Luzerner Stadtratswahl: Die beiden jungen Linken treten im 2. Wahlgang nochmals an

Skandar Khan (Juso) und Jona Studhalter (Junge Grüne) stellen sich erneut zur Verfügung, um eine linke Stadtregierung zu ermöglichen. Für die GLP riecht das Ganze nach Wahltaktik.

Roman Hodel
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Der zweite Wahlgang um die zwei noch freien Sitze im Luzerner Stadtrat am 28. Juni wird spannend. Statt des bisher erwarteten Dreikampfs der Frauen - Finanzdirektorin Franziska Bitzi-Staub (CVP) und Baudirektorin Manuela Jost (GLP) sowie Herausforderin Judith Dörflinger (SP) - kommt es nun sogar zum Fünfkampf. Auch die beiden jüngsten Kandidaten aus dem ersten Wahlgang wollen es nochmals wissen. 

7308 Stimmen hatte Juso-Kandidat Skandar Khan im ersten Wahlgang Ende März erzielt. Gegenüber unserer Zeitung sprach er damals von einem «Achtungserfolg» als «positives Zeichen für die Zukunft». Zum Vergleich: Das absolute Mehr lag bei 9873 Stimmen. Trotzdem gab Khan an, auf den zweiten Wahlgang zu verzichten. 

Am späten Montagabend verkündete die Juso in einer Medienmitteilung nun aber, mit der Kandidatur von Khan eine linke Mehrheit im Stadtrat anzustreben, «um endlich wirksame Massnahmen zur Lösung der sozialen Frage voranzutreiben.» Die bürgerliche Politik von Franziska Bitzi-Staub und Manuela Jost habe den Fokus «zu fest zugunsten der Wirtschaft und des Tourismus ausgelegt, dies zum Nachteil der Anliegen aus der Bevölkerung.»

Den Sinneswandel des 21-Jährigen erklärt Juso-Präsident Elias Balmer folgendermassen: «Wir haben das Wahlergebnis erst analysieren müssen und dabei festgestellt, dass ein Bedürfnis nach einer linken Regierung offensichtlich da ist.» Dass Khan der SP-Kandidatin Judith Dörflinger wichtige Stimmen wegnehmen könnte, ist für Balmer ein «eher geringes Szenario» - im Gegenteil:

«Wir sehen unsere Kandidatur als Support für eine linke Regierung.»
Die Stadtratskandidat Jona Studhalter (links) und Skandar Khan am Podium der «Luzerner Zeitung».

Die Stadtratskandidat Jona Studhalter (links) und Skandar Khan am Podium der «Luzerner Zeitung».

(Bild: Philipp Schmidli, Luzern 3. März 2020)

Aus dem gleichen Grund treten auch die Jungen Grünen nochmals an. Dies sagt Kandidat Jona Studhalter. Der 24-Jährige holte im ersten Wahlgang mit 7545 Stimmen sogar noch etwas mehr als Khan. Für sein erneutes Antreten gebe es aber noch mehr Gründe: «Die vielen Wählerstimmen zeigten, dass die Bevölkerung einen jungen Stadtrat möchte.» Eine Forderung, die noch nicht erfüllt sei. Zudem wollen die Jungen Grünen die Grünliberale Manuela Jost nicht unterstützen, weil mit ihr gemäss Studhalter «keine grossen Schritte in der Klimapolitik möglich sind». Die Mutterpartei wird am 27. April über ihre Wahlempfehlung befinden, wie Grünen-Präsident Martin Abele sagt.

Klar ist: Mit den beiden Kandidaturen zielt die Linke darauf ab, dass die Wähler für die beiden noch freien Sitze den Namen von Dörflinger und von Khan oder Studhalter auf den Zettel schreiben sollen. Laut SP-Präsident Claudio Soldati hat ihre Kandidatin Judith Dörflinger «intakte Wahlchancen», wenn zwei weitere linke Kandidaten um einen Sitz in der Exekutive buhlen. Für Dörflinger stimmten Ende März 8817 Stadtluzerner – sie ist damit Jost (9007 Stimmen) dicht auf den Fersen. Über die konkrete Wahlempfehlung werde die Parteileitung bis am Freitag entscheiden. Dörflinger selber sagt:

«Ich freue mich über die erneute Kandidatur von Khan und Studhalter.»

Ob diese für sie ein Vor- oder Nachteil seien? «Das ist schwierig zu sagen – der Wahlkampf wird dadurch weniger polarisierend werden und das ist gut so.»

Für GLP-Präsident Marcel Dürr riechen die beiden jungen Kandidaturen nach Wahltaktik:

«Wenn die Juso und die Jungen Grünen wirklich jemand Junges in den Stadtrat hieven möchten, dann hätten sie sich auf eine Person geeinigt.»

Für die GLP, die im zweiten Wahlgang erneut mit der CVP zusammenspannt, ändert sich laut Dürr nichts: «Wir stehen für eine starke Mitte ein. Manuela Jost ist breit wählbar, das hat der erste Wahlgang gezeigt – sie erreichte ein so gutes Resultat wie noch nie.»

Die CVP hat die Kandidaturen von Khan und Studhalter für den zweiten Wahlgang «zur Kenntnis» genommen, wie Präsidentin Karin Stadelmann sagt: «Wir sind überzeugt, dass die Bevölkerung Kontinuität bei den Finanzen wünscht, gerade in Zeiten von und nach Corona – und dafür sorgt Franziska Bitzi, die das absolute Mehr im ersten Wahlgang nur knapp verpasst hat.» Bitzi erzielte 9544 Stimmen.

Stadtrat Luzern: die Resultate vom erste Wahlgang (29. März 2020)

*
bisher im Amt.
gewählt
Beat Züsli
Beat Züsli *
SP
11 975
Adrian Borgula
Adrian Borgula *
Grüne
11 249
Martin Merki
Martin Merki *
FDP
10 590
Franziska Bitzi Staub
Franziska Bitzi Staub *
CVP
9 544
Manuela Jost
Manuela Jost *
GLP
9 007
Verfügbare Sitze: 5
Judith Dörflinger
Judith Dörflinger
SP
8 817
Jona Studhalter
Jona Studhalter
Junge Grüne
7 545
Skandar Khan
Skandar Khan
Juso
7 308
Silvio Bonzanigo
Silvio Bonzanigo
SVP
5 346
Rudolf Schweizer
Rudolf Schweizer
parteilose Schweizer
541
Absolutes Mehr
9 873 Stimmen
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