Luzerner Stadtrat steht zum FCL – und zu Alpstaeg

Die Turbulenzen rund um den FC Luzern beschäftigen auch die Luzerner Stadtparlamentarier. Doch für den Stadtrat ist alles nur halb so schlimm.

Robert Knobel
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Im Oktober berichtete unsere Zeitung von massiven Konflikten im Verwaltungsrat des Fussballclubs Luzern (FCL). Sie gipfelten in einem Massenrücktritt von vier Mitgliedern. Inmitten dieser Turbulenzen kam es auch noch zu einem brisanten Aktienverkauf, der Bernhard Alpstaeg praktisch zum Alleinbesitzer der Swisspor-Arena machte. Bemerkenswert ist dies auch deshalb, weil der 60-Prozent-Anteil der Stadion-Aktien zuerst der Stadt Luzern als Grundstücksbesitzerin zum Kauf angeboten worden waren – doch diese lehnte ab.

«Kein Anlass, die Aktien zu erwerben»

Wäre dies nicht der Moment, in dem die Stadt Luzern genauer hinschauen müsste, was auf der Allmend passiert? War es taktisch klug, den Aktienkauf abzulehnen und damit auf eine direkte Einflussnahme zu verzichten? Diese Fragen beschäftigten auch das Luzerner Stadtparlament. Nun liegt die Antwort des Stadtrats auf Interpellationen von SP, Grünen und CVP vor. Sie zeigt, dass der Stadtrat grundsätzlich kein Problem sieht. Wie Stadtpräsident Beat Züsli bereits früher gegenüber unserer Zeitung erklärte, sah der Stadtrat «keinen Anlass, die Aktien zu erwerben», wie es in der Antwort heisst. Dies, weil ein Aktienkauf der städtischen Beteiligungsstrategie widersprochen hätte.

Der zweite Grund für den Verzicht sei gewesen, dass der Stadtrat vollstes Vertrauen in die Person von Bernhard Alpstaeg habe. Dem FCL-Mehrheitsaktionär gehören neu faktisch 80 Prozent der Stadion Luzern AG, was ihn zur dominanten Figur macht.

Hauptsache, Alpstaeg  ist «einer vom FCL»

Doch bei Alpstaeg handle es sich auch um «eine in der Region wohnhafte und bestens bekannte Persönlichkeit», schreibt der Stadtrat. Zudem könne man ihn «zweifellos» als «FCL-nahe» bezeichnen. Deshalb sei Alpstaeg sozusagen prädestiniert dazu, Stadionbesitzer zu werden. Doch diese Sichtweise des heutigen Stadtrats steht im Widerspruch mit den Absichten der Stadtregierung von 2008, die damals den Baurechtsvertrag für die Allmend ausgehandelt hatte. Der damalige Baudirektor Kurt Bieder sagte 2008 explizit, dass der FCL oder «FCL-nahe Kreise» nicht die Mehrheit an der Stadion Luzern AG halten dürfen. Damit wollte man verhindern, dass ein FCL-Konkurs auch die Stadion AG in den Abgrund reissen würde.

Für den Fall, dass die Mehrheit der Stadion-Aktien dennoch in FCL-Hände zu geraten drohen, hatte sich die Stadt ein Vorkaufsrecht ausgehandelt. Genau dieses Vorkaufsrecht kam im jüngsten Fall vorschriftsgemäss zur Anwendung. Doch weil die Stadt den Aktienkauf ablehnte, wurde nun eben FCL-Mann Alpstaeg zum Mehrheitsaktionär.   Für den heutigen Stadtrat ist dies wie erwähnt kein Problem – im Gegenteil. Schliesslich sei das Stadion ganz auf den einen Zweck ausgerichtet, dem FC Luzern seine Heimstätte zu sichern. «Eine vom FC Luzern unabhängige Nutzung ist nicht vorgesehen», stellt der Luzerner Stadtrat klar.

Das würde bei einem FCL-Konkurs passieren

Selbst die Möglichkeit eines FCL-Konkurses bereitet dem Stadtrat keine Bauchschmerzen. Zwar würde ein solches Szenario rasch eine Kettenreaktion auslösen: Der FCL könnte die Stadion-Miete nicht mehr bezahlen, wodurch auch die Stadion AG zahlungsunfähig würde. Dann könnte sie ihren Unterhaltspflichten nicht mehr nachkommen – gemäss Vertrag muss die Stadion AG jährlich mindestens 575 000 Franken in einen Erneuerungsfonds einzahlen. Kann sie das nicht mehr tun, sind die Vertragsbedingungen verletzt – und das Baurecht, das eigentlich für 99 Jahre gilt, wird annulliert. Die Stadt käme somit in den Besitz des Stadions und könnte über dessen Schicksal entscheiden.

Diese Mechanismen, so der Stadtrat, böten genügend Sicherheiten, um die öffentlichen Interessen in jedem Fall zu wahren. Mit öffentlichem Interesse meint der Stadtrat vor allem, dass auf der Allmend weiterhin Fussball gespielt wird. Entscheidend seien deshalb nicht die Besitzverhältnisse, sondern «dass der FCL erfolgreich spielt, dass die Zuschauenden gerne nach Luzern ins Stadion kommen.»

Für Interpellant Christian Hochstrasser (Grüne) sind die Argumente des Stadtrats nicht ganz nachvollziehbar. «Er hat offenbar keine Ahnung mehr, was der damalige Stadtrat mit der strikten Trennung von FCL und Stadion bezweckte.» Auch sei es ein Widerspruch, dass einerseits mit Rosie Bitterli eine Vertreterin der Stadt im Verwaltungsrat der Stadion AG sitzt und der Stadtrat dies auch explizit begrüsst – dass er es aber gleichzeitig ablehnt, als Aktionär Einfluss zu nehmen auf die Stadion AG.

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