dass alle Lehrpersonen in der Zwischenzeit ihre Lernenden, beziehungsweise deren Eltern direkt detailliert informiert haben.

Wie die Lehrpersonen ihre Schülerinnen und Schüler auf Distanz unterrichten wollen, dazu werden sich am Montag die Schulleitungen beraten. Völkle erklärt: «Auf Sekundarschulstufe sind wir auf eine solche Situation sehr gut vorbereitet.» Lehrpersonen und Lernende würden bereits heute mit Laptops und digitalen Lernprogrammen arbeiten und hätten deshalb schon viel Training. Auf Primarschulstufe ist geplant, dass die Klassenlehrpersonen regelmässig mit ihren Schülern in Kontakt treten und ihnen altersgemässe Aufgaben zur selbständigen Bearbeitung zustellen. «Gute Ideen sind bei unseren Lehrpersonen bereits vorhanden, jetzt setzen wir alles daran, dass wir koordiniert vorwärts gehen.» Von Ferien ist also keine Rede. Völkle betont: «Der Unterricht findet zwar nicht im Schulhaus statt, aber der Schulapparat steht deswegen nicht still.»

Franziska Bitzi: «Corona-Rezession» wird jeden betreffen

Viele Veranstaltung wie etwa Theatervorführungen, Konzerte, Vernissagen aber auch Fussball- und Eishockeyspiele werden derzeit kaum noch durchgeführt. Dies kann ein tiefes Loch in die Kassen der Verantwortlichen reissen. Wie der Stadtrat sagt, werden viele Kultur- und Sportinstitutionen mit markanten finanziellen Risiken leben müssen. Der Stadtrat prüft gemäss Finanzdirektorin Franziska Bitzi Staub (CVP) nun, ob Subventionszahlungen auch dann gemacht werden können, wenn Veranstaltungen nicht stattgefunden haben.

Doch auch die Gastronomiebetriebe oder die Uhrenbranche kämpfen mit Umsatzeinbussen. Bitzi prognostiziert, die Wirtschaftsleistung werde definitiv sinken. Die Corona-Rezession werde deutliche Auswirkungen auf die Bevölkerung haben. Sie verweist aber auch auf die Zeit nach Corona. «Die Krise soll so überbrückt werden, dass möglichst wenige Firmen zu Grunde gehen.» Der Regierungsrat wird nächste Woche über weitere Schritte beraten.

«Spazieren ist auch mit einem Risiko verbunden»

Stadtrat Adrian Borgula (Grüne) repetiert die Weisungen des Bundesrates: den öffentlichen Verkehr wenn möglich meiden, Stosszeiten umgehen, Freizeitverkehr aufs Notwendige beschränken. Er bemerkt dabei, dass sich das Mobilitätsverhalten bereits jetzt verändert habe und weniger Menschen mit Zug und Bus unterwegs seien.

Zur Mobilität gehört aber auch der Fussverkehr - und die damit einhergehenden Risiken, so Borgula. Für die Gesundheit sei Bewegung an der frischen Luft gut. Man solle sich dabei aber auch vor Augen halten, dass dies stets mit einem Restrisiko verbunden sei.

Man wisse nicht, ob die Massnahmen ausreichen würden, so Stadtpräsident Züsli. Es brauche Solidarität von allen, so auch der Wirtschaft. Und er betont:

«Es braucht ein Zusammenstehen - mit nötigem Abstand.»

Vor allem die älteren Personen treffe die Lage besonders hart. Der zuständige Stadtrat Martin Merki betont, dass die städtischen Anlaufstelle Alter für Fragen zur Verfügung stehe. Dies ist entweder unter der Mailadresse anlaufstelle.alter@stadtluzern.ch oder telefonisch unter
041 208 77 77 möglich.

Die Stadtbibliothek ist geschlossen, der Wochenmarkt in Betrieb

Wie die Schulen, so bleiben derzeit auch die Stadtbibliothek, Sportanlagen, das Hallenbad Allmend wie auch das regionale Eiszentrum bis auf weiteres geschlossen. Wie der Stadtrat sagt wird laufend geprüft, ob einzelne Institutionen wieder ihren Betrieb aufnehmen können. Es wird empfohlen, sich vor dem Besuch solcher Orte über die Öffnungszeiten zu informieren.

Da der Luzerner Wochenmarkt nicht unter die Kategorie der Veranstaltungen fällt, darf er weiterhin stattfinden. Man habe sich deshalb dazu entschieden, den Markt am Samstag durchzuführen. Lebensmittelmärkte seien notwendig und gar weniger gefährlich als das Einkaufen in einem Laden. Auch hier werde die Lage stets neu beurteilt.

Medienkonferenz vor speziellem Kunstwerk

Die Medieninformation hat an einem speziellen Ort stattgefunden: Die Stadträte referierten nämlich vor einem Kunstwerk von Cathérine Huth. Das Werk trägt den Titel Infekten (2006) und zeigt eine Frau, die eine Schutzmaske trägt. Alles nur Zufall, heisst es beim Stadtrat. Und Martin Merki (FDP) fügt mit einem Schmunzeln an: «Kunst ist häufig vorausschauend.»

Die Kunst sei häufig vorausschauend, sagt Stadtrat Martin Merki zu diesem Kunstwerk von Cathérine Huth aus dem Jahr 2006.

Die Kunst sei häufig vorausschauend, sagt Stadtrat Martin Merki zu diesem Kunstwerk von Cathérine Huth aus dem Jahr 2006.

Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 14. März 2020)