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Luzerner Stadtrat appelliert an alle über 65: Gehen Sie nicht mehr einkaufen!

Wer über 65 ist, soll zu Hause bleiben. An Unterstützung für die Senioren mangelt es nicht – doch viele zögern, diese zu beanspruchen. Deshalb greift die Luzerner Stadtregierung zu ungewöhnlichen Mitteln.

Robert Knobel
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Stadtrat Martin Merki (links) und Stadtpräsident Beat Züsli richten sich mit einer eindeutigen Botschaft an ihre älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger.

Stadtrat Martin Merki (links) und Stadtpräsident Beat Züsli richten sich mit einer eindeutigen Botschaft an ihre älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger.

Bilder: Nadia Schärli (Luzern, 23. März 2020)

Maximal fünf Personen dürfen sich gemeinsam irgendwo aufhalten – und auch dies nur mit genug Abstand: Was in einem Dorf gut umsetzbar ist, stellt die grossen Städte vor riesige Herausforderungen. Die Stadt Zürich hat ganze Parks und Grünanlagen abgeriegelt, um Ansammlungen von Menschen zu verhindern. So weit will man in der Stadt Luzern nicht gehen, wie Stadtpräsident Beat Züsli (SP) betont. Denn: «Es ist wichtig, dass die Stadtbevölkerung weiterhin die Möglichkeit hat, sich im öffentlichen Raum zu bewegen.»

Doch Züsli macht unmissverständlich klar, was es braucht, um wenigstens diesen Rest an Freiheit auch weiterhin geniessen zu dürfen:

«Wir können die öffentlichen Plätze nur offen lassen, wenn sich die Leute an die Vorgaben der Behörden halten und sich wirklich bewusst sind, dass sie die Abstandsregeln befolgen müssen.»  

Der Appell von Stadtpräsident Beat Züsli im Video: 

Im Grossen und Ganzen ist Züsli bisher zufrieden mit den Stadtluzernern. «Gerade den Eltern muss ich ein Kränzchen winden. Sie haben nach der Schulschliessung extrem schnell und flexibel reagiert.» So gebe es nur sehr wenige Kinder, die trotzdem in der Schule betreut werden müssen.

Auch habe sich innerhalb der vergangenen Woche sehr viel zum Guten geändert, so Züsli. «Am Anfang hatten wir noch Probleme mit grösseren Gruppen, vor allem auf Schulhausplätzen. Gegen Ende der Woche hat sich dies bereits deutlich entschärft.» Bei der Kontrolle setzt die Stadt auf die städtische Einsatztruppe SIP. Diese wurde jüngst durch Zivildienstleistende verstärkt.

Spazieren ist kein Problem – Einkaufen schon

Wer in den letzten Tagen in Luzern unterwegs war, stellte zwar fest, dass die Strassen und Plätze weitgehend menschenleer waren. Insbesondere in den Lebensmittelläden sind aber immer noch auffallend viele Senioren unterwegs. Dabei müssten gerade sie jetzt zu Hause bleiben und Orte mit viel Publikumsverkehr meiden. Mangelt es ihnen an Verantwortungsgefühl? Oder ist es pure Not – weil niemand anders für sie die Einkäufe erledigen kann?

«Meine Botschaft ist einfach und klar: Bleibt zu Hause und lasst euch bei den Einkäufen helfen.»

Das sagt der Stadtluzerner Sozialdirektor Martin Merki (FDP), der auch für die Alterspolitik zuständig ist. Doch was bedeutet «alt» in diesem Fall? Gemäss Bundesrat gehören alle Personen über 65 zur Risikogruppe. «Die Gefahr, dass eine Ansteckung Komplikationen verursacht, ist bei ihnen viel grösser», sagt Martin Merki. Das gelte auch für Senioren, die grundsätzlich fit und gesund sind. Sie müssten sich zwar nicht zuhause einschliessen, so Merki:

«Ein Spaziergang und ein Schwatz in genügendem Abstand sind weiterhin möglich.»

Das Problem seien aber die Läden, weil man sich dort trotz aller Vorsichtsmassnahmen oft Seite an Seite mit anderen Personen wieder findet. In der Stadt Luzern wurden in den letzten Jahren zahlreiche Angebote im Bereich der Nachbarschaftshilfe aufgebaut. Diese bieten auch Hilfe beim Einkaufen an. Doch Hand aufs Herz: Welcher gesunde und fitte Pensionierte hat schon jemals einen Gedanken daran verschwendet, die Einkäufe durch jemand anderen erledigen zu lassen?

Leerer Kühlschrank? In Kriens und Luzern genügt ein Anruf

Falscher Stolz sei in der jetzigen Situation allerdings fehl am Platz, sagt Martin Merki. Sein Appell lautet:

«Sie dürfen Hilfe in Anspruch nehmen – und Sie sollen sogar!»

In der Stadt Luzern und auch in der Stadt Kriens läuft diese Hilfe über eine zentrale Anlaufstelle, welche sämtliche Angebote – von der Nachbarschaftshilfe «Vicino» bis zu Freiwilligen aus Jugend- und Sportvereinen, Kirchen und Quartiervereinen bündeln (siehe unten). Wer also einen leeren Kühlschrank hat, braucht bloss bei der Hotline anzurufen. Die Koordinationsstelle organisiert dann einen Freiwilligen, der die Einkäufe erledigt. In der Stadt Luzern nehmen zurzeit etwa 150 Personen diese Hilfe in Anspruch. Martin Merki sagt allerdings:

«Die Zahl der Freiwilligen ist noch immer grösser als die Nachfrage.»

Merki ruft zudem die Initianten von privaten Hilfsangeboten dazu auf, sich bei der Stadt zu melden, um die Hilfe möglichst gut zu koordinieren. Fazit: Die Bereitschaft der Jüngeren zum Helfen ist vorhanden. Nun müssen die Älteren diese Hilfe auch in Anspruch nehmen. Denn, so Martin Merki: «Jeder, der gesund bleibt, belastet das Gesundheitssystem nicht zusätzlich.» Und das kann – wie die Erfahrungen in Nachbarländern zeigen – auch das Leben anderer retten.

Mehr aktuelle Infos für Senioren der Stadt Luzern finden Sie hier.

Mehr aktuelle Infos für Senioren der Stadt Luzern finden Sie hier.

Hier gehts zum Online-Formular in Kriens: www.kriens.ch/krienshilft

Hier gehts zum Online-Formular in Kriens: www.kriens.ch/krienshilft

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