Luzerner Stadtrat muss Unterstützung des Hirschparks prüfen

Das Stadtparlament hat am Donnerstag einen entsprechenden Bevölkerungsantrag angenommen. Wie genau die Unterstützung aussehen soll, ist aber noch völlig offen.

Beatrice Vogel
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Im Luzerner Hirschpark hat es im Jahr 2016 Nachwuchs gegeben.

Im Luzerner Hirschpark hat es im Jahr 2016 Nachwuchs gegeben.

Bild: Boris Bürgisser

Die Stadt Luzern soll den Hirschpark finanziell unterstützen und sein Bestehen langfristig sichern: Das ist das Anliegen eines Bevölkerungsantrags, der von rund 600 Personen unterschrieben wurde. Dieses stiess auch im Stadtparlament – wie schon im Kinderparlament – mehrheitlich auf Sympathie. Der Antrag wurde am Donnerstag mit 25 zu 19 Stimmen angenommen. Der Stadtrat muss nun Gespräche mit dem Verein Hirschpark aufnehmen. Denn wie die Unterstützung aussehen soll, ist weitgehend unklar. Der Verein hat absichtlich keine konkreten Forderungen gestellt, damit es zu partnerschaftlichen Verhandlungen kommen kann.

Dass das Abstimmungsresultat im Grossen Stadtrat relativ knapp ausfiel, hat damit zu tun, dass die Meinungen teils gar in den Fraktionen stark auseinander gingen. Klar gegen den Antrag sprach sich die FDP aus: «Die finanzielle Unterstützung eines Tierparks ist kein öffentlicher Auftrag und wurde in der Vergangenheit schon abgelehnt», so Marc Lustenberger. Dagegen, dass der Hirschpark weitergeführt werde, spreche aber nichts. Anders sehen dies die Grünen, die den Antrag zwar auch ablehnten, aber eben aus anderen Gründen. Zwar entspreche ein solcher Park an sich der grünen Haltung, sagte Christov Rolla, doch der springende Punkt sei die tiergerechte Haltung:

«Es ist ein unauflösbarer Widerspruch, wenn man Wildtier im Gehege hält. Das können wir nicht unterstützen.»

Auch ein Teil der SP-Fraktion hält den Hirschpark für nicht zeitgemäss. Der andere Teil unterstützte das Anliegen. «Es ist zu einem gewissen Teil ein symbolischer Akt. Wir sollten ausloten, was der Verein braucht», sagte Adrian Albisser. Er sieht zudem eine Chance in der Absicht des Vereins Hirschpark, das Bildungsangebot auszubauen. Stadtpräsident Beat Züsli (SP) sagte zu diesem Punkt jedoch, bei den Schulen bestehe kein Bedürfnis, Hirsche in dieser Umgebung zu beobachten. Der Stadtrat sieht es nämlich ähnlich wie die Grünen: «Es ist kein zukunftsgerichtetes Konzept, Tiere so in einem städtischen Umfeld zu halten.»

Für die GLP, die innerhalb der Fraktion Stimmfreigabe beschlossen hat, ist der Hirschpark vor allem aus traditioneller Sicht wertvoll. Schliesslich erinnern noch viele Strassennamen in der Innenstadt daran, dass früher Hirsche mitten in Luzern lebten. «Meine bald 96-jährige Mutter kann sich noch gut an die Tiere in der Stadt erinnern», sagte Judith Wyrsch. Sie fand, es sei sinnvoll, nun eine Partnerschaft zwischen Stadt und Verein anzugehen. Dieser Meinung war auch Michael Zeier-Rast (CVP): «Es geht hier nicht um Geld, sondern um Wertschätzung und Zusammenarbeit.» Insofern sei es eine öffentliche Aufgabe, nicht einfach die Finanzierung zu übernehmen, sondern das Schaffen des Vereins zu unterstützen.

Konkreter Prüfungsauftrag

Den konkretesten Auftrag formulierte Marcel Lingg (SVP): «Der Verein muss im Gespräch mit dem Stadtrat konkret werden und die Kosten aufzeigen. Wir müssen erfahren, was genau von der Stadt verlangt wird.» Erst dann, wenn die Fakten vorliegen, könne das Parlament eine Diskussion über eine Unterstützung führen.

2006 hat das Luzerner Stadtparlament beschlossen, dass die Stadt den über 400-jährigen Hirschpark nicht mehr mit einem jährlichen Betrag von 20'000 Franken unterstützt. Daraufhin wurde der Verein Freunde des Hirschparks Luzern gegründet. Seit 2008 ist der Verein für den Unterhalt der Hirschparks zuständig.

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