Weil sie zu viel Platz benötigen – der Luzerner Stadtrat stellt sich gegen Stromtankstellen

In keiner anderen grösseren Schweizer Stadt gibt es so wenige Elektro-Ladestationen wie in Luzern. Das bleibt vorerst auch so – die Infrastruktur würde zu viel Platz benötigen, findet der Stadtrat.

Stefan Dähler
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Gerade mal zwei öffentliche Stromtankstellen gibt es in der Stadt Luzern: im Lido neben dem Verkehrshaus und auf der Allmend. Damit schneidet Luzern im Vergleich mit neun anderen grösseren Schweizer Städten gemäss einem Faktenblatt von Swiss eMobility schlecht ab. Nirgendwo gebe es im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung so wenige öffentliche Stromtankstellen (wir berichteten).

Das dürfte auch zukünftig so bleiben, denn der Luzerner Stadtrat will bei Parkplätzen im öffentlichen Raum keine neuen Elektro-Ladestationen errichten. Das schreibt er im Bericht zum neuen Autoparkierungskonzept. «Die Ladeinfrastruktur an öffentlichen Strassenparkplätzen würde den öffentlichen Grund zusätzlich beanspruchen und ein Hindernis für Fussgängerinnen und Fussgänger» darstellen, heisst es darin. Zudem könnten Stromtankstellen weiteren Nutzungen oder speziellen Anlässen wie Fasnachtsumzügen im Weg stehen.

Unsichere technische Entwicklung

Weiter sei auch die technische Entwicklung bei den Elektroautos kaum vorhersehbar. Derzeit besteht die Möglichkeit, diese zu Hause oder bei der Arbeit langsam während mehrerer Stunden zu laden. Weiter existieren Schnellladestationen, bei denen das Stromtanken rund 20 bis 30 Minuten dauert. Letztere könnten jedoch bei einer hohen Anzahl an Elektroautos das Stromnetz zu stark belasten. Darum gebe es auch andere Ansätze wie etwa den Akku-Austausch an Tankstellen oder dezentrale Energiespeicherung. Im Voraus bauliche Massnahmen für die Errichtung von Stromtankstellen zu ergreifen sei daher «mit erheblichen Unsicherheiten und Risiken verbunden».

Generell müsse man beachten, dass Elektroautos in der Stadt dank tieferer Lärmbelastung und dem Wegfall von Schadstoffemissionen zwar eine bessere Umweltbilanz aufweisen würden als solche mit Verbrennungsmotoren, so der Stadtrat weiter. Doch die hohe Beschleunigung stelle ein Risiko für andere Verkehrsteilnehmer dar und führe zu einem grösseren Verschleiss der Fahrbahnen. Und nicht zuletzt benötige auch ein Elektroauto viel Fläche.

Mit der Bereitstellung von Stromtankstellen entstünde ein Anreiz, das Auto auf öffentlichen Parkplätzen abzustellen. Mit dem Autoparkierungskonzept will der Stadtrat aber genau das Gegenteil erreichen: Autofahrer sollen vermehrt in Parkhäuser beziehungsweise auf Privatparkplätze ausweichen, um die öffentlichen Parkplätze zu entlasten. Man sei denn auch bereit, Private oder Dritte bei der Einrichtung von Ladeinfrastruktur «nach Möglichkeit» zu unterstützen, schreibt der Stadtrat. Bei steigender Nachfrage könne man Ladestationen auf städtischen Parkierungsanlage erneut prüfen.

Motion zum Ausbau ist noch hängig

Mit dieser Stellungnahme des Stadtrats dürften auch die Chancen einer entsprechenden Motion, die noch hängig ist, sinken. Mitunterzeichner Cyrill Studer Korevaar (SP) hat dennoch Verständnis für die Argumentation. «Betrachtet man das Gesamtkonzept, macht die Haltung des Stadtrats Sinn.» Denn dieser will erreichen, dass Autos in der Innenstadt bei einer längeren Parkdauer in Parkhäuser ausweichen. «Wichtig ist also, dass dort eine Ladeinfrastruktur vorhanden ist.» So könnte die Stadt sich dafür einsetzen, dass Parkfelder an guten Lagen für elektronische Fahrzeuge reserviert und mit einem Schnellladesystem ausgestattet werden. Als Teilaktionärin mehrerer Parkhäuser dürften für die Stadt durchaus Einflussmöglichkeiten vorhanden sein.

SP-Grossstadtrat Cyrill Studer-Korevaar bei der Stromtankstelle gegenüber dem Verkehrshaus.

SP-Grossstadtrat Cyrill Studer-Korevaar bei der Stromtankstelle gegenüber dem Verkehrshaus.

Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 12. März 2019)

Der Fokus auf die Parkhäuser sei auch aus Effizienzgründen sinnvoller. «Im öffentlichen Raum müssten für jeden Parkplatz Stromleitungen gezogen werden», sagt Studer. Er übt aber auch Kritik. Die Ausführungen des Stadtrates zur E-Mobilität seien insgesamt doch etwas gar defensiv. «Die E-Mobilität kommt mit Riesenschritten. Andere Städte sind da viel offensiver und auch erfolgreicher unterwegs.» So fördert etwa Basel Stadt den Kauf von Cargo-Bikes oder E-Taxis, in der Walliser Region Goms können Touristen wie auch Einheimische günstig Elektroautos mieten.

Luzerner Stadtrat will auch keine Parkplatz-Teilete

Mit Apps wie «ParkU» oder «Parkit» können Private ihre Parkplätze stunden- oder tageweise weitervermieten, wenn sie diese nicht selbst benötigen. Der Luzerner Stadtrat steht dieser Praxis ablehnend gegenüber, wie er im Bericht zum neuen Autoparkierungskonzept schreibt. Das Teilen des Parkplatzes führe zu Mehrverkehr, beeinträchtige die Leistungsfähigkeit des Strassennetzes und erhöhe Lärm sowie Schadstoffemissionen in den Quartieren. Ausserdem handle es sich um eine «nicht bewilligte Zweckänderung des Parkplatzes», was gesetzlich unzulässig sei. Bewilligte Privatparkplätze werden immer einer bestimmten Nutzergruppe zugewiesen: Bewohnern, Besuchern oder Beschäftigten.

In Luzern würden über «ParkU» bisher nur 17 der insgesamt rund 50'000 Privatparkplätze angeboten. Das Angebot ist also sehr klein. Sollte dieses aber «bedeutend zunehmen», müssten rechtliche Schritte gegen die App-Betreiber und die Parkplatz-Vermieter in Betracht gezogen werden, schreibt der Stadtrat. (std)

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