Interview

Luzerner Stadtrat Adrian Borgula (Grüne): «Es ist mein Ziel, Projekte schneller umzusetzen»

Der grüne Umwelt- und Mobilitätsdirektor der Stadt Luzern will am 29. März für eine dritte Amtszeit gewählt werden. 

Beatrice Vogel
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Stadtrat Adrian Borgula (Grüne) bei der Brut-Insel am Alpenquai in Luzern – für ihn ein Beispiel für ein gelungenes Nebeneinander von Mensch und Natur im städtischen Raum.

Stadtrat Adrian Borgula (Grüne) bei der Brut-Insel am Alpenquai in Luzern – für ihn ein Beispiel für ein gelungenes Nebeneinander von Mensch und Natur im städtischen Raum.

Eveline Beerkircher, 5. März 2020

Sie haben die ablehnende Haltung der Stadt gegenüber der Spange Nord erfolgreich vertreten. Der Kanton ist von der Spange abgekommen, jetzt ist die Reussportbrücke aktuell. Was halten Sie von diesem abgespeckten Projekt?

Adrian Borgula: Der Stadtrat hat seine Position zur Reussportbrücke noch nicht definitiv festgelegt. Klar ist aber, dass sie einen massiven Eingriff in Landschaft und Stadtbild sowie eine Belastung für das Quartier bedeutet. Der Wegfall der durchgehenden Busspuren vom Eichhof bis Luzernerhof ist zudem nicht akzeptabel.

Wie weit ist der Stadtrat bereit zu gehen, um die Interessen der Stadt wahrzunehmen?

Ich persönlich würde weit gehen, um die Interessen der Stadt zu vertreten. Ich glaube aber, der Kanton wird die Stadt nicht übergehen, wenn Bevölkerung, Parlament und Stadtrat klar Position beziehen.

Sie werden oft als radikal grün wahrgenommen. Inwiefern sind Sie bereit, Kompromisse einzugehen?

Ich habe eine klare Position, was die Aussenwahrnehmung prägt. Ich bin beharrlich – aber auch überzeugter Demokrat: Im politischen Prozess entstehen selten radikale Lösungen. Insofern bin ich kompromissbereit. Zudem wird mir oft auch von politischen Gegnern attestiert, dass ich sachpolitisch argumentiere. 

Eines der grossen Probleme in Luzern ist die Carparkierung, die Diskussion ist seit Jahren verfahren. Wie wollen Sie eine Lösung finden?

Bis anhin wurde vor allem über einzelne Projekte diskutiert, die so nicht mehrheitsfähig waren. Stattdessen müssen wir auf eine andere Basis kommen und gemeinsame Ziele definieren, an denen wir anschliessend die einzelnen Massnahmen messen wollen. Dieser Prozess, in den die verschiedensten Interessengruppen involviert sind, läuft derzeit. Parallel dazu setzen wir Massnahmen um, die kurzfristig eine Verbesserung bringen, etwa die Parkier-App für Cars. Und wir suchen nach Alternativen für das Inseli.

Trotz Freigleis ist die Stadt Luzern für Velofahrer nicht signifikant sicherer geworden. Was ist konkret geplant, um die Situation zu verbessern?

Wir haben einiges getan, wie etwa die Verbindung von der Geissmattbrücke zur Pfistergasse, das Pilotprojekt der Velostrasse auf der Taubenhaus- und Bruchstrasse oder die Veloführung durch das Neustadtquartier. Verbesserungen auf den schwierigsten Abschnitten wie Halden-, Zürich- oder Bernstrasse haben wir mit Machbarkeitsstudien untersucht. Zu bedenken ist, dass dies meist Kantonsstrassen betrifft. Auch deshalb wollen wir die überkommunale Zusammenarbeit künftig verstärken. 

Sofern Sie wiedergewählt werden: Welche Baustellen möchten Sie als nächstes anpacken?

Das vordringlichste Thema ist der Klimaschutz. Wir werden mit einem Massnahmenpaket aufzeigen, was das Klimaziel Netto-Null bis 2030 bedeutet. Das ist eine riesige Aufgabe, denn die Massnahmen müssen konsequent, aber auch sozialverträglich und finanzierbar sein. Eine weitere Baustelle ist die Aufwertung des städtischen Lebensraums in Kombination mit Naturschutz und Biodiversität. Dies betrifft die Umgestaltung der Bahnhofstrasse genauso wie die Schaffung von Grünflächen und Freiräumen und das Pflanzen zusätzlicher Bäume. Grundsätzlich ist es mein Ziel, Projekte schneller umzusetzen. Um blockierende Einsprachen möglichst zu verhindern, müssen wir weiterhin die Interessengruppen möglichst ins Boot holen und Partizipation durchführen – auch wenn das ebenfalls Zeit braucht.

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