Luzerner Stadtrat plant «Ersatzabgabe» für gefällte Bäume

Wenn grosse Bäume gefällt werden, müssen Bauherren normalerweise für eine Ersatzpflanzung sorgen. Wo das nicht möglich ist, sollen sie künftig eine Gebühr zahlen, findet der Luzerner Stadtrat.

Robert Knobel
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Wird am Mittwoch gefällt: Die über 40-jährige Eiche muss dem Neubau des Wesemlin-Quartierzentrums Platz machen.

Wird am Mittwoch gefällt: Die über 40-jährige Eiche muss dem Neubau des Wesemlin-Quartierzentrums Platz machen.

Lz / Boris Bürgisser

Der 4. März ist für viele Bewohner des Wesemlin-Quartiers ein trauriger Tag: Im Zuge der Bauarbeiten für das neue Quartierzentrum wird eine stattliche, über 40-jährige Eiche gefällt. Der Protest von Anwohnern inklusive Petition an die Stadt hat nichts genützt: Die Eiche muss weg. Dass alte Bäume einem Bauvorhaben im Weg stehen, ist kein neues Phänomen – und wird wohl auch künftig immer wieder mal für Konflikte sorgen. SP und Grüne fordern, dass solche Interessenkonflikte in Zukunft grundsätzlich immer zugunsten der Bäume entschieden werden. «Baum vor Bau» soll die Devise lauten. Bäume mit einem Stammumfang von mehr als 80 Zentimetern sollen künftig nur noch in «absoluten Ausnahmesituationen» gefällt werden dürfen. Das fordern die beiden Parteien in einer Motion im Stadtparlament.

Stadtrat: Forderung von SP und Grünen ist zu radikal

Nun liegt die Antwort des Stadtrats vor. Die absolut gehaltene Forderung «Baum vor Bau» lehnt die Stadtregierung ab. «Es soll auch in Zukunft möglich sein, im Einzelfall abzuwägen, ob eine Fällung aufgrund anderer öffentlicher Interessen bewilligt wird oder nicht», sagt Baudirektorin Manuela Jost (GLP). Die heutige Regelung, die nur für das alte Stadtgebiet gilt, schreibt vor, dass das Beseitigen von Bäumen mit einem Stammumfang von über 80 Zentimetern bewilligungspflichtig ist:

In den meisten Fällen werden solche Gesuche auch bewilligt, um das Bauvorhaben nicht zu gefährden. In der Regel werden die Bauherren jeweils verpflichtet, die gefällten Bäume anderswo auf ihrem Grundstück zu ersetzen. Diese Praxis wolle man künftig noch verstärken, schreibt der Stadtrat. Ziel sei, den Baumbestand in der Stadt Luzern möglichst konstant zu halten. Dazu will der Stadtrat eine Ersatzabgabe einführen, die Bauleute bezahlen müssen, wenn eine Neupflanzung nicht möglich ist.

Auf diese Weise sollen die Planer dazu angehalten werden, sich möglichst früh darüber Gedanken zu machen, wie der bestehende Baumbestand erhalten werden kann oder wo Ersatzpflanzungen möglich sind.

Auch in Littau sollen Bäume besser geschützt werden

Das Bau- und Zonenreglement (BZR) von Littau kennt bisher keine Bestimmungen zum Schutz von Bäumen. Das soll sich im Rahmen der Zusammenlegung der beiden BZR von Luzern und Littau aber ändern, wie der Stadtrat schreibt. 

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